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Rätselraten um verschwundene Gedenktafel in Höchst

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Von: Holger Vonhof

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Am Ettinghausenplatz stand stand früher die Höchster Synagoge. Heute erinnert eine Tafel am Luftschutzbunker daran.
Am Ettinghausenplatz stand stand früher die Höchster Synagoge. Heute erinnert eine Tafel am Luftschutzbunker daran. © Michael Schick

Unbekannte haben die Gedenktafel, die am Bunker auf dem Ettinghausenplatz an die frühere Synagoge in Höchst erinnert, abmontiert. Der mysteriöse Vorgang heizt die politische Auseinandersetzung rund um Demos im Stadtteil an.

Plötzlich lag die am Luftschutzbunker angebrachte Gedenktafel, die auf den früheren Standort der Höchster Synagoge am Ettinghausenplatz und die Deportation der Juden in Höchst hinweist, am Boden. „Als ich am Donnerstag dort vorbeilief zur Kundgebung auf dem Höchster Schlossplatz, habe ich es aus den Augenwinkeln gesehen, dass sie nicht mehr hing“, sagt Petra Scharf, seit Jahren in der Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Erinnerung aktiv. Die SPD-Politikerin dachte wegen der Kundgebung gegen rechte Tendenzen bei Impfgegner-Demos nicht mehr daran. Erst am Samstag sei ihr berichtet worden, dass Ada-Maria Mathe, die Vorsitzende der Bürgervereinigung Höchster Altstadt, die am Bunker lehnende Gedenktafel mitgenommen habe, um sie zu sichern.

Die AG Geschichte und Erinnerung – 2011 aus der „Initiative zum Gedenken an den Novemberpogrom 1938“, dem Projekt „Juden in Höchst“ und aus der Höchster „Stolpersteine“-Gruppe hervorgegangen – hat Anzeige erstattet. Die Polizei ermittelt. Noch ist unklar, was passiert ist. „Es gibt eine zeitliche Nähe zur Kundgebung am letzten Donnerstag und der Gegendemonstration, aber auch zum Sturm der letzten Tage“, sagt Petra Scharf, die derzeit keine Schuldzuweisung treffen möchte. Unklar sei auch, ob die Tafel „abgeflext“ worden sei, wie in Sozialen Medien behauptet, oder die Dübel ausgerissen wurden. Gegen einen Anschlag spräche, dass die Tafel nicht zerstört worden sei.

Entsetzt zeigte sich die Frankfurter Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Martina Feldmayer. Das Gedenken an die jüdischen Mitbürger:innen, die in der NS-Zeit ermordet oder in den Tod getrieben wurden, sei heute wichtiger denn je. „Es muss untersucht werden, ob sich antisemitische Beweggründe hinter der Tat verbergen. Die Gedenktafel muss möglichst bald wieder angebracht werden“, fordert sie.

Trotzdem, so meint die Kommunalpolitikerin, sei festzustellen, dass sich das politische Klima zwischen Impfgegnern und linken Gegendemonstranten deutlich aufgeheizt habe. Das sei auch in der Zunahme von rechten Schmierereien deutlich geworden. So sei vor dem Musikbunker an der Leunastraße ein Auto mit rechten Parolen beschmiert worden. Jüngst waren auch linke Parolen an den Zugängen zum Schlossplatz aufgetaucht sowie Schmierereien, um an die Opfer des rechtsextremen Terrorakts vom 19. Februar 2020 in Hanau zu erinnern.

Obwohl sich jetzt Corona-Lockerungen abzeichnen, wollen linke Gruppen weiter verhindern, dass „Corona-Schwurbler“ den Höchster Schlossplatz mit Beschlag belegen: Für den Donnerstags-Termin, der von Impfgegnern ausgegangen war, werden Versammlungen von Impfbefürwortern bis Mitte oder Ende März angekündigt.

Zu der Versammlung vergangenen Donnerstag hatten Parteien, Gewerkschaften, Privatleute und die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) aufgerufen. Am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag und ebenfalls einem Donnerstag, hatte das Bündnis nach einem Auftakt am Schlossplatz eine Menschenkette um die Gedenkstätte am Ettinghausenplatz gebildet, um gegen Antisemitismus und Rassismus, aber auch gegen Verschwörungstheorien und rechtsradikale und neonazistische Ideologien zu demonstrieren. mit dit

Unbekannte haben die Tafel am Bunker jetzt entfernt. Was genau passiert ist, ist unklar.
Unbekannte haben die Tafel am Bunker jetzt entfernt. Was genau passiert ist, ist unklar. © Maik Reuß

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