+
Angela Merkel schaut sich einen BMW an.

Zukunft

Frankfurt: IAA-Entscheidung fällt zum Jahresende

  • schließen

Frankfurter Politiker bangen um die Automobilausstellung, verlangen aber ihre Reform. Heftige Vorwürfe gibt es von Wirtschaftsdezernent Frank gegen OB Feldmann.

Im März 2011 war die Welt noch in Ordnung. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, strahlten damals, als sie im Römer vor die Medienvertreter traten. Die beiden verkündeten, dass die größte Auto-Schau der Welt bis 2019 in Frankfurt bleiben werde. „Wir haben gute Erfahrungen in Frankfurt gemacht“, bilanzierte Wissmann. Das galt seit 1951.

Jetzt ist das alles vorbei. Die Zeiten wandeln sich. Die IAA wird von empörten Klimaschützern belagert. Das Image der Automobilindustrie hat erheblich gelitten. Und der ausgelaufene Vertrag zwischen Messe Frankfurt und VDA wurde nicht verlängert. Bisher nicht. Im Römer geht die Angst um, dass die größte Automobilmesse der Welt die Stadt verlassen könnte.

Normalerweise wurde eine Vertragsverlängerung zwischen Kommune und VDA stets geräuschlos und ohne Probleme ausgehandelt. In diesem Jahr ist alles anders. „Wir befinden uns weiterhin in Gesprächen“, sagt Markus Quint, Sprecher der Messe Frankfurt. Die Hoffnung der Messegesellschaft, die IAA in Frankfurt zu halten, ist groß. „Wir haben die perfekte Lage, die perfekte Infrastruktur und den idealen Standort“.

Ob das noch hilft, ist die Frage. Am Donnerstag saßen die VDA-Mitgliedsunternehmen hinter verschlossenen Türen in Frankfurt zusammen und berieten über die Zukunft. „Die Frage, an welchem Ort die IAA künftig stattfinden wird, ist noch nicht beantwortet“, sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter offen. „Ende des Jahres, Anfang 2020“ werde der Verband eine Entscheidung über den künftigen Veranstaltungsort der IAA bekanntgeben. Mögliche andere Standorte wie die Messen von Köln oder Berlin werden vom VDA nicht dementiert. „Frankfurt ist aber noch nicht raus“, tröstet Rotter.

Beschluss über den künftigen Charakter der Messe

Vor der Entscheidung über den Ort will der VDA jedoch einen Beschluss über den künftigen Charakter der Messe fällen. Die Überlegungen zeigen ganz klar, dass der Protest für den Klimaschutz Wirkung zeigt. Die IAA soll sich „zur Mobilitätsschau“ wandeln, sagt Rotter. Er spricht von „neuen Konzepten, die seit Monaten erarbeitet werden“.

Moderne Umwelttechnologie und „CO2-Neutralität“ sollten im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellung sei aber schon längst „keine reine Autoschau“ mehr, behauptet ihr Sprecher.

Auch die Linken urteilen, die IAA habe nur dann eine Überlebenschance, „wenn sie weniger um Profite und Protz kreist, sondern sich mit Ökologie beschäftigt“. So sagt es Michael Müller, der wirtschaftspolitische Sprecher der Linken im Römer. Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Mike Josef versichert der FR: „Wir wollen die IAA in Frankfurt halten.“ Die Ausstellung müsse aber „so aufgestellt werden, dass sie zukunftsfähig ist“.

Indessen geht die Auseinandersetzung um die Frage weiter, warum OB Peter Feldmann (SPD) nicht bei der Eröffnung der IAA sprechen konnte. VDA-Sprecher Rotter behauptet, die „Absage“ seines Verbandes sei „nicht wegen kritischen Inhalten“ der OB-Rede erfolgt. Der Grund sei stattdessen „ein enges Zeitfenster“ für die Eröffnungsveranstaltung gewesen. Feldmann hatte eine Rede vorbereitet, in der er scharfe Kritik an der Autobranche üben und eine Mobilitätswende fordern wollte.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) macht dem OB heftige Vorwürfe. „Um die IAA muss man sich sehr professionell kümmern, da helfen solche Spielchen wie die von Feldmann nicht.“ Es sei „suboptimal, wenn man den Eindruck erweckt, man sei von der Eröfffnung ausgeladen worden, während man gar nicht eingeladen war.“ Die Stadt müsse jetzt ein Paket mit Angeboten für den VDA schnüren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare