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Hoher Krankenstand im Nahverkehr

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Überfüllte Straßenbahn an der Rebstöcker Straße.
Überfüllte Straßenbahn an der Rebstöcker Straße. Kuhnert © Nikolai Kuhnert

Einige Straßenbahnenlinien fallen wegen krankem Personal seit Monaten aus. Der demografische Wandel wird die VGF hart treffen.

Über mehrere Monate hinweg hat die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) zwei Straßenbahnlinien zum Teil eingestellt. Überdurchschnittlich hohe Krankheitsfälle beim Personal werden als Ursache genannt. Dabei stehen die großen Personalprobleme bei der VGF erst noch bevor. Lediglich zwischen Ernst-May-Platz und Zoo rollt derzeit die Straßenbahnlinie 14. Die restliche Strecke via Altstadt, Mainzer Landstraße, das Kleyerviertel bis zur Mönchhofstraße erreicht die Tram nicht.

Seit Mitte Oktober fallen alle Fahrten aus, anfangs gab es einen Busersatzverkehr für den Abschnitt durch die Wittelsbacherallee, seit Mitte November rollt dort ein Rumpfangebot an Trams. Ebenfalls gestrichen hat die VGF die Fahrten der Linie 15 nachmittags zwischen Sachsenhausen und Oberrad, zunächst bis zum 22. Januar.

Die VGF begründet die Ausfälle mit einem hohen Krankenstand. Statt üblicherweise neun Prozent der Fahrer:innen seien bis zu 17 Prozent des Fahrpersonals erkrankt, erklärt der frisch in Rente gegangene VGF-Arbeitsdirektor Thomas Wissgott.

Dass zwei Linien zum Teil komplett ausfallen, ist dabei bewusst gewollt und Teil eines Notfallkonzepts, erklärt Traffiq-Sprecher Klaus Linek. „So können wir einen stabileren Betrieb auf anderen Linien sicherstellen.“ Die Ausfälle gebe es dort, wo wenige Fahrgäste unterwegs seien und es direkte Alternativen gebe. Auch zwei Buslinien – die 31 im Osthafen und die 79 in Niederrad – fielen einige Wochen lang aus.

Warum aber trifft die allgemeine Krankheitswelle die VGF so stark? Trotz Personalreserve führe die außerordentlich schwere aktuelle Krankheitswelle „unweigerlich“ zu Ausfällen, erläutert der Traffiq-Sprecher. Schließlich bestehe branchenweit Fachkräftemangel. Erheblich über Bedarf einzustellen oder höhere Gehälter zu bezahlen, sei letztlich eine politische Entscheidung, da der Nahverkehr defizitär arbeite, so Wissgott. In diesem Jahr liegen die VGF-Personalkosten bei 183 Millionen Euro. Allerdings stehe auch der VGF angesichts des demografischen Wandels und der Rente der Babyboomergeneration ein noch viel größerer Personalbedarf ins Haus: Angesichts eines Durchschnittsalters von 44 Jahren der aktuell 2760 Beschäftigten müssten in den nächsten zehn Jahren 1000 Stellen neu besetzt werden, erklärt Wissgott.

Für Fahrgäste gibt es nichts zurück: „Da eine Mindestanbindung gegeben ist“, erklärt Klaus Linek, „sehen wir nicht die Notwendigkeit einer allgemeinen Kompensation.“

So bleibt für Fahrgäste nur die 10-Minuten-Garantie des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Sie greift, wenn Fahrgäste ihr Ziel mit mehr als zehn Minuten Verspätung erreichen. Dann gibt es Geld oder – nach 21 Uhr – die Taxikosten zurück.

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