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Frankfurt 04.07.2021
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Frankfurt 04.07.2021

„Frankfurt liest ein Buch“

Hommage an die Liebende Eva Demski in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Eine wohltuende Lesestunde eröffnet das zweiwöchige Lesefest „Frankfurt liest ein Buch“ mit Eva Demski. Im HR-Sendesaal tragen ganz unterschiedliche Leute Passagen vor.

Feiner Zug dieses Sommers, dass er sich einen regenfreien Sonntagabend gegönnt hat, zu Ehren des Moments, als Frankfurt offiziell beginnt, ein Buch zu lesen: Eva Demskis Roman „Scheintod“. Die lange, respektvoll Abstand wahrende Schlange vor dem Hessischen Rundfunk (HR) wäre sonst rettungslos den Elementen ausgeliefert gewesen.

Wir lernen wieder Kulturbetrieb. Gastgeber Hans Sarkowicz von HR2-Kultur sagt es eingangs, Kulturamtsleiterin Sibylle Linke verbindet es mit der Freude darüber, „Frankfurt liest ein Buch“ nach 2020 zum zweiten Mal erfolgreich verschoben zu haben auf einen Termin, an dem tatsächlich wieder echte Menschen zuhören können, live und persönlich, wenn auch mit der gebührenden Distanz.

„Was für ein schönes Gefühl!“, freut sich Sabine Baumann, die Vorsitzende des Lesefests, „Sie hier in so großer Zahl zu sehen“, auch wenn die Zahl sicher größer wäre ohne die Pandemie, viel größer. Verleger Jonathan Landgrebe vom Insel Verlag, bei dem „Scheintod“ seine Heimat gefunden hat, spricht von der „Wiederbelebung des Kulturbetriebs“, grandios in der Verbindung zum Titel des Romans, „mit diesem kunstvoll verfassten und packenden Buch“.

LESEFEST

„Frankfurt liest ein Buch“ ist damit offiziell eröffnet. Weiter geht es nicht nur in Frankfurt. Schon an diesem Montag liest Jo van Nelsen in der Friedenskirche in Offenbach.

Es folgen viele weitere Lesungen in den kommenden Tagen bis zum 18. Juli. Das ganze Programm ist zu finden unter www.frankfurt-liest-ein-buch.de

Die Aufzeichnung der Auftaktveranstaltung zu „Frankfurt liest ein Buch“ vom Sonntagabend wird an zwei Terminen im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt werden.

Wie kunstvoll und packend, das beweisen gleich sechs herrlich unterschiedliche Stimmen, die Passagen vorlesen. Der Mediziner Wolf O. Bechstein, „weil er das Gespür für feinsinnige und kluge Diagnosen mit Eva Demski teilt“ (Baumann), beginnt mit der Sterbeszene des Mannes, mit dem Moment, als die Frau als sonderbar Interessierte hinzukommt. Selma Nikutta, Schülerin der seit langem dem Lesefest verbundenen Königsteiner St.-Angela-Schule, erweist sich als phänomenal gewiefte Vorleserin der Passage, in der die Frau zurückblickt und das Alleinsein fürchtet, nicht nur ihr eigenes, sondern auch die Einsamkeit der ganzen Welt, die der Mann nun sich selbst überlassen hat. Rupert von Plottnitz, Jurist und ehemaliger Minister, erzählt, wie der Mann einst war, wie engagiert als Strafverteidiger, und wie die Frau ihn bewunderte. Dieser Vorleser kann sogar authentisch schimpfen – auf Frankfurterisch.

Jutta Ebeling, frühere Frankfurter Bürgermeisterin, mit großartig sonorer Lesestimme: „Es war die Zeit der unbegreiflichen Delikte, die niemandem etwas bringen.“ Romancier Martin Mosebach mit der Energie des Viel- und Oftvorlesenden: „Gegen das Schweinesystem hatte man sich nicht zu verteidigen!“

Und die Autorin Elsemarie Maletzke mit der ergreifenden Verteidigungsrede eines Angeklagten, der Pflanzen nicht etwa stiehlt, nein: entführt, und zwar zu ihrem Besten. Sie ist die einzige, die ihren Beitrag anmoderiert, mit der Bemerkung: Hinter der Beschreibung dieses Pflanzenkidnappers erkenne sie die liebende Gärtnerin.

Zum Schluss geht Eva Demski selbst ans Mikrofon und spricht über diese vor 37 Jahren geschriebene Geschichte, die „sachte zu einem Grundrauschen meines Lebens“ geworden sei. Der ewig junggebliebene Mann, von dem „Scheintod“ handelt, ihr Mann, „hätte gedacht, dass ihm diese Aufmerksamkeit gebührt“. Sie selbst, für sich: nicht. Aber sie freut sich und dankt dafür, dass es nach so langer Zeit noch einmal diese Aufmerksamkeit gibt. Langer, warmer Applaus zahlt den Dank zurück.

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