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Holger Rakete und Ernst Baier arbeiten seit vielen Jahren in der Geldtransportbranche.

Protest in Frankfurt

Hungerlohn der Angst

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Zwei Geldtransporter-Fahrer erklären, warum ihnen der Warnstreik wichtig ist. Sie möchten nicht nur 1,50 Euro mehr verdienen, sondern auch ihr Image verbessern. Heute protestieren sie und ihre Kollegen in Frankfurt.

Von der Faszination des Geldes ist an diesem Donnerstagmorgen im Gewerkschaftshaus nichts zu spüren. Wie schon am Vortag sitzen dort an die zweihundert Männer und nur wenige Frauen. Viele tragen die gelbe Weste ihrer Gewerkschaft. Verdi möchte in der laufenden Tarifrunde 1,50 Euro mehr pro Stunde herausholen – das ist vergleichsweise bescheiden, wenn man weiß, dass diese Männer „teilweise mit Millionenwerten durch die Gegend fahren“, so Streikleiter Mathias Venema.

„Wir reden nicht über die Beträge, die wir transportieren“, sagen Ernst Baier (47) und Holger Rakete (46). Beide fahren schon seit vielen Jahren für den bundesweiten Marktführer „Prosegur“. Warum man die gepanzerten Geldtransporter so oft auf Radwegen halten sieht? Es gehe darum, „die Wege kurz zu halten“, schließlich sei der Gang vom Fahrzeug zum Bankinstitut der gefährlichste Teil der Arbeit. Immer sitzt die Angst im Nacken, überfallen zu werden. Rakete legt sein Handy auf den Tisch und zeigt einen martialischen Überfall in einer spanischen Bank: So schnell könne das gehen, sagt er. Außerdem gebe es oft gar keine Alternative, das Fahrzeug abzustellen, etwa entlang der Bockenheimer Landstraße.

Baier und Rakete tragen Schutzwesten bei der Arbeit, sind bewaffnet. Alle beteiligten Behörden haben ihnen eine absolute Vertrauenswürdigkeit bescheinigt – und doch fühlen sie sich von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, nicht wertgeschätzt. Das Image sei nicht so gut, räumen sie ein und man merkt, dass es sie wurmt. Und so soll dieser Warnstreik nicht nur den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, sondern auch nach außen ein Zeichen setzen.

Baier und Rakete stehen zu ihrem Job: „Man hat mit der Zeit den Beruf lieben gelernt.“ Beide sind froh darüber, dass sie nicht den ganzen Tag im Büro sitzen müssen. Und von der Faszination des Geldes wollen sie schon gar nichts wissen. „Man lernt in diesem Gewerbe, das Geld nichts anderes ist als zum Beispiel Backsteine.“ Eine Ware eben, die von A nach B gefahren wird.

Noch scheinen sich die Auswirkungen des Ausstandes in Grenzen zu halten: Die Frankfurter Sparkasse räumt „vereinzelte Störungen in den Filialen“ ein. In der Hauptstelle könnten aber alle Kunden größere Bargeldbeträge ein- und auszahlen. Bei der Frankfurter Volksbank läuft dagegen „alles ganz normal“, so Pressesprecher Michael Kröhle. Die Geldautomaten würden funktionieren. Warum das so ist, möchte Kröhle wegen der „sicherheitsrelevanten Aspekte“ nicht preisgeben.

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