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Die Schwester Ilkay Yücel kämpft für ihren Bruder.
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Die Schwester Ilkay Yücel kämpft für ihren Bruder.

Autokorso

Hup-Konzert für Deniz Yücel

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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In Frankfurt demonstrieren Unterstützer mit einem Autokorso für die Freilassung des inhaftieren "Welt"-Journalisten. Am Türkischen Generalkonsulat gibt es ein fünfminütiges Hup-Konzert.

Eine junge Studentin ist spontan zum Autokorso am Dienstagnachmittag mit dem Rad dazugestoßen: #FreeDeniz schreibt sie mit Kuli auf die Rückseite eines Magazins und klemmt sich dieses zwischen ihre Handtasche und den Mantel. Andere haben Schilder mit Slogans wie: „Erdogan weghupen“ oder „Journalismus ist kein Verbrechen“ gebastelt. Die Autofahrer hupen, die Radfahrer klingeln sich durch die Innenstadt.

Knapp 70 Wagen und neun Radfahrer nahmen laut Polizei am späten Dienstagnachmittag in Frankfurt an der Kundgebung in Form eines Autokorsos teil. Sie wollen ihre Solidarität mit dem in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel bekunden. Die Initiative #FreeDeniz hatte parallel in zwölf Städten zu Autokorsos aufgerufen. Die Route führte zwei Stunden lang über den Baseler Platz nach Sachsenhausen und zurück über die Friedensbrücke zum Roßmarkt.

„Wir kämpfen für die Freilassung von Deniz Yücel und die von 153 Journalisten, die ebenfalls in der Türkei in Haft sitzen“, sagt Maximilian Pichl, einer der Organisatoren des Frankfurter „Korso-4Deniz“-Teams. Nach zwei Wochen Polizeigewahrsam in Istanbul hatte am Montag ein türkischer Richter Untersuchungshaft gegen den „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel angeordnet. Der Vorwurf: „Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung“.

Manche Passanten halten sich bei der Huperei die Ohren zu, andere strecken solidarisch die Faust vom Balkon oder von der Straße aus nach oben. Nur wenige Autofahrer sind verärgert, dass sie wie auf der Kennedyallee länger im Feierabend-Stau warten müssen. Der Korso wird von der Polizei begleitet und darf so auch über rote Ampeln fahren.

Die 41-jährige Frankfurterin Kim Parent  ist eine der wenigen Radfahr-Demonstranten. Parent hat mit dem gebürtigen Flörsheimer Yücel Abitur gemacht. „Als ich nach 25 Jahren meinen ehemaligen Klassenkameraden in der Tagesschau wiedersah, war der Punkt für mich da, zu sagen: Es ist Zeit, politisch zu werden. Es kann doch nicht sein, dass er festgenommen wird, bloß, weil er seine Meinung als Journalist sagt.“ „Pressefreiheit“, geben viele der Demonstranten als Grund für ihre Teilnahme an. „Merkel ist viel zu butterweich in ihren Forderungen“, sagt ein junger Student.

Auch die Grünen-Landtagsabgeordneten Martina Feldmayer und Kai Klose fahren mit. Am Türkischen Generalkonsulat gibt es ein fünfminütiges Hup-Konzert. Aber niemand schaut durch die Gardinen. Radfahrerin Toni (28) sagt: „Ich habe in Istanbul studiert und ich kenne viele türkische Freunde, die ihren Job an der Uni verloren haben, weil sie ihre Meinung über Erdogan laut sagten.“

Yücels jüngere Schwester Ilkay fährt im Auto mit. Ihrem Bruder gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt sie: „Noch ist er stark.“ Und: „Diese Solidarität rührt mich sehr. Es gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Und ich hoffe einfach nur, dass Deniz bald frei kommt.“

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