1. Startseite
  2. Frankfurt

Hunderte demonstrieren in Frankfurt gegen die Waldrodung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Leclerc

Kommentare

In Frankfurt haben am Wochenende Hunderte gegen den Ausbau der Autobahn 66 demonstriert. Renate Hoyer
In Frankfurt haben am Wochenende Hunderte gegen den Ausbau der Autobahn 66 demonstriert. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Im Fechenheimer Wald in Frankfurt gilt rund ums Rodungsgebiet eine Sperrzone. Bei einer Demo positionieren sich die OB-Kandidat:innen in Frankfurt zum Autobahnausbau.

In Frankfurt haben am Samstagvormittag nach Polizeischätzung etwa 400 Menschen vor dem DGB-Haus für den Erhalt des Fechenheimer Walds und gegen den Ausbau der Autobahn 66 demonstriert. Der Veranstalterkreis um Attac Frankfurt, Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn und BUND Frankfurt ging von 550 Teilnehmenden aus. Im DGB-Haus fand zeitgleich der Neujahrsempfang des Gewerkschaftsbunds statt. Beim Abschluss der Demo am Rathenauplatz zählten die Veranstalter bis zu 700 Menschen,

Mit lauten Rufen wie „Fecher bleibt“ und „Wald statt Asphalt“ machten die Teilnehmenden am DGB-Haus Druck auf die anwesenden Politikerinnen und Politiker, darunter die Kandidat:innen zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am 5. März (Stichwahl 26. März). „Bitte stoppen Sie diesen verkehrspolitischen Wahnsinn“, forderte eine Sprecherin vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn. Sie hatte sich, wie weitere Aktivist:innen, als Fliegenpilz verkleidet: in weißem Overall und mit rotem Hut mit weißen Punkten. Den OB-Kandidat:innen brachten die Veranstalter einen Ast mit, auf dem unter anderem zu lesen war, „Wir brauchen Wald“.

OB-Kandidat:innen rechtfertigen sich

OB-Kandidat Uwe Becker (CDU) rechtfertigte den Autobahnausbau und hielt ein mitgebrachtes Herz in die Höhe: „Zeigen Sie Herz für die Menschen im Riederwald, denen eine Entlastung vom Verkehr versprochen wurde.“ Sein Ausspruch wurde mit Pfeifen, Buh- und Zwischenrufen quittiert.

„Ihr legt den Finger in die Wunde: Klimawandel und Autobahnausbau lassen sich nicht vereinbaren“, sagte OB-Kandidatin Daniela Mehler-Würzbach (Linke), was vom Publikum dankend angenommen wurde. OB-Kandidat Yanki Pürsün (FDP) sagte, „die Argumente sind ausgetauscht, die demokratische Mehrheit ist dafür, jetzt wird gebaut“, woraufhin das Publikum ihm unsanft ins Wort fiel. OB-Kandidatin Manuela Rottmann (Grüne) sagte: „Ich engagiere mich seit 30 Jahren gegen die Klimakatastrophe“. Allerdings ließen sich manche Projekte nicht mehr verhindern.

„Sie müssen hier anfangen“, schallte es ihr aus dem Publikum entgegen. Ein Sprecher aus dem Veranstalterkreis zeigte sich enttäuscht von den Grünen, die in Bund, Land und Stadt mitregierten, „aber das Tempo der Klimazerstörung nimmt kaum ab“. Als Zeichens des Protests sei eine Fuhre Totholz vor der Parteizentrale der Grünen in der Oppenheimer Straße in Sachsenhausen abgeladen worden.

Bekennerschreiben zur Beschädigung von Fahrzeugen

Mutmaßlich steht die Beschädigung von 14 hochwertigen Fahrzeugen sowie dem Schaufenster des Autohauses „Hessengarage“ im Riederwald in der Nacht auf Donnerstag in Zusammenhang mit dem Klimaaktivismus. Auf der Plattform „Indymedia“ ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Unter dem Titel „Luxuskarren und Schaufenster der Hessengarage eingehauen“ solidarisieren sich „unbekannte Kompliz*innen“ mit der Besetzung im Fechenheimer Wald und in Lützerath, auch wenn sie Ansätze der „Letzten Generation“ oder von „Ende Gelände“ nicht vollständig teilten. Die Polizei ermittelt.

Für den Fechenheimer Wald hat das Forstamt Groß-Gerau als Untere Forstbehörde eine Allgemeinverfügung zur Waldsperrung erlassen. Rund um die Rodungsfläche, die etwa drei Hektar groß ist, wird eine 90 Meter breite Sperrzone angeordnet. Das entspreche der doppelten Baumhöhe plus Reichweite der Ausleger des technischen Geräts.

Die Sperrung wird damit begründet, dass gefällte Bäume weitere Bäume umreißen könnten. Seile, die illegal an den Bäumen befestigt seien, könnten wild durch die Gegend schießen. Die Verletzungsgefahr sei hoch. Gefällt werden soll mit Spezialfällbaggern und -kränen, Woodcrackern und Kettenbaggern mit Baumscheren.

Waldcamp besteht seit gut einem Jahr

Um die Sperrzone einzuhalten, sollen großflächige Absperrungen errichtet werden. Nahe dem Parkhaus Borsigallee ist bereits eine Logistikfläche eingerichtet worden, bei der übereinandergestapelte Container eine uneinsehbare Fläche umschließen. Die Waldbesetzer:innen nennen dies eine „Containerburg“.

Am heutigen Montag werden die parlamentarischen Beobachter:innen von der Polizei über das geplante Vorgehen bei der Räumung der Waldbesetzung informiert. Die „Ella Soli-Gruppe Hessen“ ruft für 16.30 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Frankfurter Polizeipräsidium auf.

Die Presse und damit die Öffentlichkeit werden am Mittwoch über die Räumung in Kenntnis gesetzt. Das Waldcamp besteht seit gut einem Jahr. Eine Räumung wird ab Donnerstag erwartet. Danach will die Autobahn-GmbH des Bundes zwei Baustraßen für den Ausbau der A66 mit Riederwaldtunnel im gerodeten Waldstück bauen.

Auch interessant

Kommentare