1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Höchst

Unverpacktes auf dem Wochenmarkt einkaufen

Erstellt:

Von: Holger Vonhof

Kommentare

Hannah Brenner an ihrem Unverpackt-Stand in der Höchster Markthalle.
Hannah Brenner an ihrem Unverpackt-Stand in der Höchster Markthalle. © Holger Vonhof

Hannah Brenner verkauft künftig auf dem Höchster Wochenmarkt lose Lebensmittel wie Linsen, Nüsse und Reis. Die 29-Jährige ist damit die erste Unverpackt-Standbetreiberin im Frankfurter Westen. Wer keinen eigenen Behälter dabei hat, kann bei ihr auch Schraubgläser in verschiedenen Größen kaufen.

Nach den ersten Stunden zeichnet sich ab, dass Müsli besonders gut geht. Drei fertige Mischungen hat Hannah Brenner im Angebot und alles, um sich selbst sein eigenes Müsli-Rezept zusammenzustellen: Haferflocken, Hasel-, Wal- und Pekannüsse, Mandeln, Cashews, Sultaninen, Bananenchips – alles lose in großen Gläsern. Andere Gläser enthalten Linsen, Reis, Bulgur, Hirse, Quinoa, Kichererbsen, Erbsen und getrocknete Kidneybohnen. „Die kann man einweichen wie andere Hülsenfrüchte auch. Dann fällt die Dose weg, die sonst in den Müll muss“, sagt sie.

Hannah Brenner will aber nicht nur Verpackungsmaterial einsparen, sondern setzt auch auf kurze Lieferketten. „Ich kaufe möglichst regional ein. Die Beluga- und die Grünen Linsen kommen etwa von einem Demeter-Hof in Schwalmtal.“

Die 29-Jährige betreibt seit dieser Woche in der Höchster Markthalle den ersten Unverpackt-Stand im Frankfurter Westen. Ihre Standnachbarn haben sie als jüngstes Mitglied der Marktbeschicker-Familie willkommen geheißen.

„Ich habe ausschließlich Trockenware“, sagt Hannah Brenner. Sie geht davon aus, dass sich ihr Sortiment noch verändern wird: „Die Kunden können mir sagen, was sie brauchen.“ Kaufen kann man ihre Waren nach Gewicht – wer etwa für ein Rezept 50 Gramm Belugalinsen braucht, muss keine ganze Tüte kaufen, die dann für Jahre im Küchenschrank steht.

Und Verpackungsmüll fällt auch keiner an: Die Kundinnen und Kunden bekommen ihre Einkäufe in mitgebrachte Behältnisse gefüllt. Wer keines dabei hat, kann ein Schraubglas erstehen; es gibt sie in drei Größen. Rabattkarten gibt es auch: Wer im Dezember Stempel sammelt, kann im Januar bis zu 20 Prozent Rabatt bekommen.

Der Stempel zeigt ein Schraubglas mit einem Höchster Rad. Hannah Brenner ist nämlich erklärte Höchsterin, lebt mit ihrem Partner im Burggraben. Und sie ist studierte Chemikerin: Den Bachelor hat sie in Mainz gemacht, den Master in Bonn. Ihre Masterarbeit hat sie über Mikroplastik auf Ackerflächen geschrieben, das unsere Nahrung ebenso belastet wie das Plastik in den Weltmeeren. „Ich habe mich immer für Umweltthemen interessiert“, sagt die Neu-Marktfrau, die vor einem Jahr Mutter von Sohn Tamino geworden ist. „Die Geburt meines Sohnes hat mir den Impuls gegeben, etwas für die Umwelt und den Stadtteil tun zu wollen“, sagt Hannah Brenner.

In der Innenstadt hat sie selbst in einem Unverpackt-Laden eingekauft; im Frankfurter Westen hat der frühere Bio-Laden in der Luciusstraße Pionierarbeit geleistet. Und auf dem Wochenmarkt lassen sich viele Kundinnen und Kunden ihr Obst und Gemüse in mitgebrachte Taschen legen oder ihren „Süßen“ in mitgebrachte Flaschen füllen.

Hannah Brenner ist nun die erste, die an einem Marktstand unverpackte Trockenwaren anbietet. Bei der Einrichtung ihres Standes hat sie eng mit der Gewerbeaufsicht und den Lebensmittelkontrolleuren kooperiert. „Bei Trockenwaren ist es aber einfacher als bei Frischware“, weiß die 29-Jährige. Blitzblank ist ihr Stand, der aus Holz gebaut wurde und ein bisschen an einen Gemischt- oder Kolonialwarenladen früherer Zeiten erinnert.

Geöffnet ist der Stand in der Ecke der Markthalle, wo das Marktcafé Reitz und Käse-Petra sind, an allen drei Markttagen von 7 bis 13 Uhr. Feierliche Eröffnung ist heute von 10 bis 12 Uhr.

Auch interessant

Kommentare