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Trauer um Rudolf Kollath

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Von: Michael Forst

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Rudolf Kollath bei einer seiner letzten Fahrten als Fährmann im Sommer 2015.
Rudolf Kollath bei einer seiner letzten Fahrten als Fährmann im Sommer 2015. © Andreas Arnold

Höchster Fährmann stirbt im Alter von 73 Jahren. Fast ein Viertel Jahrhundert brachte er die Menschen von Frankfurt-Höchst nach Schwanheim – und wieder zurück.

HÖCHST. 24 Jahre lang lenkte er das Steuer der Mainfähre, brachte unzählige Menschen von Höchst nach Schwanheim – nun ist Rudolf Kollath zu seiner letzten Überfahrt angetreten. Er starb mit 73 Jahren im Vogelsberg, wo er seinen Lebensabend verbrachte.

Die Nachricht von Kollaths Tod verbreitete sein Nachfolger Sven Junghans am Freitag auf seiner Facebookseite. Und die zahlreichen Kommentaren zeigen, wie vielen Menschen im Frankfurter Westen Kollath in guter Erinnerung geblieben ist. Manche bedanken sich für die „schönen Fahrten in 24 Jahren“, andere nehmen wehmütig Abschied vom „Fährmann mit den Hunde-Crackern“.

Das sei typisch gewesen für den aufmerksamen Umgang Kollaths mit seinen Passagieren, erzählt Junghans, der heutige Fährmann der „Walter Kolb“. „Der Rudi war eben ein Fährmann mit Leib und Seele“, beschreibt er seinen Vorgänger, mit dem er noch drei Jahre gemeinsam die Fähre geführt hatte – von 2012 bis zum 1. Juli 2015. Dem Tag, als Kollath zum letzten Mal von Bord ging. Damals begleitete viel Politik-Prominenz seine letzte Fahrt auf dem Main.

Eine Geste der Wertschätzung, die Kollath zwar gefiel. Doch viel Chi-Chi und großes Tamtam waren seine Sache nicht. Ruhe, Besonnenheit, aber auch Aufmerksamkeit für seine Gäste waren die Qualitäten, die ihn auszeichneten. Kollath liebte seinen Beruf, steuerte schon das namenlose Vorgängerschiff, eine Gierseil-Autofähre. Mit der transportierte er beispielsweise tagtäglich Rotfabriker, die mit ihren Autos übersetzten, um zum Arbeitsplatz bei der Hoechst AG zu gelangen.

Für den Main war er eigentlich überqualifiziert – hatte er doch eine Matrosenausbildung auf hoher See hinter sich. Aber auch auf dem Main lernte er, sich in unruhigem Fahrwasser zu behaupten. Denn nur ein Jahr, nachdem Kollath die Fähre übernommen hatte, wollte die Stadt die Jahrhunderte alte Fährtradition beenden. Die Leunabrücke nur 460 Meter weiter war in Betrieb genommen, und man sah keine Notwendigkeit mehr für eine Fährverbindung.

Doch die Menschen in Höchst sammelten Unterschriften für den Erhalt des Wahrzeichens, das zur Höchster Mainansicht gehört wie Schlossturm, Bolongaropalast, Justinuskirche – und konnte Rudolf Kollath bleiben. mfo

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