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Clarissa Böckl in ihrem neuen Domizil am Rande des Stadtwalds.

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Clarissa Böckl - die Hüterin des Frankfurter Waldstadions 

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Clarissa Böckl ist neue Geschäftsführerin des Sportparks - ein Porträt.

Einen direkten Blick auf ihr „Besitztum“ hat Clarissa Böckl derzeit nicht. Seit dem Abriss des Tennis-Stadions logiert die „Sportpark Stadion Frankfurt Gesellschaft für Projektentwicklungen“ einen kräftigen Steinwurf entfernt in der Flughafenstraße. Die Geschäftsführerin und ihr Dutzend Mitarbeiter sind in einer Liegenschaft des Grünflächenamts untergekommen. Von ihrem Büro aus schaut sie ins Grüne. „Ab und zu zeigt sich auch mal ein Fuchs oder ein Eichhörnchen“, sagt Böckl. Für die neue Chefin des Waldstadions ist es nicht der erste berufliche Umzug innerhalb Frankfurts.

Bereits direkt nach dem Abitur fing die Obertshausenerin bei der Stadt Frankfurt an. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung arbeitete sie bis zur Geburt ihrer Tochter 1989 im Ausbildungsamt. Nach dem Mutterschutz fragte Achim Vandreike bei ihr an, ob sie nicht in Teilzeit und mit Unterstützung einer weiteren Kollegin sein Büro schmeißen wolle. Böckl blieb bis zur Demission Vandreikes 2006 in dessen Büro und erhielt durch die unterschiedlichen Aufgaben des langjährigen Magistratsmitglieds tiefe Einblicke, wie der Verwaltungsapparat einer Stadt funktioniert.

Sportpark GmbH

Die städtische Tochtergesellschaft ist für den Erhalt des Waldstadions, des Bornheimer Hangs, der Wintersporthalle und der Sportanlage Loisa verantwortlich. Sie ging hervor aus der früheren Stadion GmbH und der Mainufer-Projektentwicklungsgesellschaft, die für die Abwicklung des alten Schlachthofgeländes verantwortlich war.

Mit dem Neubau hat die Stadt die Vermarktung des Stadions professionalisiert und einen externen Betreiber beauftragt. Das Personal der städtischen Tochter ist dadurch von vormals mehr als 30 auf derzeit 13 geschrumpft. ote

„Als das Büro aufgelöst wurde, war ich dann ja ein Unterbringungsfall“, erinnert sich Böckl. Doch betteln musste die Diplom-Verwaltungswirtin nicht. Ihr gewissenhaftes Arbeiten hatte sich bis in die Stadtkämmerei herumgesprochen, wo sie fünf Jahre blieb, bis sie 2011 von der Sportpark GmbH abgeworben wurde. „Ich dachte, es ist noch mal die Zeit für eine neue Herausforderung“, so Böckl.

Seit Januar ist sie nun die Chefin und trat die Nachfolge des verstorbenen Lothar Schäfer an. Ihre Hauptaufgabe ist es dabei, dem Betreiber des Stadions bei den Abrechnungen auf die Finger zu schauen. Sportdezernent Markus Frank bezeichnete Böckl bei ihrem Amtsantritt als „Glücksgriff“ für die GmbH und bescheinigte ihr „eine besondere Affinität für Zahlen“. Böckl muss ein bisschen schmunzeln, wenn sie das hört. „Ich habe mich da reingefuchst, eigentlich bin ich eher sprachlich bewandert.“ Auch das wird ihr demnächst zugutekommen, denn auf die kleine städtische Tochter kommen große Aufgaben zu. Die Verhandlungen über den neuen Betreiber des Stadions stehen an, die Namensrechte für die Arena werden im kommenden Jahr wieder vergeben, und Eintracht Frankfurt will das neue Stadion nicht nur betreiben, sondern auch ausbauen und modernisieren. All das muss demnächst verhandelt werden.

Clarissa Böckl und ihr Team könnten sich vorstellen, mit dem Betreiberwechsel selbst wieder mehr ins operative Geschäft einzusteigen. Derzeit ist dies alles an die Stadion Management GmbH als Betreiber delegiert. Zumindest das technische Gebäudemanagement würde Böckl gerne wieder selbst übernehmen. Schließlich ist die Hauptaufgabe der Sportpark GmbH der Erhalt der Bausubstanz.

Mit dem Betreiberwechsel könnte dann für die Sportpark GmbH auch wieder ein Umzug ins Stadion anstehen. Denn derzeit sieht die Chefin das Grün des Stadions nur bei den Eintracht-Heimspielen regelmäßig.

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