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Ralph Brinkhaus (Vierter von links) beim Studium der Pläne für die Einhausung.

A661

Hoher Besuch an der A661 in Frankfurt

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Ralph Brinkhaus, der Chef der CDU-Bundestagsfraktion, informiert sich über die Einhausung, macht aber keine finanziellen Zusagen.

Unten, auf der A661, braust der Verkehr wie eh und je. Oben, auf der etwas euphemistisch „Galerie“ genannten Autobahnbrücke zwischen Bornheim und Seckbach, steht Ralph Brinkhaus und fühlt sich ein bisschen wie daheim. Der 50-Jährige, der im vergangenen Jahr einigermaßen überraschend zum CDU-Fraktionschef im Bundestag gewählt wurde und unlängst mit seiner Äußerung, er könne sich einen Muslim als Kanzlerkandidaten der CDU vorstellen, so ziemlich alle Wutbürger des Landes gegen sich aufbrachte, wohnt nämlich einen Kilometer von der Autobahn A2 in Ostwestfalen entfernt. „Wenn der Wind richtig steht, höre ich jedes Motorrad“, sagt Brinkhaus.

Eingeladen hat ihn die Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann. Gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden Jan Schneider und Fraktionschef Michael zu Löwenstein präsentiert sie Brinkhaus die unlängst von der Römer-Koalition beschlossene Planung für die Einhausung der Autobahn. Und die Frankfurter CDU-Prominenz hält auch nicht lange hinterm Berg mit ihren Wünschen an Brinkhaus: Es geht ums Geld. Sprich: Der Bund soll sich an der Finanzierung des einen Kilometer langen Bauwerks zwischen der „Galerie“ und der Friedberger Landstraße beteiligen.

Tut er das nicht und zieht sich auf die Position zurück, dass der gesetzlich vorgeschriebene Lärmschutz auch durch wesentlich billigere Lärmschutzwände zu erreichen wäre, wird das Projekt nämlich richtig teuer für Frankfurt. Die zuletzt immer wieder genannten 150 Millionen Euro stammen aus einem Gutachten aus dem Jahr 2014 und beinhalten nicht die zu erwartenden Preissteigerungen, wie Michael zu Löwenstein im Gespräch mit der FR erläutert. Im Jahr 2028, wenn die Einhausung fertig sein soll, müsse man mit 350 Millionen Euro rechnen. Immerhin sei darin schon die Unterhaltung des Bauwerks, also Kosten für Wartung oder Reparatur, enthalten. Diese könnten knapp ein Drittel der Gesamtsumme ausmachen, und in Frankfurt hofft man darauf, dass hier der Bund einspringt. Für die Stadt – und womöglich das Land – blieben dann „nur noch“ gut 200 Millionen Euro.

Eine Zusage, die finanzielle Förderung voranzutreiben, hatten die Frankfurter CDU-Oberen von Brinkhaus offenbar nicht erwartet. Jedenfalls sind sie nicht enttäuscht darüber, dass der Chef der größten Fraktion im Bundestag ihnen keine macht. Sympathien für das Projekt hat er schon, das wird bei dem Termin auf der Brücke deutlich. Und er erkennt auch an, dass die A661 nicht nur regionale Bedeutung habe wie die meisten anderen Autobahnen mit dreistelligen Nummern. Außerdem dürfe man Umweltschutz nicht aufs Klima reduzieren, sagt Brinkhaus, der Schutz vor Lärm sei ebenso wichtig. Aber: „Es gibt viele Verkehrsprojekte, die Konkurrenz ist groß.“ Da lächeln die Frankfurter Christdemokraten etwas gequält, und Wiesmann verspricht, sich auch bei Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für eine Förderung einzusetzen. Der Ausgang der Gespräche sei aber offen.

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