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Günter Schneider vom Amt für Straßenbau und Erschließung hat seine Nachfolgerin Cornelia Barthel eingearbeitet. 

Höchst

Zum Abschied ein Straßenschild

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Günter Schneider hat im Amt für Straßenbau und Erschließung das Stadtbild im Westen mitgeprägt, jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Zum Abschied haben ihm die Kollegen einen Streich gespielt. Ein Straßenschild haben sie ihm geschenkt, mit seinem Namen. „Günther Sneider Avenue“ steht da, der Geehrte verdreht die Augen. „Eine Anspielung“ sei das auf das Malheur am Willy-Brandt-Platz, als die Stadt mit Tamtam ein falsches Schild enthüllte. Schneider dreht das Schild um und siehe da: Auf der Rückseite steht sein Name richtig, Günter ohne H und Schneider mit SCH.

Dabei hat der 65-Jährige eigentlich nichts zu tun mit Namensschildern. Der Baubezirk West kümmert sich um den Zustand der Straßen in den Ortsbezirken 6 und 7, zudem Niederrad, Gutleut, Gallus und ein Stück vom Flughafen. Dazu noch um die Verkehrsschilder in der ganzen Stadt. Außerdem schildert die an der Palleskestraße in Höchst stationierte Abteilung des Amts für Straßenbau und Erschließung große Veranstaltungen aus, den Marathon oder den Firmenlauf. Die Namensschilder verantwortet der Bezirk Nord-Ost.

Das Beispiel zeigt aber, dass die 35 Mitarbeiter des Westbezirks ihrer Arbeit gut gelaunt nachgehen. Auch ein Verdienst des Chefs, dessen feiner Humor sich oft hinter ernstem Gesicht versteckt. Sein Verständnis von Straßenbau ist indes offensiv. Lieber ist ihm, Arbeiten unter Vollsperrung und Volldampf abzuschließen, als dass sich alles in die Länge zieht. „Eine Baustelle muss gut vorbereitet sein, alle Wenns und Abers ausgeschaltet“, doziert er. Dann kann es schnell gehen. Paradebeispiel sei der Anschluss der Betzdorfer Siedlung in Sossenheim. Den hat der Baubezirk in 13 statt der geplanten 64 Tage umgesetzt, obwohl die Autobahnzufahrt tangiert war, erzählt Schneider stolz. Überhaupt habe 1994 im Westen vieles im Argen gelegen. Rund 500 Baustellen später sähen die Straßen viel besser aus.

Gestern hat Schneider seinen letzten offiziellen Arbeitstag geleistet. Am heutigen Freitag geht er „ehrenamtlich“ ins Büro, aufräumen und seiner Nachfolgerin alles Gute wünschen. Das ist ein Novum in der Frankfurter Verwaltung. Erstmals probiert die Stadt das Konzept des Wissenstransfers aus. Drei Monate lang hat Schneider die neue Leiterin des Baubezirks, Cornelia Barthel, eingearbeitet. Die sonst übliche Übergangszeit zur Neusortierung nach Führungswechsel entfällt somit. Entsprechend prangt an der Bürotür das Schild „Doppelspitze“. „Man sagt mir nach, ich könne gut mit Frauen zusammen arbeiten“, sagt Schneider. Der Abschied fällt ihm schwer.

Frankfurt: Auf Verkehrswesen spezialisiert

Das hätte er selbst nicht gedacht. Schneiders Karriere beginnt zwar vielversprechend. Er studiert in Frankfurt, spezialisiert sich aufs Verkehrswesen. Dafür muss er nicht einmal sein geliebtes Nidderau-Heldenbergen verlassen, wo er geboren ist und seinen Lebensabend verbringen wird. Nach neun Jahren bei der Bahn wechselt er zur Stadt Frankfurt. Er rechnet sich bessere Aufstiegschancen aus.

Nach elf Monaten im Dienst erschüttert ein Korruptionsskandal das Straßenbauamt, Schneiders Vorgesetzter wird von der Polizei aus dem Büro geführt. Der Neue übernimmt den Baubezirk Ost. Gerne erinnert er sich nicht daran, der Arbeitsalltag ist geprägt Schlaglöcher ausbessern und geknickte Schilder aufrichten. Er arrangiert sich. Dann folgt der Knick: Beim Dachrinne säubern fällt er von der Leiter, bricht sich das Becken, muss eine Zwangspause einlegen. In der Zwischenzeit sortiert die Stadt ihre Baubezirke neu. Statt vier sind es nur noch drei, Schneider wird in den Westen versetzt. Humpelnd bezieht er sein neues Büro in Höchst. Er kennt die Straßen kaum, flucht über die weite Anfahrt. Aber er kämpft, breitet eine Karte auf dem Tisch aus und klappert alle Straßen ab. „Ortskenntnis ist das tägliche Brot“, sagt er.

Geholfen hat ihm sicher der gute Draht zur „Chefin“, seine Studienkollegin Gabriele Dehmer leitet inzwischen das Amt. Als Glücksfall erweist sich 1995 auch die Initiative „Bürgernahe Verwaltung“. Dehmer schickt die Baubezirksleiter zu den Ortsbeiräten, sie sollen Bürgeranliegen auf kurzem Dienstweg klären. Das Konzept geht auf. Kleine Sachen kann Schneiders Team schnell erledigen.

2001 markiert einen weiteren Wendepunkt. Das Amt stattet seine drei Baubezirke mit weitreichenden Kompetenzen aus, „verabschiedet uns in die Autonomie“. Schneider kann viel umsetzen, wird im Westen zum Aushängeschild der Stadtverwaltung.

Auch im Ruhestand will er den Westen öfter aufsuchen, mit dem Rad, 40 Kilometer „immer an der Nidda entlang“, Freunde besuchen, die er dort gefunden hat.

Günter Schneider - Zur Person

Günter Schneider, 65, ist studierter Bauingenieur. Seine Karriere hat er bei der Bahn begonnen, seit 1987 arbeitet er im Frankfurter Amt für Straßenbau und Erschließung. Nach 32 Jahren geht er nun in den Ruhestand.

Als einer der drei „Fürsten“ hat Schneider das Erscheinungsbild des Westens mitgeprägt. Den Spitznamen hat 1995 Verkehrsdezernent Lutz Sikorski ersonnen. Die Stadt hatte die „Bürgernahe Verwaltung“ ausgerufen, die Leiter der Baubezirke, die Fürsten, mussten fortan Ortsbeirats-Sitzungen besuchen. sky

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