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Kommentar: Bittere Erkenntnis

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Antikörperstudie bei Infraserv in Höchst zeigt, dass sich weniger Menschen infiziert haben, als erwartet. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht. Der Kommentar.

Die hessische Antikörperstudie ist weder aktuell noch repräsentativ – Wasser auf die Mühlen all jener, die in Maskenpflicht und anderen Vorkehrungen übertriebenes Gedöns sehen. Es stimmt: Die Teilnahme war freiwillig, alle Probanden arbeiten bei ein und der selben Firma, die meisten sind Männer, Kinder und Alte fehlen komplett.

Wer sich nicht generell verschließt, gewinnt neue Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass es seltener als vermutet vorkommt, dass man infiziert ist, ohne es zu merken. In der Studie waren es lediglich vier von 1000 Personen. Interessant auch, dass nur ganz wenige mit Covid-19 in Kontakt kamen. Das erklärt, warum die Metropolregion trotz ihrer sehr mobilen Bevölkerung bislang bei den Infektionszahlen so gut wegkommt. Wichtig ist auch der Hinweis auf die Aussagekraft von Antikörpertests. Die erste Generation ist fehlerhaft, selbst die bessere zweite Generation kann nicht den Freibrief ausstellen, den sich so viele Verwandte und Freunde von Risikopatienten wünschen. Bislang ist nicht wissenschaftlich erwiesen, dass eine Corona-Erkrankung für den Rest des Lebens immun macht. 100-prozentige Sicherheit bietet demnach alleine die Impfung. Wenn es sie denn eines Tages gibt.

Für jene, die die Gefahren der Pandemie ernst nehmen, kommt die Studie zum richtigen Zeitpunkt. Die Lockerungen bei Gastronomie, beim Reisen oder auch Sport verleiten viel zu schnell zum Leichtsinn. Zumal die Infektionszahlen weiter sinken – auch dank des schönen Wetters.

Doch im Hintergrund lauert das Virus weiter. Das zeigt der Fall der Evangeliumschristen-Baptisten-Gemeinde in Frankfurt. Keiner will die Gläubigen an den Pranger stellen. Fakt ist aber, dass nach Behördenangaben am 10. Mai rund 180 Gläubige dort einen Gottesdienst feierten, der eine Infektionswelle in der gesamten Region in Gang setzten. 133 positiv Getestete werden bislang auf das Ereignis zurückgeführt. Zum Glück sind die meisten Krankheitsverläufe milde. In dem Gottesdienst wurde gesungen, aber es wurden keine Masken getragen, was die Gemeinde inzwischen bereut. Das sollte allen eine Lehre sein. Eine Rückkehr zu den Gewohnheiten vor Corona wäre hochriskant. Das ist bitter, aber wahr.

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