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In den kommenden Monaten will Abel seinen „Stall aufräumen“, sagt er.
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In den kommenden Monaten will Abel seinen „Stall aufräumen“, sagt er.

Höchst

Schmiedemeister legt Hammer hin

Messer-Spezialist Peter Abel schließt nach mehr als 40 Jahren seinen Laden in der Bolongarostraße in Höchst. In den kommenden Monaten will er seinen „Stall aufräumen“, sagt er.

Immer wieder wird er aufgefordert, das alles doch niederzuschreiben, was er weiß über die früheren Schmieden in Höchst und in Frankfurt, über Messer und Schwerter, Saufedern und Äxte. Denn man muss Peter Abel nur ein Stichwort liefern, und ein Quell unkanalisierten Wissens sprudelt aus ihm heraus.

Die Schleifergasse etwa – Peter Abel kann aus dem Stegreif ein Referat dazu halten, wie die Straße zu ihrem Namen kam, wo überall Verzweigungen des Liederbachs vorbeiflossen und Mühlräder antrieben, die Schleifsteine und Schmiedehämmer bewegten. Aber Abel sagt: „Mir fehlt die Zeit, das alles aufzuschreiben.“ Derzeit sortiert er das, was sich in 60 Jahren bei ihm angesammelt hat an Werkstücken, Ersatzteilen, Unterlagen, Sachbüchern, Aktenordnern und Liebhaberstücken, denn der Höchster Messerschmied schließt seinen Laden.

Den „Stall aufräumen“ will er, vier bis fünf Monate hat er sich dafür gesetzt. Auch seine Ehrenämter in vielen Vereinen will er nach und nach niederlegen. Es ist nicht ganz freiwillig; in den vergangenen fünf Jahren hat er mehrfach auch mal auf den Körper hören müssen. Dabei schwingt der inzwischen 73-Jährige immer noch den Hammer, dass vielen Jüngeren Hören und Sehen vergeht. Jedes Stück, das er beim Räumen in die Hand bekommt, ist mit Erinnerungen behaftet – und mit seinem Stolz auf ein Handwerk, das verschwindet. „Die Klingen-Qualität, wie es sie in den 20er und 30er Jahren gab, war einzigartig“, sagt er. Er hat sie noch, diese Klingen – in Jahrzehnten seines Berufslebens bei Werkstatt-Auflösungen zusammengekauft und für seine Kundschaft eingelagert. Berühmte Köche haben bei ihm gekauft, Jäger, aber auch Hausfrauen.

Peter Abel ist Ingenieur, hat Fachbücher geschrieben und Produktentwickler beraten, wurde sogar mit dem „International Knife Award“ ausgezeichnet. Er kann sich begeistern, in Rage reden und findet immer wieder ein neues Detail, das ihn entzückt. Hunderte Pappkartons stehen in dem kleinen Lädchen an der Bolongarostraße, in dem man sich derzeit nicht umdrehen kann, ohne einen Stapel einzureißen. Die handgeschriebenen Etiketten verheißen Kneipchengriffe in Weißbuche, Zwetschen- oder Palisanderholz, „Brotmesser Links-Hand“ und „Rinderschlachterklingen“. Abel zeigt eine Klinge, die sein Herz höher hüpfen lässt: „Damit kannst du hinten ein Lammrack durchhauen und vorne ein Roastbeef aufschneiden.“

1978 hat er den Laden von seinem Vorgänger Hölken übernommen, und noch immer hängen an einer Wand nicht abgeholte Reparaturstücke aus dieser Zeit – entweder sind die Auftraggeber:innen gestorben, oder aber Köche und Köchinnen hatten ihren Arbeitsplatz gewechselt.

Ganz aufhören wird er noch nicht, sagt Peter Abel. Wenn der „Stall“ sortiert ist, will er weiter reparieren und schleifen, nur eben ohne regelmäßige Ladenöffnung. Der Vater einer Tochter und Großvater eines zehnjährigen Enkels will zeitlich flexibler sein, nicht immer nur im grünen Kittel herumlaufen, ohne den man ihn selten sieht. „Dann mache ich mir eine Funkklingel an die Türe und wurschtele hinten weiter.“

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