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Gretel ist sauer. Hänsel kriegt’s ab.

Kultur

Wenn Gretel durchdreht

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Kinderoper Frankfurt vertauscht im Neuen Theater die Rollen

In Hollywood passiert so etwas ständig. Kaum hat sich ein Filmstoff bewährt, folgt schon die Fortsetzung. In der Oper ist das eher ungewöhnlich. „Am Ende von Carmen ist sie tot“, sagt Deborah Einspieler, Dramaturgin an der Frankfurter Oper. Eine Fortsetzung scheint da schwer zu realisieren. „Können Sie sich eine Zauberflöte II vorstellen?“, schiebt Einspieler noch frech hinterher.

Nun ist es ihr aber doch passiert. Einspieler ist auch Leiterin der Frankfurter Kinderoper. Für die hat sie das Stück „Die kleine Opernwelt“ verfasst. Und das ist so gut angekommen, dass die Zuschauer vehement einen zweiten Teil gefordert haben.

In Teil 1 beschließen die Bösewichter aus verschiedenen Stücken, dass sie nicht mehr mitmachen wollen. Der Drache verweigert Siegfried das Recht, ihn abzumurksen. Die Hexe aus Hänsel und Gretel fliegt in den Urlaub. Und so fort. Am Ende unterzeichnen die Protagonisten einen Vertrag, dass sie künftig auch mal die Rolle tauschen dürfen.

Ende gut, alles gut? Von wegen! Regelrecht genervt haben die Kinder die Dramaturgin. Immer wieder haben sie gefragt, wie es denn nun weitergehe. Und Deborah Einspieler hat eingelenkt und „angefangen herum zu spinnen“.

Die kleine Opernwelt II – Der Böse schlägt zurück, Oper für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren. Eintritt vier Euro, eine erwachsene Begleitperson zahlt 0,50 Euro.

Vorstellungen sind am Mittwoch, 26. Juni, um 11 und 16 Uhr, im Neuen Theater Höchst, Emmerich-Josef-Straße 46. Karten unter Telefon 339 99 90 oder Netz www.neues-theater.de. 

Das Ergebnis: Gretel ist die Böse und will ihren Bruder in den Ofen stoßen. Die Hexe ist alt, aber eher gutherzig. Der Drache ersticht Siegfried, was den Wormsern ein ziemliches Gemetzel bei Etzel erspart. Und Rotkäppchen macht Jagd auf den Wolf.

Nun bringt die Frankfurter Oper das Stück nach Höchst, ins Neue Theater. Es läuft in der Reihe „Höchst Sehenswert“. Die soll besondere Aspekte des Stadtteils hervorheben. Es gibt Baustellenführungen auf dem Klinik-Areal, Kostümführungen mit Bärenschorsch und Schlossgeist Gudula, eine Schiffsreise mit Wasserbauingenieur, der unter anderem erklärt, wie die Griesheimer Schleuse funktioniert. Und eben große Kultur für Kinder.

„Oper ist eine geile Gattung“, sagt Einspieler. Sie könne Emotionen erzeugen ohne viele Worte zu bemühen. „Wenn die Königin der Nacht sich in Rage singt, verstehe ich den Text auch nicht, aber ich fühle, wie es in der Frau kocht“, sagt Deborah Einspieler über die berühmte Rache-Arie in Mozarts Zauberflöte.

Emotional geht es auch in der Kleinen Opernwelt II zu. Natürlich verstehen die Besucher das Stück, wenn sie den ersten Teil nicht gesehen haben, versichert die Dramaturgin. „Die Charaktere sind klar gezeichnet.“ Die Musik ist kindgerecht. Das Stück dauert auch nur eine Stunde.

In Hollywood gäbe es bald einen dritten Teil, womöglich noch einen Prequel, also eine Fortsetzung, die vor dem eigentlichen Geschehen spielt. Oder ein Spin-off, bei dem eine Randfigur eine eigene Geschichte bekommt.

Das alles lehnt Deborah Einspieler ab. Stand jetzt.

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