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Housing-Day ohne Grüne

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Von: Stefan Behr

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Das breite Bündnis zum Housing-Day zog über die Frankenallee.
Das breite Bündnis zum Housing-Day zog über die Frankenallee. © Monika Müller

Etwa 100 Menschen demonstrieren im Gallus gegen ein Frankfurt nur für Reiche.

Geil, dass, ihr alle da seid! Cool, das wir so viele hier sind“, freut sich die Rednerin, die die Teilnehmer:innen beim „Housing Action Day“ kurz nach 16 Uhr im Gallus an der Ecke Frankenallee/Hufnagelstraße begrüßt. Aber so geil ist es dann auch wieder nicht: Es sind so etwa hundert Menschen, die gekommen sind, um für „Wohnraum für alle – gegen die Stadt der Reichen“ zu protestieren. Dass man auch mehr Menschen mobilisieren kann, beweist zeitgleich die Polizei, die aber heute nichts zu tun bekommen wird. Der Marsch durch das Gallusviertel zum Bockenheimer Campus bleibt stets friedlich.

Die Rednerinnen und Redner am Startort beklagen alle dasselbe. Frankfurt werde immer teurer, so dass sich bald kein normaler Mensch mehr leisten könne, hier zu leben. Und das Gallus ist da keine Ausnahme. Der eigentlich ganz sympathische und gut durchmischte Stadtteil wird zusehends umzingelt von Parvenü-clustern, wie man sie im Europaviertel findet, und die einige Redner:innen nicht ganz zu Unrecht an „Gated Communities“ erinnern.

Und jetzt zieht auch noch die FAZ weg – und was dort an Wohnraum gebaut werden soll, richtet sich auch eher an FAZ-Leser:innen als an die Menschen, die hier demonstrieren. Die sind ganz schön sauer. So sauer, dass sie im Vorfeld der Veranstaltung die Grünen, die bei so was sonst immer gerne vorbeischauen, explizit ausgeladen haben – mit der schönen Begründung, „wir demonstrieren nicht mit, sondern gegen euch“.

„Für wen wird das alles hier gebaut? Sicher nicht für die Menschen im Gallus!“, stellt ein Redner fest. Vor allem viele „migrantische Menschen“, so ist immer wieder zu hören, die derzeit das Bild des Gallus durchaus mitprägten, würden sich den Stadtteil bald nicht mehr leisten können. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die angesprochene Bevölkerungsgruppe diese Problematik anscheinend wesentlich entspannter sieht und der Veranstaltung komplett fernbleibt. Der einzige migrantische Mensch, der weit und breit zu sehen ist, schimpft wie ein Rohrspatz, weil er mit seinem Smart die zum Demobeginn gesperrte Frankenallee nicht befahren kann. Auch das schöne Lied „Our House“ von Madness, das aus den Lautsprechern schallt, vermag ihn nicht zu entspannen. Die Polizist:innen reden beruhigend auf ihn ein und sind daher zumindest nicht ganz umsonst in so großer Anzahl angerückt.

En passant erfährt man dann auch noch, warum der Housing Action Day ausgerechnet an diesem Samstag zelebriert wird. Das liegt an Frankreich. Dort nämlich gilt bis zum 27. März – was genaugenommen der Sonntag gewesen wäre – ein Zwangsräumungsverbot, um die Zwangsgeräumten nicht der Winterkälte auszusetzen. In Deutschland aber werde auch bei Eiseskälte zwangsgeräumt, moniert eine Rednerin, und auch das müsse sich dringend ändern, „das macht uns einfach fassungslos und wütend“. Besser wäre es freilich, wenn gar nicht erst zwangsgeräumt würde.

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