+
Sieghard Pawlik legt ein Kataster mit leer stehenden Wohnungen an. Foto: Peter Jülich

Wohnen in Frankfurt

Höchster Mieterbund schlägt wegen Wohnungsleerstand Alarm

  • schließen

SPD-Mann Sieghard Pawlik will einmal mehr die Zweckentfremdung von Wohnraum ahnden lassen. 10 000 Einheiten stehen den Bürgern nicht zur Verfügung, schätzt der Vorsitzende des Mieterbunds.

Es besteht dringend Handlungsbedarf, sagt Sieghard Pawlik. Der Vorsitzende des Mieterbunds Hoechster Wohnen (und wohnungspolitische Sprecher der SPD im Römer) hat eigens zur Pressekonferenz geladen. Seit einem halben Jahr arbeitet er an einem Kataster, in dem leer stehende Wohnungen erfasst sind. Am Mittwoch hat er eine Zwischenbilanz präsentiert.

150 verwaiste Häuser hat er ermittelt. Das mache etwa 1000 Wohnungen, die ungerechtfertigt leer stünden. Teilweise seit fünf, zehn, ja 15 Jahren. Die betreffenden Häuser haben ihm Bürger oder Initiativen gemeldet. Er hat sie besucht, durch die Fenster gelugt, die Nachbarn befragt, auch die angrenzenden und gegenüberliegenden Läden oder Gastrobetriebe konsultiert. Das Ergebnis scheint ihm darum stichhaltig. Auch auf eine Übersicht der AG Westend aus 2014 greift er zurück. „Es ist bestürzend, dass viele der dort erfassten Wohnungen noch immer nicht bezogen sind. Oder Baustelle.“

Geradezu erschreckend sei allerdings, dass er lediglich die Spitze des Eisbergs erfasst habe, sagt Pawlik. Etwa zehn Prozent des Leerstands. Auf den Gesamtwert hochgerechnet, wären das 10 000 nicht bewohnte Wohnungen in der Stadt. Die müssen aber nicht leer stehen, findet Pawlik. Mit Hilfe des Wohnraumzweckentfremdungsverbots habe die Stadt von 1984 bis 2003 rund 9000 Wohnungen wieder für die Bürger zurückgewinnen können, sagt Pawlik. Dann habe die CDU-FDP-Landesregiegerung das Verbot gekippt.

Das ist für ihn nicht bloß sozialdemokratische Nostalgie. Die 9000 gewonnen Wohnungen von damals sind für ihn Indiz, dass er mit seiner aktuellen Schätzung von 10 000 nicht zur Verfügung stehenden Einheiten nicht weit daneben liegt. Darum müsse die Landesregierung das Verbot unbedingt wieder einführen, fordert Pawlik. „Die Zahlen liegen auf dem Tisch.“ Jetzt könne sich keiner der politisch Verantwortlichen mehr hinter Unwissenheit verstecken. Etwa der Grüne Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, der auch fürs Wohnen zuständig ist. Der habe stets betont, das Leerstandsproblem sei nicht gravierend. Im Gegenteil, findet Pawlik. Ein neuerliches Verbot, mit Wohnraum Schindluder zu treiben, würde dem überhitzten Frankfurter Wohnungsmarkt relativ schnell mindestens 5000 Wohnungen zurück bringen.

Zwei Gründe für Leerstand hat Pawlik ausgemacht: einmal Spekulation. Bei Preissteigerungen von bis zu zehn Prozent im Jahr bei Immobilien rentiere es sich durchaus, ein Haus zu kaufen, es in Ruhe zu lassen und nach einiger Zeit zu verkaufen. Andere Eigentümer seien auch überfordert mit der Bewirtschaftung. Erben, die gar nicht in der Stadt wohnten oder ältere Menschen, die sich nicht mehr kümmern könnten. Auch ihnen würde das Zweckentfremdungsverbot helfen, eine städtische Wohnungsgesellschaft könnte mit Rat und Tat beiseite stehen.

Leerstand melden:Mieterbund Hoechster Wohnen, Bolongarostraße 166, Telefon: 30 03 48 90, E-Mail: mieterbund-hoechster-wohnen@gmx.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare