Höchst

So spannend kann Leerstand sein

Zum 14. Mal präsentieren sich Design und Kunsthandwerk auf einem Parcours in der Altstadt.

In einer Seitengasse voller hübscher Fachwerkhäuser lockt ein offener Kellerabgang. Kühle Luft strömt heraus, die Stufen werden von kaltem Licht angestrahlt. Wer den Abstieg wagt, wird belohnt, denn unten tut sich eine bunte Schatzkammer voll mit Keramik, Lederwaren, Stoffen, Fotografien und Möbeln auf. Der Keller des alten Rathauses ist Teil des 14. Höchster Designparcours, der am Wochenende wieder über 60 Labels und Künstlern die Chance gab, sich zu präsentieren.

„Es hat so einen schönen Überraschungseffekt, wenn man oben durch diesen engen Steingang reinkommt und dann ein beleuchtetes Gewölbe vorfindet“, freut sich Jonas Nitsch, der hier gemeinsam mit vier anderen Kreativen seine Arbeit ausstellt. Nitsch ist gelernter Tischler und hat am Samstagabend den ersten Preis des Designparcours‘ gewonnen. Seine handgefertigten Holztische, die mit einem Stecksystem funktionieren, konnten die Jury überzeugen.

Es läuft gut für den jungen Mann – und das gleich bei seiner ersten Teilnahme. Er habe sich einfach auf Anraten eines Freundes beworben, erzählt er. „Und es hat geklappt – im doppelten Sinne“, sagt er mit Blick auf den Preis, der ihm 700 unerwartete Euro eingebracht hat.

Seit 2011 lädt Höchst an zwei Wochenenden im Jahr kreative Köpfe dazu ein, leerstehende Ladenflächen und andere ungewöhnliche Räume – wie ein altes Fährmannhäuschen – zu nutzen. Aber auch ansässige Designer machen jedes Mal mit, dieses Jahr gab es sogar erstmals mehr feste Läden als zwischengenutzte zu entdecken. Obwohl die Organisatoren, das Stadtplanungsamt, die Leerstandsagentur Radar, die Wirtschaftsförderung und die Nassauischen Heimstätte drei weitere Zwischennutzungen für den Parcours gewinnen konnten. Zum Beispiel das ehemalige Bettenhaus Rühl in der Albanusstraße.

Wie Jonas Nitsch ist auch Valerie Hansen zum ersten Mal mit dabei – und vollauf begeistert. Die junge Designerin hat erst zu Beginn des Jahres ihr Label „Soleil Levant“ gegründet. Sie schneidert Kleider, Taschen und Haarbänder. Als Material hat sie sich in

Seidenikat aus Usbekistan verliebt. Hansen erhofft sich von der Teilnahme ein erstes Feedback für ihre Arbeiten. Und die Resonanz ist gut, so gut, dass sie gerne wiederkommen will.

Johanna Waldschmidt von der Nassauischen Heimstätte freut sich, dass gerade am Samstag viele Leute trotz der Hitze da waren. Wie viele genau, das lasse sich schwer sagen, weil der Designparcours sich wie in jedem Sommer mit dem Altstadtfest überschneide. Da könne man kaum nachvollziehen, wer aus welchem Grund komme.

Aber sie kommen, denn der Designparcours ist mehr als nur ein Kreativmarkt, er ist eine Initiative gegen den Wegzug und gleichzeitig Imagepflege für den Stadtteil. „Ich habe das so oft, dass Leute reinkommen, die mir dann erzählen, sie hätten gar nicht gewusst, dass Höchst so schön ist“, erzählt Susanne Taureck, die seit vier Jahren den Keramikladen „Irdenglück“ betreibt und jedes Jahr mit von der Partie ist. Viele hätten Vorurteile gegenüber dem Viertel. „Das wird wunderbar abgebaut durch solche Aktionen“.

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