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Die Hundertjährige

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Von: Franziska Schubert

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Die Wege sind noch ungewohnt.
Die Wege sind noch ungewohnt. © peter-juelich.com

Die Goethe-Uni feiert ihr Jubiläum ganz groß und fordert ihre Studenten dazu auf, mehr über die Geschichte ihrer Hochschule zu erfahren. Ein volles Programm und eine App bieten dazu die Gelegenheit.

Für alle Studierenden, die in diesen Tagen erstmals ihren Fuß auf den Campus der Goethe-Uni setzen, wird das kommende Semester neben dem vielen Lernstoff vor allem eine spannende Zeitreise bereithalten. "Das Jubiläumsjahr ist eine Riesenchance, mehr über die Geschichte der eigenen Uni zu erfahren", betont Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der vor 100 Jahren in Frankfurt am Main gegründeten Universität. "Wenn wir künftig beherzigen, dass unsere Wurzeln von Toleranz, Liberalität und Internationalität geprägt waren, sind wir auf einem guten Weg."

Mehr über die zumeist sehr wohlhabenden Gründungsväter und -mütter der Stiftungsuniversität erfahren Interessierte derzeit etwa im PA-Gebäude in der Ausstellung "36 Stifter für eine Idee – Das Frankfurter jüdische Bürgertum und die Gründung der Universität". Ein Kapitel, das erst in den vergangenen Jahren wiederentdeckt wurde. Bei dieser wie den mehr als 100 weiteren Veranstaltungen im Jubiläumsjahr wirken neben Professoren und Dozenten oft auch Studierende sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter aller 16 Fachbereiche mit.

"Archive der Uni sind eine Schatzkammer"

Einen kritischen Blick auf den humanistischen Gründungsmythos der Uni wirft heute Abend um 20 Uhr Jürgen Schardt im Café Koz, Mertonstraße 26, bei der Vorstellung seines Buchs "Mythos Bürgersinn. Zur Gründungsgeschichte der Universität Frankfurt". Schardt zeigt auf, dass 1914 vor allem wirtschaftliche Interessen ausschlaggebend waren, die Uni mit rein privaten Mitteln aufzubauen. Federführend waren dabei Oberbürgermeister Franz Adickes und der Industrielle und Mäzen Wilhelm Merton.

Doch auch der Vizepräsident verspricht, dass durchaus die Schattenseiten beleuchtet werden sollen. So wurde nach der Gleichschaltung der Uni 1933 durch die Nationalsozialisten knapp ein Drittel der Professorenschaft – diejenigen jüdischer Herkunft – beurlaubt. Dabei war Frankfurt einst ein Vorreiter gewesen, als es darum ging, dass diese unabhängig von ihrem Glauben ohne Beschränkung lehren durften.

Erst vergangene Woche besuchte Schubert-Zsilavecz persönlich das Züricher Ehrengrab des ehemaligen Frankfurter Neuropathologen Philipp Schwartz, der die Uni 1933 überstürzt verlassen musste und nach dem Zweiten Weltkrieg wie so viele andere nicht zurückkehren durfte. Sich dafür zu entschuldigen und zu versprechen, die Erinnerung an Schwartz als "Wissenschaftler, als Vertriebener und als Helfer" lebendig zu halten, sei für ihn entscheidend gewesen, sagt der Vizepräsident. Schwartz hatte angesichts seiner eigenen Erfahrung in der Schweiz die Hilfsoganisation "Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland" gegründet.

Ins Licht der Öffentlichkeit kommen aber auch Funde, die in der Regel nicht allgemein zugänglich sind. "Nur wenige wissen, dass die wissenschaftlichen Sammlungen und Archive der Goethe-Universität eine wahre Schatzkammer sind", sagt Schubert-Zsilavecz. Bei der Jubiläumsausstellung im Museum Giersch im Oktober "werden wir diese wunderbaren Dinge herzeigen". Zu sehen sind etwa eine Gutenberg-Bibel sowie der Nachlass des Frankfurter Arztes Alois Alzheimer, der die Demenz-Krankheit erstmals entdeckte. Aber auch Kuriositäten wie ein menschlicher Unterkiefer sollen bei der Schau präsentiert werden.

Einen Einblick in das universitäre Leben gibt zudem im Juni die "Week of Science" auf dem Campus Riedberg, bei der sich alles um 100 Jahre Naturwissenschaften an der Goethe-Uni dreht, sowie die Sommerfest-Woche vom 14. bis zum 20 Juli, zu der ausdrücklich auch die Frankfurter Bürger eingeladen sind. Außerdem werden prominente Gäste erwartet: Bundespräsident Joachim Gauck kommt zum Festakt am 18. Oktober in der Paulskirche, um den 100. Uni-Geburtstag mit internationalen Gästen zu feiern. Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer liest Goethe und Bestsellerautor Daniel Kehlmann wird immer dienstags vom 3. Juni bis 2. Juli die Poetikdozentur halten.

Mit Hilfe der Jubiläums-App können Bürger, Studierende und Uni-Mitarbeiter sich über das Programm informieren. Darüber hinaus enthält die App einen virtuellen Wissenschafts-Stadtplan. Dieser verbindet die berühmten Uni-Persönlichkeiten gewidmeten Gedenktafeln an 100 verschiedenen Orten zu einer Tour.

Die App "100 Jahre Goethe-Uni" ist unter www.uni-frankfurt.de/gu100 im Internet zu finden. Eine gute Übersicht bietet auch der Terminkalender: www.gu100.de

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