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Feldlerche beschützen!

Brutzeit

Hunde in Frankfurt besser an die Leine

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In der Brutzeit brauchen Vögel und Hasen besonderen Schutz. Vogelschützer bitten aber, auch ein anderes Tier jetzt lieber drinnen zu lassen.

Schön, wenn Frauchen oder Herrchen den Hund frei über die Wiesen tollen lassen kann. Nicht so schön, wenn Tiere – oder auch Menschen – darunter leiden müssen. „Eine Plage“, sagt Ingolf Grabow dazu, Beauftragter der Vogelschutzwarte für den Frankfurter Norden, „eine Plage für alle Bodenbrüter entlang der Nidda in Bonames und Harheim.“

Wer die Probe aufs Exempel macht, wird feststellen: Nur ein Bruchteil der Hundehalter hat den kleinen oder großen Liebling an der Leine. Die meisten laufen meterweit entfernt, gern auch in die Wiesen hinein. Sogar unterm Harheimer Storchennest, wo die Elterntiere jetzt brüten, lassen die Leute ihre Vierbeiner laufen.

Die Folge: Brütende Vögel werden aufgeschreckt, auch Hasen müssen davonlaufen, statt die Jungen zu versorgen. „Die Hunde bringen Stress in die Landschaft“, sagt Grabow. „Die Tiere fühlen sich nicht mehr sicher, und durch die Flucht und die ständige Hab-Acht-Stellung geht viel Energie verloren, die sie eigentlich für die Aufzucht benötigen.“

Umweltverbände machen jedes Jahr darauf aufmerksam, dass nun besondere Sorgfalt beim Gassi gehen gefragt ist. Schilder fordern dazu auf, Hunde an die Leine zu nehmen. Ordnungsamtssprecher Ralph Rohr erinnert an die städtische Broschüre „Gassi gehen – aber richtig“. Darin steht: „Auch soll ich während der Brutperiode zum Schutz der bodenbrütenden Vögel auf den Wiesen und darüber hinaus in Naturschutzgebieten angeleint werden. Meine Herrin oder mein Herrchen soll mich noch zurückziehen können, wenn ich mal nicht gehorchen will.“

Ein regelrechter Leinenzwang besteht nur für sogenannte Listenhunde, die als besonders gefährlich gelten, und für alle Hunde etwa in Parks, Gaststätten, Bus und Bahn. Auf den Feldern und im Wald dürfen Hunde also im Prinzip ohne Leine laufen – aber: „Im Grüngürtel gilt die Regel, dass sie im Einwirkungsbereich des Hundehalters bleiben müssen.“ Das heißt, der Hund befindet sich in Sichtweite und reagiert sofort auf Pfiff oder Ruf.

All dies klappte am Freitag nicht, als ein Jogger in Bonames am Nidda-Altarm gleich von zwei Hunden ohne Leine blutig gebissen wurde, die glaubten, ihr Frauchen verteidigen zu müssen. „In solch einem Fall hat die Halterin ein Problem“, sagt Rohr. Sollte es sich um Listenhunde handeln, müssten Wesenstest (beim Hund) und Sachkundeprüfung ( Halterin) nachgewiesen werden. Aber egal, welche Rasse: „Es ist immer eine Einzelfallentscheidung.“

Ingolf Grabow hat festgestellt: „Man sieht kaum noch einfache Spaziergänger, fast nur Hundehalter oder Jogger.“ Schon frühmorgens begegne er freilaufenden Hunden, auch in besonders sensiblen Gebieten wie dem Niederurseler Lerchenfeld, das der Nabu angelegt hat. Der Vogelschützer will aber nicht nur Hundebesitzer bitten, vorsichtiger zu sein. „Mein Appell geht auch an Katzenbesitzer, ihre Tiere in der Brutzeit besser drinnen zu lassen“, sagt er. „Streunende Katzen sind für Vögel ein genauso großes Problem.“ Für Jogger eher nicht.

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