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Hotel in Frankfurt: Das Auto mit aufs Zimmer nehmen

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Von: Oliver Teutsch

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Wo das Auto seinen eigenen Balkon hat: Das Hotel b´mine im Frankfurter Gatewy gardens. Foto: Rolf Oeser
Wo das Auto seinen eigenen Balkon hat: Das Hotel b´mine im Frankfurter Gatewy gardens. © ROLF OESER

Im Quartier Gateway Gardens hat Europas erstes Hotel mit „Car-Lofts“ eröffnet

Außer einer Straßenbahn ist beim Blick vom Hotelbalkon alles zu sehen, was es an Fortbewegungsmitteln gibt. Direkt unterhalb verläuft die A3, auf der die Autos so viel Krach machen, dass die dahinter abhebenden Flugzeuge kaum zu hören sind. Zwischendrin schnurrt die Bahn zwischen den Terminals durchs Bild, direkt unterhalb des Hotels sind Dutzende Taxis zu sehen, die darauf warten, vor Terminal 2 vorfahren zu dürfen. Weiter hinten liegt der Fernbahnhof des Flughafens. Hoteldirektor Andreas Spitzner steht auf einem von Verkehrslärm umtosten Balkon im achten Stock und freut sich: „Das ist Mobilität pur.“

Sein Hotel „b’mine“ im jüngsten Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens wirbt allerdings nicht damit, das lauteste Hotel Europas zu sein, sondern das erste auf dem Kontinent, in dem Hotelgäste ihr Auto quasi mit aufs Zimmer nehmen dürfen. Denn die Balkone dienen dank der patentierten „Car-Lifts“ vor allem als Garage. Wer vorher online eincheckt, braucht nicht an die Rezeption, sondern kann mit seinem Auto über den Lift direkt aufs Zimmer und somit inkognito reisen.

Die Idee mit dem Auto direkt vor dem Bett stammt laut Spitzner aus dem privaten Wohnbereich. Ein findiger Mensch, der in Berlin-Kreuzberg einen Platz für sein Auto suchte und keine Tiefgarage bauen durfte, fragte sich, warum der Wagen unter die Erde müsse und nicht nach oben mitgenommen werden könne. Das Berliner Start-up Unternehmen b’mine griff das Konzept auf und eröffnete jetzt das erste Hotel mit Autoaufzug. Von den 241 Zimmern sind 40 sogenannte Car-Lofts. Ab 180 Euro ist der Spaß zu haben, beim Ausladen ganz nah dran am Zimmer und beim Einschlafen ganz nah dran am Auto zu sein.

In Zeiten, in den sich Menschen auf die Straße kleben, um auf den fossilen Irrweg von Verbrennungsmotoren aufmerksam zu machen, stellt sich allerdings die Frage, ob man sein Auto wirklich mit ans Bett nehmen muss. Spitzner betont, sein Hotel biete in jeder Car-Loft eine E-Ladestation und in der Tiefgarage überproportional viele. „Das Thema E-Mobilität spielt bei uns eine große Rolle“, versichert er.

Auch ansonsten bieten die Hotelzimmer viel Komfort. Die Fenster sind fünffach verglast, wodurch das Motoreninferno der A3 wirklich nicht zu hören ist. Die Zimmer können durch Vorhänge separat abgeteilt werden, Ladeschalen am Bett ersparen für das Aufladen der Smartphones lästige Kabel.

Bleibt die Frage, wer im Stadtteil absteigt, um sein Auto mit aufs Zimmer zu nehmen. Flugreisende wohl kaum, auch Wochenendtouristen werden im laut Hotel-Website „bestangebundenen Quartier Europas“ wohl eher nicht den Weg ins b’mine finden. „Für die Automobilbranche ist das natürlich ein großes Thema“, sagt Spitzner. Bereits in der Eröffnungswoche seien einmal alle 40 Car-Lofts von einem Unternehmen für seine Angestellten gebucht worden, demnächst sei der Meetingbereich drei Wochen lang für eine Neuwagenpräsentation belegt. Denn auch in den Konferenzbereich in der elften Etage können bis zu vier Autos gehievt und dort präsentiert werden.

Die Ausblicke aus dem Hotel von den oberen Etagen sind grandios. Auf der einen Seite der Blick aufs Rollfeld des Flughafens, auf der anderen Seite die Skyline der Stadt und der Taunus. Der Besuch des Restaurants im zwölften Stock wird so zum Erlebnis. Die weitläufige Terrasse kann allerdings wieder nur bedingt genutzt werden. Denn auch dort ist der Verkehrslärm nicht zu leugnen. „Das taugt natürlich nicht, um ein Fünf-Gänge-Menü einzunehmen“, räumt Spitzner ein. Für einen Sundowner sei es aber erträglich.

Das Start-up ist von seinem Konzept überzeugt. Bis Ende des Jahres soll in Düsseldorf ein zweites Hotel mit Car-Lofts eröffnen, weitere seien geplant.

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