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Die Qual der Wahl hatten manche Besucher der Plattenbörse.

Höchst

Kindheitserinnerungen zu kleinen Preisen

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Die Musikbörse in der Jahrhunderthalle löst Gefühle bei den Besuchern aus.

Mit flinken Fingern blättern sie in den Kisten. Bei der CD- und Schallplattenbörse am Sonntag in der Jahrhunderthalle stehen die Besucher an Dutzenden Ständen teils dicht nebeneinander und durchstöbern die Plastik-Kisten der Händler, in denen die Tonträger stecken.

Vor allem Vinyl ist gefragt. Mit geschultertem Stoffbeutel, Taschen oder Plastiktüten in der Hand streifen die Musikliebhaber durch die Gänge. Nach dem Durchblättern folgt ein kurzer, prüfender Blick aufs Cover. Ehe eine Schallplatte den Besitzer wechselt, wird das Vinyl nach Kratzern abgesucht.

Darauf hat Kerstin Meinel bei ihrem Schnäppchenkauf verzichtet. Vier Schallplatten hat sie erstanden. Keine hat mehr als drei Euro gekostet. „Die Preise sind sehr human“, sagt die Eschersheimerin. Erstmals sei sie auf einer Plattenbörse, weil sie sich eine Sammlung aufbauen wolle. Ihr Musikgeschmack? „Ich lasse mich treiben“, berichtet die 42-Jährige. Eine Langspielplatte von Wolf Biermann habe sie gekauft, weil sie in der DDR geboren worden sei, die „Greatest Hits“ von den Bee Gees hätten ihre Eltern gehört. Bei „Gone to Earth“ von Barclay James Harvest habe sie das Album-Cover mit einer Eule angesprochen und bei Steve Taylor die Gestaltung im Jugendstil. „Vinyl ist was anderes als CD“, sagt Meinel und fügt hinzu: „Das statische Knistern und das Rumdrehen der Platte“, beides würde Kindheitserinnerungen wecken.

Neben Musik werden bei der Börse auch Filme auf DVD und Blue Ray angeboten. Mit Schildern für Schleuderpreise wie „drei für fünf Euro“ locken einige Händler. Das interessiert Wolfgang Dehler wenig, da hauptsächlich Horrorfilme angeboten würden. „Ich bin wegen der Musik hier“, sagt der 64-Jährige. Am Stand von Thomas Wilpers hat sich Dehler eine Single von Ike & Tina Turner aus einer der Kisten gefischt. „Wohnt sie jetzt in der Schweiz?“, will er wissen und Wilpers bestätigt die Frage. „Ich will den Kontakt mit Leuten und den Austausch“, deshalb verkaufe er nicht über das Internet, sagt Wilpers.

„Ich krieg gerade Gänsehaut“, sagt der Kunde aus Bad Vilbel und zeigt auf den Song „Mountain High“, der auf die Vorderseite der Plattenhülle gedruckt ist. Drei Schallplatten kauft Dehler dem Hobby-Händler aus Bonn für insgesamt 25 Euro ab. „Dass ich mit solchen Schätzen nach Hause komme, hätte ich nicht gedacht“, sagt Dehler, und steckt die drei Tonträger zu weiteren in eine Tüte.

Etwa 1000 Singles und LPs habe Wilpers zur Börse mitgebracht, berichtet der 59-Jährige. „Die LPs ohne Preisschild kosten immer sechs Euro“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich eine Platte günstig bekomme, gebe ich sie auch günstig weiter“. Bei solch fairen Preisen fällt es manchem schwer, ein Ende zu finden. „Irgendwann muss man aufhören“, sagt ein Besucher am Ausgang. In der Hand trägt er eine prall gefüllte Tüte nach draußen.

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