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Mainfähre „Walter Kolb“ sendet S.O.S-Notruf

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Von: Michael Forst

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Sven Junghans (rechts im Vordergrund) muss ohne seinen Ersatzmann Fritz Flohr die „Walter Kolb“ auf dem Main betreiben.
Sven Junghans (rechts im Vordergrund) muss ohne seinen Ersatzmann Fritz Flohr die „Walter Kolb“ auf dem Main betreiben. © Kilb

Fährmann Sven Junghans steht das Wasser bis zum Hals. Seit März muss er ohne seinen Ersatzmann auskommen, viele Passagiere bleiben seit Corona fern und die hohen Dieselkosten machen ihm zu schaffen. Die CDU im Ortsbeirat 6 (westliche Stadtteile) schlägt nun Alarm. Sie ruft die Stadt auf, die traditionelle Mainfähre zu erhalten.

Dem Fährmann Sven Junghans steht das Wasser bis zum Hals: Seit März muss er ohne seinen Ersatzmann Fritz Flohr auskommen. Zwischenzeitlich hatte das Neun-Euro-Ticket die Zahl der Fährpassagiere einbrechen lassen, Corona hielt viele Passagiere fern – und jetzt leidet er auch noch massiv unter den Folgen der Energiekrise.

Die CDU im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) bringt für die kommende Sitzung des Stadtteilparlaments am Dienstag, 1. November, einen Antrag ein, der sich wie ein S.O.S-Notruf liest, den Fährbetrieb über den Main zwischen Höchst und Schwanheim zu erhalten. Denn die „Walter Kolb“, so schreiben die Antragstellerinnen und Ortsvorsteherin Susanne Serke und Ilona Klimroth, „ist in akuter Gefahr“. Während die städtische Tourismus + Congress GmbH damit werbe, dass „die Fahrt über den Main [...] ein richtiges Vergnügen“ sei, stelle die Stadt Frankfurt keine ausreichenden Mittel zur Verfügung.

So reichten die vorhandenen Mittel nicht aus, um einen zweiten Fährmann einzustellen. Seit dieser krankheitsbedingt aufhören musste, stehe der Fährmann nun allein da. Werde Sven Junghans krank – so erstmals geschehen Anfang Oktober – stehe die Fähre still. Leider, so kritisieren Serke und Klimroth, seien die bisherigen Aussagen zur Unterstützung durch die Stadt „sehr unbestimmt“.

Zwar habe der Magistrat zwei Mal zugesichert, „dauerhaft die Dieselkosten für die Fähre“ zu übernehmen. Indes sei bisher weder der Vertrag „über die Durchführung des Fährbetriebs“ entsprechend angepasst noch die Fahrtkosten über den im Vertrag vereinbarten Betrag tatsächlich übernommen worden. Zumindest, hält die CDU fest, habe der Magistrat in einer Stellungnahme zugesichert, dass er die Fähre „weiterhin in der erforderlichen Höhe unterstützen werde, um für deren Erhalt zu sorgen“.

Der Ortsbeirat hoffe nun, dass sich das nicht als bloßes Lippenbekenntnis erweist, sondern die Stadt Frankfurt diesem Versprechen auch nachkomme – „nicht nur im Hinblick auf das anstehende Jubiläum im Jahr 2023“.

Die 50 000 Euro, die Junghans jährlich von der Stadt bekommt, sind nur ein Zuschuss zum Betrieb der 170 PS starken „Walter Kolb“; der Fährmann muss Fahrkarten verkaufen. 1,50 Euro kostet die einfache Fahrt für Erwachsene; Kinder zahlen 70 Cent. Hunde, Fahrräder oder auch mal ein Pony nimmt Sven Junghans ohne Zuzahlung mit.

Die besten Monate sind von Mai bis September, wenn am Wochenende der Strom der Ausflügler per Rad kaum abreißt. Doch das zwischenzeitlich eingeführte Neun-Euro-Ticket hatte die Fahrgastzahlen nach Aussagen des Fährmanns zu 75 Prozent einbrechen lassen.

Entsprechend hatte Junghans von der Stadt gefordert, den Zuschuss auf 100 000 Euro zu verdoppeln. Schon mit Blick darauf, dass er wieder einen zweiten Mann bräuchte. Und ein Schiffsführer verdient zwischen 3500 und 4000 Euro monatlich – macht im Jahr 48 000 Euro.

Die CDU fordert nun, den Vertrag mit dem Fährmann dahingehend anzupassen, dass die Kosten für Betriebsstoffe und ähnliches dauerhaft übernommen und die Kosten entsprechend mit dem jeweiligen Lieferanten entsprechend abgerechnet werden. Auch fragt sie den Magistrat, welche Pläne es gebe, um das Jubiläum angemessen zu feiern, wie die Unterstützung der Fähre sicherzustellen sei und welche Anstrengungen unternommen würden, um einen zweiten Fährmann einzustellen.

Grundlegend will sie wissen, welchen Stellenwert die Stadt der Fähre beimisst. Laut CDU, so ist in ihrem Antrag zu lesen, ist die „Walter Kolb“ ein „Wahrzeichen Frankfurts und als Teil des Mainpanoramas in Höchst – ebenso, wie Schloss, Zollturm und Justinuskirche – ein Kulturgut“.

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