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Frankfurter Streetwear-Label 6PM löst Mega-Hype aus: Fans reisen aus ganz Deutschland an

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Von: Kathrin Rosendorff

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Weit über 1000 Menschen warteten am Samstag (2. Juli) teils 25 Stunden, um einzukaufen und den Frankfurter Jungdesigner Achraf Ait Bouzalim in seinem Pop-up-Store zu treffen.

Frankfurt – „Er kommt!“, rufen junge Männer in weißen Tanktops und halten ihre Smartphones hoch. Eine junge Frau weint fast vor Aufregung und sagt: „Ich bekomme Gänsehaut.“ Weit über 1000 Menschen stehen da schon am heißen Samstagmittag (2. Juli) vor dem Pop-up-Store des Frankfurter Streetwear-Labels 6PM in der Fahrgasse unweit des Mains an.

Aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz sind Fans angereist; die meisten sind männlich und zwischen 14 und Anfang 20. Sie sind gekommen, um Hoodies und Sporthosen (von babyblau bis grasgrün) des Frankfurter Jungdesigners Achraf Ait Bouzalim zu kaufen. Und um ihn persönlich zu treffen. Als er sie zur Begrüßung abklatscht, kann ein Fan es kaum glauben, und sagt: „Oh mein Gott!“

Der 26-Jährige wird gefeiert wie ein Popstar. 2017 hat er sein Label 6PM gegründet und seine Community über Instagram aufgebaut. Rapper zeigten sich in seinen Sachen. Seit zwei Jahren ist er so erfolgreich, dass seine limitierten Kollektionen innerhalb von Minuten ausverkauft sind. Laut eigener Aussage generiert die Marke einen hohen einstelligen Millionenumsatz.

Streetwear-Labels 6PM aus Frankfurt: Kollektion vorab zu kaufen

Nun ist auch der Mode-Onlineshop „About You“ eingestiegen und bringt mit ihm eine extra Kollektion, die erstmals nicht limitiert ist, namens 6PM+ raus. Ab 8. Juli gibt es diese offiziell zu kaufen. Als Werbeaktion konnten Fans sie nun vorab in Pop-up-Stores in Berlin, Hamburg und jetzt in Frankfurt an jeweils nur einem Tag kaufen.

Raul (14) aus Bingen war schon in Berlin und hat wie 19 andere vor dem Laden in Frankfurt übernachtet: „Ich habe auf dem Boden geschlafen. Aber das hat sich echt gelohnt. Das Gefühl ist einfach geil, die Sachen vor allen anderen zu haben. Desto mehr Klamotten, um so besser“, sagt er. Bereits um 15 Uhr sind schon viele der knapp 2000 Teile ausverkauft. Ein DJ legt auf.

Mega Hype um den Frankfurter Modedesigner Achraf Ait Bouzalim vor dem Pop-Up-Store in der Frankfurter Innenstadt. Mit seinem Label 6PM verkauft der 26-Jährige jede seiner Kollektionen in Minuten aus.
Mega Hype um den Frankfurter Modedesigner Achraf Ait Bouzalim vor dem Pop-Up-Store in der Frankfurter Innenstadt. Mit seinem Label 6PM verkauft der 26-Jährige jede seiner Kollektionen in Minuten aus. © Oeser

Nur grüppchenweise dürfen die Leute rein: Im Laden selbst ist kein Gedränge. Nur direkt vor der Tür, die Ein-und Ausgang zugleich ist, wird so sehr gedrängelt, dass die Security-Mitarbeiter die Polizei rufen, damit sie ihnen hilft. Normalerweise ist in diesem Laden die Galerie Maurer. „Ich wollte in die Galerie. Das wird wohl heute nichts“, sagt eine Frankfurterin.

Ramon (15) ist aus Zürich mit dem Bus angereist. Um ihn herum fragen Ü-30-Menschen immer wieder: „Was ist hier los?“ Eine Touristin aus Köln sagt: „Ich dachte erst, die stehen für eine Wohnungsbesichtigung an.“ Sie lacht. Ramon erklärt den Hype so: „Achraf ist wie Ronaldo – nur eben in einer anderen Szene.“ Er kauft für 190 Euro zwei Tanktops, einen Sweater, eine Hose und Socken und lässt sich das weißgerippte Tanktop, auf dem 6PM steht, von Achraf signieren. Achraf sei ein Vorbild: „Anfangs lief es mit dem Label nicht so gut. Er hatte Schulden, aber jetzt hat er es echt geschafft.“

Streetwear-Labels 6PM aus Frankfurt: Designer findet Hype „krass und ehrenhaft“

Auf Instagram präsentiert der Designer seine teuren Wagen und Luxusuhren, gleichzeitig bleibt er nahbar, schreibt mit Fans, sogar bei Liebeskummer tröstet er. Dass so viele Leute ihn feiern, überwältigt ihn. „Das ist krass und ehrenhaft. Nicht mal in meinem schönsten Traum hätte ich gedacht, dass so etwas in meinem Leben passieren wird.“

Stundenlang signiert er im Laden, aber auch draußen auf seinem lachsfarbenen Ferrari alles, was seine Fans ihm reichen: Handyhüllen, Schuhe, Shirts, Plastikschüsseln – auf Wunsch unterschreibt er sogar einen Zehn-Euro-Schein. Er macht mit allen, die wollen, Fotos, bleibt entspannt und kumpelhaft. Familie nennt er seine Community. „Achraf ist der Beste. Er kümmert sich: Wer lässt sonst seinen Fans nachts Pizza liefern? Sogar Security hat er geschickt, damit den Jungs, die hier übernachtet haben, nichts passiert“, erzählt ein Fan aus Mannheim.

Ein anderer Fan gibt um 14 Uhr enttäuscht auf, seit 6 Uhr morgens war er da: „Leute haben sich vorgedrängelt. Die Organisation hätte besser sein müssen.“ Eine Mutter aus der Nähe von Wuppertal hat ihren 20-jährigen Sohn hergefahren: „Ich finde das cool, ein unvergessliches Erlebnis für ihn.“ Sie versteht allerdings nicht, was an der Marke so besonders ist: „Sweatshirt halt.“

Das sehen die Kund:innen ganz anders: Angelo sagt: „Schlicht, bequem, Super-Qualität und passt zu allem.“ Seine Freundin Viola (17) mag die Sachen auch und hat deswegen Angelos schwarze Trackhose angezogen. Die Kleidung ist unisex. Deniz (18) aus Ulm sagt: „Die Sachen sitzen einfach geil.“

Weiteres Modetalent aus Frankfurt

Talentierte, junge Modedesigner:innen gibt es in Frankfurt einige. Zu ihnen gehört auch Paulinus Fung M’englü, dessen Klamotten von Stars wie Soulja Boy oder Mario Balotelli getragen werden.

Streetwear-Labels 6PM aus Frankfurt: Fans warten bis zu 25 Stunden vor Pop-up-Store

Mit seinen beiden Freunden Murat (18) und Eris (16) haben die Schüler am längsten gewartet: Sie waren genau 25 Stunden und 50 Minuten vor der Eröffnung hier. Die Nacht haben sie auf Campingstühlen verbracht. Mit sehr, sehr müden Augen stehen sie ganz vorne. Da sie zu den ersten 20 in der Schlange gehörten, dürfen sie sich ein Teil ihrer Wahl kostenlos aussuchen und entscheiden sich jeweils für einen Hoodie für 89 Euro. Super zufrieden, aber total fertig fahren sie mit dem 9-Euro-Ticket nachmittags zurück nach Ulm. Für die Aftershow-Party am Abend im Gibson Club hätten sie einfach keine Kraft mehr. Deniz erzählt, seine Mutter habe wenig Verständnis für die schlafraubende Aktion: „Sie sagte: ‚Deniz, das ist dumm, was du machst.‘“ Er lacht. (Kathrin Rosendorff)

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