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Der Ausstellungsraum ist mit italienischem Naturstein und amerikanischem Walnussbaum ausgestattet.

Höchst

Es ist Kunst, kein Geschirr

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Die Höchster Porzellan-Manufaktur hat in der neuen Frankfurter Altstadt eine Erlebnis-Boutique eröffnet.

Es ist nicht überliefert, ob der Elefant im Porzellanladen sich bei seinem zerstörerischen Werk unwohl fühlt. Bei dem Rucksackträger, der am gestrigen Donnerstag die Eröffnung der Erlebnis-Boutique der Höchster Porzellan-Manufaktur besucht, ist das anders. Der Blick auf das Preisschild der 519-Euro-Vase treibt ihm sichtlich Schweißperlen auf die Stirn.

„Das sind alles Unikate“, sagt Frank Sauer, der das Geschäft führt. Lässig zeigt er die Vase herum. Die Manufaktur hat so viele Gäste wie möglich in den neuen Laden in der Frankfurter Altstadt gestopft, äh, eingeladen. Etwas nervös stehen sie sich auf den Füßen, ziehen Bäuche und Rucksäcke ein und bewundern die Exponate mit angehaltenem Atem.

Etwa 100 Quadratmeter ist das Geschäft groß, schätzt Sauer, mit Empore und Nebenräumen. Wohl 50 entfallen auf den Ausstellungsraum. Der ist edel gehalten, mit italienischem Naturstein und amerikanischem Walnussbaum ausgestattet. „Wunderbar, wie fein das alles ist“, lobt Besucherin Ursula Plahusch aus Eckenheim. „Genau das richtige für die neue Altstadt, ein kleines und besonderes Geschäft.“

So hat sich das Investor Evan Chung vorgestellt. Als er 2018 die Manufaktur aus der Insolvenz rettet, ist das einer seiner ersten Wünsche: ein Geschäft in der neuen Altstadt. Die Manufaktur sei seit mehr als 270 Jahren eine Institution, er wolle die Tradition weiter führen, ausbauen, lässt er am Donnerstag übersetzen. „Porzellan bereichert unseren Alltag durch den Geist der Kunst.“

Und um Kunst handelt es sich bei den Produkten der Manufaktur, da lässt der künstlerische Leiter Mario Effenberger keine Zweifel zu. Handsigniert sind die „Meisterleistungen“, nummeriert, von „großen Künstlern“ geformt. Sie werden in „Ateliers“ gefertigt und in „Hallen“ ausgestellt. Fehler hätten die Manufakturen begangen, findet der Impresario, immer nur reproduziert.

Das wird anders. Die Höchster wollen aus althergebrachtem Handwerk Neues schaffen. „Die deutsche Porzellankunst ist nicht am Ende, sie steht am Anfang einer neuen Ära.“ Die Schauvitrine, in der die Höchster künftig ihre Neuerungen präsentieren, greift das auf mit einem goldenen Kranich im Balztanz. „Ein Symbol für Neuanfang“, sagt Effenberger.

Ein Gewinn für die Manufaktur und eine Zierde für die Altstadt sei das Geschäft, findet auch Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Die Produktionsstätte liege abgelegen in Höchst. In der Altstadt könne sie sich vor kunstinteressiertem Publikum präsentieren. Das könne vor der großen in die kleine Ausstellung gehen, scherzt Frank. Also den Schirn-Besuch mit dem Blick aufs Porzellan verbinden.

Er hört sich beinahe wie ein gewitzter Verkäufer an, wie er die Besucher bei der Eröffnung auffordert, sie sollen doch ihren Alltag entschleunigen, sich Zeit nehmen, den Kaffee aus einem schönen Service genießen und nicht aus dem Pappbecher. Die Manufaktur sei „Teil meiner Kindheit“, sagt er. Frank Senior hat bei der Hoechst AG gearbeitet, zu Festtagen ist das feine Service auf den Tisch gekommen. „Wir Kinder haben uns bemüht, dass da nichts schief geht.“ Ebenso habe er sich bei der Insolvenz ins Zeug gelegt, dass nichts schief geht.

Effi B. Rolfs, Leiterin des Satiretheaters „die Schmiere“, hat zumindest angebissen. Ein Service für 5000 Euro würde sie sich nicht zulegen, sagt sie. Aber ein schönes Einzelstück könne sie sich für ihre Wunschliste vorstellen.

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