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Frankfurt

Hotspot Frankfurter Zeil

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Podiumsdiskussion über den Umgang mit Bettlern und Obdachlosen

Am Ende ging es dann doch mal wieder um fehlende Wohnungen in der Stadt. Dabei stand das so gar nicht auf der Tagesordnung. Zu der Frage: „Wie geht Frankfurt mit seinen Bettlern um?“ hatte der Frankfurter Domkreis Kirche und Wissenschaft am Mittwochabend ins Haus am Dom geladen.

Nach Einschätzung von Frank Diergardt, Sprecher des Vereins „Neue Zeil“, ist die Stadt zu nachsichtig mit Bettlern auf der Zeil. Wobei der Geschäftsmann gleich einschränkte: Gegen die Bettler sei ja nichts zu sagen, nur gegen diejenigen, die das organisiert täten – und vor allem gegen jene Trunkenbolde, die auf der Zeil ohne Hemmungen ihre Notdurft verrichteten. „Wie gehen die Bettler mit Frankfurt um?“, hielt der Zeil-Lobbyist entgegen. Betrinken könne man sich doch auch in Grünanlagen und nicht auf der schönen Einkaufsmeile. Das sorgte für höhnische Lacher im voll besetzten Giebelsaal.

Schwester Maria Goetzens, Leiterin der Elisabeth-Straßenambulanz, ist anderer Ansicht: „Einen Ort zu finden, wo er aus meinem Gesichtsfeld ist, das ist nicht die Lösung.“ Ohnehin definiere die Stadt immer nur den Ausschluss, es gebe keinen Ort, wo Obdachlose willkommen seien.

Ordnungsdezernent Markus Frank wehrte sich vehement dagegen, dass die Stadtpolizei Vertreibungspolitik betreibe. Die Mitarbeiter seien mit einem hohen Einfühlungsvermögen unterwegs und würden von so manchem Obdachlosen sogar den Vornamen und die Lebensgeschichte kennen. Doch die Stadtpolizei scheint nicht jedem immer mit dem größten Einfühlungsvermögen zu begegnen. Vor dem Haus am Dom protestierten vor Beginn der Veranstaltung etwa 20 Sinti und Roma, die sich von der Stadt gegängelt fühlen.

Frank regte derweil an, im Kaisersack einen Ort zu schaffen, wo Menschen unterkommen könnten, die zu viel getrunken haben. Bruder Michael Wies, Leiter des Franziskustreffs in der Innenstadt, geht das alles nicht weit genug. Sein Treff in der Innenstadt gibt hungrigen Menschen zu essen, aber Wies sagt: „Brot ist nicht die Lösung.“ Die Lage in der Innenstadt sieht er durchaus differenziert. „Die Zeil ist ein Hotspot geworden.“ Die Liebfrauenkirche brauche mittlerweile einen Sicherheitsdienst. Andererseits sehe er täglich einen Obdachlosen, der gegenüber der Kirche wohne. Es brauche mehr Wohnungen in Frankfurt.

Schwester Goetzens sprang ihm bei. Von den 200 bis 300 Menschen, die nachts auf der Straße schliefen, sei die Hälfte krank. Da sei die Sozialpolitik gefordert. Vor 30 Jahren habe es in Frankfurt noch genügend Wohnungen gegeben und keine Obdachlosen. Heute seien Wohnungen in Frankfurt Anlageobjekte. Aus dem Publikum kam die Anregung, sich Geld für die Versorgung Obdachloser vom Land oder vom Bund zu holen.

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