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Historikerin Laura Grossbach führt durchs Kronberger Haus. R. Oeser

Frankfurt-Höchst

Höchster Porzellan nicht zerdeppern

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CDU-Stadtverordneten sehen einen Bedeutungsverlust im neuen Konzept fürs Porzellanmuseum. Leiter Jan Gerchow hält die alte Sammlung allerdings für nicht mehr zeitgemäß präsentiert.

Nachdem die Grünen sich im Sommer bereits kritisch zum geplanten Museum Bolongaro geäußert haben, legt jetzt die CDU im Römer nach. Im Bolongaropalast sollen das Porzellanmuseum und das neue Bürgermuseum fusionieren. Während die Grünen krittelten, dass diese Lösung dem Bürgermuseum zu wenig Raum lasse, sorgt sich die CDU nun ums Porzellan.

Eine Verlegung des Porzellanmuseums aus dem Kronberger Haus in den Bolongaropalast komme nur in Frage, wenn das Museum seinen eigenständigen Charakter bewahre und sich von der Ausstellungsfläche her nicht verkleinere, schreibt der kulturpolitische Sprecher Thomas Dürbeck in einer Mitteilung.

„Das Porzellanmuseum ist nicht nur eine Ausstellung von Tischkultur“, so Dürbeck. Es zeige sozialpolitische und historische Facetten des Stadtteils, inklusive einem Überblick über die Mentalität der Menschen im Wandel der Zeit. „Es ist ein identitätsstiftendes Museum.“ Und erfreue sich auch bei Touristen großer Beliebtheit. Nachdem OB Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) im Sommer mit der Idee vorgeprescht waren, hat der Magistrat das Konzept inzwischen beschlossen. Nicht aber die Stadtverordnetenversammlung, so Dürbeck mahnend. Nicht nur er wundert sich, dass dem Porzellanmuseum nach dem Umzug nur noch 650 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung stünden, rund 100 weniger als bislang, moniert etwa die engagierte Höchsterin Tanja Huckenbeck. Dabei sei es ein „international renommiertes Haus“.

Auch Dürbeck befüchtet einen Bedeutungsverlust. Mitten in der Porzellanausstellung soll der Musiksaal entstehen. „Bei Veranstaltungen, Unterricht und Proben während der Museumsöffnungszeiten wäre ein erheblicher Teil der Ausstellung nicht zugänglich“, beklagt Dürbeck.

Gerade das Zusammenspiel von Museum und Institutionen hält Jan Gerchow, der Leiter des Historischen Museums, aber für eine große Chance. Das Porzellanmuseum ist eine Außenstelle des Historischen Museums. Die Sammlung sei zwar „herrlich“, aber nicht mehr zeitgemäß präsentiert. Das möchte er ändern.

Zumal das Kronberger Haus ohnehin sanierungsbedürftig ist. Etwa 3,1 Millionen Euro müsste die Stadt investieren. Das Porzellanmuseum müsste also ohnehin ausziehen oder vorübergehend schließen. Im neuen Standort könnte die Stadt auch die Öffnungszeiten erweitern. 3,1 Millionen Euro kostet aber auch die Fusion, rechnet Dürbeck vor. Mit allen nötigen Umbauten am Palast.

Womöglich ließe sich ein besserer Standort fürs Porzellan finden. „Dieses Museum ist eines von 56 keramischen Museen im deutschsprachigen Raum, ein Kleinod, das jahrhundertealte Handwerkskunst zeigt.“ Das wäre dann allerdings das Aus fürs Bürgermuseum. Die Ehrenamtliche vor Ort könnten es nicht alleine führen, ohne die Unterstützung des Historischen Museums.

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