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Lorelay, im Hintergrund die Kneipe Balalaika an der Schifferstraße.

Kultur

Frankfurt: Film erinnert an Anita Honis-Bohländer

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Die Sängerin Lorelay erinnert mit einem Film an die singende Balalaika-Wirtin Anita Honis-Bohländer.

Darling, so geht der Film los, „Darling, I have so many stories, you wouldn’t believe.“ Darling, ich habe so viele Geschichten zu erzählen, du würdest es nicht glauben. Die Worte spricht Anita Honis-Bohländer aus dem Off, während ein Auto im Regen durch die Lichter der Großstadt fährt. Es ist ein schöner Film, sehr bewegend, aber auch traurig, denn es ist eine Hommage an eine Frau, die fehlt.

Im November starb Anita, die „Queen of the City“, wie sie in einem Lied der jungen Sängerin Lorelay genannt wird. Und so heißt auch der Film, den dieselbe junge Sängerin nun über ihr großes Vorbild fertiggestellt hat. Warum „Königin der Stadt“? „Es war ihre Ausstrahlung“, sagt Lorelay. „Der Raum konnte randvoll sein, aber die Leute machten automatisch Platz, wenn sie kam. Sie teilte die Menge.“

Viele Frankfurter Nachtschwärmer und vor allem viele Musiker haben Anita Honis-Bohländer als Wirtin der Balalaika-Bar in Sachsenhausen erlebt. Sie begrüßte die Gäste meist mit einem „Schätzchen“ oder „Darling“ auf den Lippen, und später sang sie, meist zur Gitarre, aber auch zum Klavier: „As Time Goes By“, „Summertime“, „New York, New York“. Als sie mit 84 Jahren im vorigen Jahr ging, kamen viele, viele zur Trauerfeier – und sangen. Unter ihnen auch Lorelay.

„Ich habe so viel von ihr gelernt, einfach indem ich ihr zugesehen und zugehört habe“, sagt die Wahl-Berlinerin, die lange Zeit in Sachsenhausen lebte. Das Lied von der Königin der Stadt schrieb sie spontan nach der Beerdigung auf dem Rückweg nach Berlin, und da kam ihr auch die Idee, einen Film zu machen. „Ich dachte, es wäre doch gut, Bilder von ihr im Herzen zu behalten. Auch andere waren noch nicht durch mit der Erinnerung und dem Gedenken an Anita.“

Anita Honis-Bohländer starb vergangenes Jahr.

Also trommelte sie Wegbegleiter zusammen. Sylvia Wunderlich, die Freundin über Jahrzehnte, die im Film sagt: „Sie hat ihr Ding gemacht, und das mochte sie.“ Viele Musiker. Jogi Kirschner. Danny Kelly, der sagt: „Wo auch immer Anita jetzt ist, möge sie umgeben sein von Leuten, die gut singen.“ Nacho Gonzalez. Horace Mac. Marius Laurian. Julian Goede. „Sie war die Mama der Balalaika-Familie“, sagt einer. Und alle einigen sie sich auf einen ganz typischen Anita-Song: „Mr. Bojangles“.

Was den knapp halbstündigen Film besonders macht, sind auch die Ausschnitte, die für die große Würdigung „Carlo keep swingin‘“ entstanden, den Film, den Elizabeth Ok 2016 über Carlo Bohländer veröffentlichte, den großen Frankfurter Musiker, Gründer des Jazzkellers – und Anitas Ehemann. In einer Szene des Films erzählt sie, wie sie sich kennenlernten. Die Geschichte ist Legende. 60er Jahre. Bohländer und die Amerikanerin Honis sprechen miteinander. Honis sagt: einen Moment bitte. Und geht sich frischmachen. Vor dem Spiegel spricht sie sich selbst ihren künftigen Namen vor: „Mrs. Carlo Bohländer. Anita Bohländer.“ Und in die Kamera sagt sie: „Im folgenden Jahr heirateten wir. Wenn ich das in einem Film gesehen hätte, hätte ich gesagt: Come ooon …! Aber das ist genau, was passierte.“

Der Film zeigt wunderbare Fotodokumente aus alter Zeit, das junge Paar strahlend in Schwarzweiß, ein Prachtbild für das Nachkriegs-Frankfurt. Und die Hommage kommt Anita Honis ganz nah, ihrem Charaktergesicht, ihrer Art zu sprechen. „Anita war, außer, dass sie Sängerin war, auch eine von uns“, heißt es an einer Stelle.

„Ich dachte erst, das werden nur zehn Minuten“, sagt Lorelay, die den Film selbst geschnitten hat, wie sie auch ihre eigenen Musikvideos persönlich bearbeitet. Dass es so ein stolzes Stück Musikgeschichte geworden ist, darüber ist sie glücklich. „Das hat sie verdient, und wenn das fertig ist, bin ich auch zufrieden.“ Anita Honis hätte eine Weltkarriere machen können, glaubt Lorelay. Aber sie unterbrach ihre Tournee, als sie in Frankfurt Carlo Bohländer traf. „Sie wollte das so. Sie hat ihn halt geliebt.“

So viele Geschichten. „We’ll keep that for another time“, sagt Anita im Film: Wir heben und das für ein andermal auf. Vielleicht für den 27. Oktober, da hat der Film „The Queen of the City“ Premiere: um 18 Uhr in der Frankfurt Art Bar am Ziegelhüttenweg. Zum Auftakt wird es Musik geben, eine Band und viele Könner spielen Anitas Songs, später dann die Filmvorführung, 27 Minuten und 46 Sekunden Frankfurter Musikgeschichte.

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