Der sechsjährige Fabian und sein Vater drucken zusammen mit der Schriftsetzerin Tanja Huckenbeck die Rückseite einer Ansichtskarte zum Tag der Druckkunst auf einer Hochdruckmaschine.

„Tag der Druckkunst“

Frankfurt auf den Spuren Gutenbergs

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Zum „Tag der Druckkunst“ öffnete das Label höchst*schön seine Werkstatt. Besucher konnten Postkarten nach 570-jähriger Tradition pressen.

Ein Jahr ist es her, dass die künstlerischen Drucktechniken durch die Deutsche Unesco-Kommission zum „Immateriellen Weltkulturerbe“ ernannt wurden. Ein guter Grund, am Jubiläumswochenende einen „Tag der Druckkunst“ zu begehen – und auf die kulturelle Bedeutung derselben hinzuweisen. Bundesweit nehmen mehr als 250 Werkstätten, Museen, Galerien und Vereine teil. In Frankfurt sind es vier, darunter die Werkstatt höchst*schön, die mit dem Höchster Geschichtsverein Drucke „wie zu Gutenbergs Zeiten“ präsentiert.

„Auch wir wollen dazu beitragen, historische Drucktechniken weiterzuvermitteln“, sagt Schriftsetzerin Tanja Huckenbeck. „Damit sie nicht verloren gehen.“ Als Gutenberg um 1450 den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern erfand, legte er den Grundstein für eine breite Informationsvermittlung. Mit ebenjener revolutionären Satztechnik wird bei höchst*schön noch heute gearbeitet. Einzig eine Gutenbergpresse gibt es im Werkraum in der Leunastraße 34 nicht, denn „die sind für den alltäglichen Gebrauch ungeeignet“, sagt Huckenbeck. Man benötige mindestens drei Leute, um sie zu bedienen.

Stattdessen können die Besucher beim Aktionstag am Sonntag Handdruckpressen bestaunen. An einer können Postkarten gestaltet werden. „Ganz schön anstrengend“, meint der siebenjährige Niklas. Das liegt an den Bleilettern im Setzkasten, die er mit einem Hebel bewegt, um sie auf das Papier zu pressen. „Wir haben das deshalb vorher vorbereitet – auch weil es zeitaufwändig ist“, sagt Huckenbeck. Ihr Partner Marcus Bonszkowski hat eine Viertelstunde für die Anordnung von rund 100 Buchstaben gebraucht. „Tag der Druckkunst“ steht auf der Rückseite von Niklas‘ Karte. Die Vorderseite ziert eine Zeichnung von Goethe mit dem Höchster Schloss um 1770.

„Ich finde das eine nette Idee, dass die Kinder hier drucken und stöbern dürfen“, sagt Sylvia Köppen. Enkel Niklas hat nicht nur eine Postkarte, sondern auch eine Führung durch die Werkstatt erhalten. „Mir wurde gezeigt, dass die Buchstaben spiegelverkehrt gelegt werden. Das war spannend“, berichtet er. „Vom Setzen bis zum Drucken – wir zeigen den gesamten Prozess, samt aller Werkzeuge und Maßsysteme“, sagt Huckenbeck. Das kommt an. Es herrscht reges Treiben im Atelier. Ein Indiz dafür, dass die alten Druckkünste nach wie vor ihren Reiz ausüben.

Auch Peter Schäfer sieht den Aktionstag als guten Anlass, um den Druckkünsten eine Bühne des Erinnerns zu geben. „Die moderne Technik läuft der Handwerkskunst den Rang ab. Aber als Kulturgut ist sie erhaltenswert“, findet der Schriftsetzer. Beim Rundgang durch die Werkstatt von höchst*schön erinnert er sich an seine Lehrjahre. „Wie wir damals Buchstabe für Buchstabe einzeln gesetzt haben, das war schon aufwendig“, erzählt er. „Es ist aber toll, dass die jungen Leute das am Leben halten“, ergänzt seine Frau Antje. „Und das nicht mit kommerziellen Hintergedanken, sondern aus Leidenschaft.“

Als „Brotjob“ rentiert sich das Handwerk nicht mehr. Ihren Lebensunterhalt verdienen Huckenbeck und Bonszkowski durch ihr Büro für Grafikdesign am Höchster Markt. Die Druckwerkstatt ist für sie ein „Ausgleich zur digitalen Arbeit“, der sich an den Wochenenden abspielt. Dann bietet das Duo Workshops an oder fertigt maßgeschneiderte Visiten-, Gruß- oder Einladungskarten an.

Tag der Druckkunst

Weitere Informationen zu höchst*schön gibt es im Internet unter www.hoechst-schoen.de
Mehr Informationen zum Tag der Druckkunst finden Sie unter www.bbk-bundesverband.de/veranstaltungen/tag-der-druckkunst-15-maerz-2019/

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