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Hohe Kosten und Inflation: Schwere Zeiten für Wochenmärkte

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Von: Thomas Schmid

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Frankfurt. 19.03.2020. Erzeugermarkt Konstablerwache. Wochenmarkt in Zeiten des Corona-Virus. Noch selten, Kunden mit Gesichtsschutzmasken beim einkaufen am Obst- und Gemuesestand.
Frankfurt. 19.03.2020. Erzeugermarkt Konstablerwache. Wochenmarkt in Zeiten des Corona-Virus. Noch selten, Kunden mit Gesichtsschutzmasken beim einkaufen am Obst- und Gemuesestand. © Renate Hoyer

Die Standbetreiberinnen und Standbetreiber auf den Frankfurter Wochenmärkten kämpfen mit sinkenden Umsätzen.

Zufriedene Gesichter sind selten geworden auf den Frankfurter Wochenmärkten. Die Händler:innen haben mit gestiegenen Kosten und mit Kaufzurückhaltung zu kämpfen. Einer ist Christian Engel vom Kastanienhof in Trebur, der zweimal in der Woche auf dem Erzeugermarkt auf der Konstablerwache steht. Zwar sei sein Umsatz wieder wie vor Corona, sagt Engel, aber 100 Euro vor Corona seien nicht mehr 100 Euro heute. „Und die teuren Fleischstücke bleiben auch eher mal liegen.“ Engel hat die Preise anheben müssen. Seinen Umsatzrückgang netto schätzt er auf etwa zehn Prozent. Ähnliches weiß Benjamin Schröder zu berichten. „Ich habe zehn Prozent Umsatzeinbußen“, sagt der Inhaber von „Blumen Schröder“, aber er wolle gar nicht klagen. „Ich hatte mit 25 Prozent Einbußen gerechnet.“

Peter Geis, stellvertretender Sprecher der Beschicker des Höchster Wochenmarktes und Besitzer eines Geflügelhofs, der seine Produkte in der Markthalle anbietet, spricht von „15 bis 25 Prozent Einbußen, je nach Monat“. Angesichts der gestiegenen Energiekosten bliebe ihm nichts anderes übrig, als diese über Preiserhöhungen an die Kundschaft weiterzugeben. Benjamino Parcesepe aus Großkrotzenburg steht regelmäßig auf dem kleinen Wochenmarkt am Südbahnhof. Für ihn stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt. „Wir setzen 50 Prozent weniger um“. Es sei kaum noch finanzierbar. Sein Geschäftsmodell bei Kalena Pasta sind selbst gemachte Nudeln. Allein der Preis für das Mehl habe sich binnen eines Jahres verdoppelt. Das müsse er weitergeben. „Meine Preise sind gestiegen. Die Leute haben weniger Geld, zumindest geben sie weniger bei mir aus, weil sie mehr für Energie und anderes zahlen müssen.“

Es ist die Teuerung, die einerseits die Produktionskosten der Betriebe erhöht, andererseits die Kundschaft zur Zurückhaltung zwingt. Dazu kommt die Saison. „Die Wintermonate, besonders der Januar, sind schlecht im Umsatz. Viele Unternehmen nehmen da ihren Jahresurlaub“, sagt Michael Lorenz, Prokurist bei den für die Wochenmärkte zuständigen Marktbetrieben Frankfurt. „Wenn der Urlaub vorbei ist, stehen wieder mehr Anbieter auf den Märkten.“ Hinzu komme, dass man sich im Winter kaum gerne im Freien aufhalte.

Nuri Kan, Inhaber vom Feinkost-Paradies aus Offenbach, spürt die schlechte Stimmung auch. Seinen Umsatzrückgang beziffert er auf etwa 30 Prozent – wie die meisten der Händler:innen am Südbahnhof. „Wir können das Geschäft kaum noch halten, ohne massiv einzusparen.“

Mesut Kilic vom Obst-Gemüse-Paradies aus Frankfurt steht gegenüber von Nuri Kan. „Sie sehen ja, wie wenig hier los ist.“ Dieser Wochenmarkt sei ja zeitweise kundenfrei. „Ich musste schon zwei Mitarbeiter entlassen“, sagt er. „Die Preise steigen, auch für uns.“ So habe er jetzt sechs Blumenkohl für 23 Euro im Großmarkt einkaufen müssen. Entsprechend könne er den einzelnen Kohl kaum für unter 5 Euro abgeben - irgendwo müsse er ja auch seinen Schnitt machen.

Kunden wie Hans B. sind selten geworden. Aus Preungesheim ist er extra nach Sachsenhausen gekommen, schleppt zwei große Stofftaschen von Kilics Marktstand weg. „Wenn es möglich ist, kaufe ich auf den Wochenmärkten“, sagt er. „Die Preise sind gestiegen, aber ich glaube, sie sind nicht so stark gestiegen wie in manchem Supermarkt.“

In seinen Taschen befinden sich die Lebensmittel für die kommenden Tage. Obst und Gemüse, beim Metzger war er, dazu Eier und mehr. Insgesamt 50 Euro, schätzt er. „Ich brauche ja nicht viel, und solange es geht, mache ich es“, sagt er. Sachsenhausen sei sein liebster Wochenmarkt, weil weniger Gedränge sei als in Bornheim.

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