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Fotografieren erlaubt: Ein Besucher wird den Homo Georgicus als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Buchmesse Frankfurt

Homo Georgicus im Senckenbergmuseum zu sehen

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Georgien ist das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Deshalb zeigt das Senckenbergmuseum den Homo Georgicus.

In der kleinen abgedunkelten „Schatzkammer“ des Senckenbergmuseums wird der fossile Schädel des Homo Georgicus zum ersten Mal außerhalb seiner Heimat gezeigt: In einer Glasvitrine auf schwarzem Samt liegt eindrucksvoll beleuchtet der weltweit am besten erhaltene Schädel überhaupt. 1,8 Millionen Jahre alt soll der Homo Georgicus sein.

Er gilt damit als das älteste Fossil außerhalb des afrikanischen Kontinents und als Vorfahre der ersten Europäer.

Den Betrachter beschleicht Ehrfurcht und eine fast feierliche Stimmung. „Wir haben nicht nur moderne Literatur, sondern auch eine sehr alte Kultur“, sagt David Lordkipanidze am Mittwoch zur Ausstellungseröffnung. Georgien ist das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die Ausstellung ein Gemeinschaftswerk des Senckenbergmuseums und des Georgischen Nationalmuseums dessen Generaldirektor Lordkipanidze ist. 

Als 1991 bei Grabungen in der Nähe des Dorfes Dmanisi, 85 Kilometer von der georgischen Hauptstadt Tiflis entfernt, Reste fossiler Menschen gefunden wurden, galt das in der Expertenwelt als Sensation: Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern wurden fünf Menschenschädel, weitere Skelett-Teile und einfache Steinwerkzeuge entdeckt. 
 Dabei waren die Schädel so unterschiedlich, dass man sie möglicherweise unterschiedlichen Arten zugeordnet hätte – wenn man sie an unterschiedlichen Fundorten ausgegraben worden wären. Dass die Überreste von drei Männern und zwei Frauen so gut erhalten sind, verdankt die Nachwelt vermutlich Hyänen, die sie in eine Höhle verschleppten, die sie vor dem Zerfall bewahrte. „Sie kannte sich“, schlussfolgerte der Direktor des Senckenbergmuseums, Andreas Mulch.

Zusammen mit Lordkipanidze erläuterte der Leiter der Paläoanthropologe des Senckenbergmuseums, Friedemann Schenk, dass man dank der Funde von Dmanisi nun wisse, dass die ersten Frühmenschen spätestens vor zwei Millionen Jahren zum ersten Mal den afrikanischen Kontinent verlassen haben. Fruchtbare Flusstäler hätten ein schnelles Vorankommen der Homininen in den Südkaukasus erlaubt: „Die dortigen Lebensräume boten ideale Lebensbedingungen und waren daher das frühste Zentrum der Menschheitsgeschichte in Europa“, hieß es. 

Der Homo Georgicus hatte es dennoch nicht leicht: Beim ausgestellte „Schädel 5“, der von Repliken der anderen vier Schädel begleitet wird, ist der rechte Wangenknochen durch eine Fraktur deformiert, das linke Unterkiefergelenk durch eine chronische Arthritis gezeichnet. Sein Alter wird auf 40 Jahre, die Größe auf 1,60 Meter geschätzt, das Gehirnvolumen mit nur 550 Kubikzentimetern angegeben. Dennoch ist Museumsdirektor Mulch überzeugt, dass der Homo Georgicus neugierig war und den „Mut zum Aufbruch“ hatte.       

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