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„In der Höchster Altstadt gibt es viele Ecken mit Müll“

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Von: George Grodensky

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Susanne Serke ist seit 2016 Ortsvorsteherin im Frankfurter Westen.
Susanne Serke ist seit 2016 Ortsvorsteherin im Frankfurter Westen. © Michael Schick

Im Frankfurter Westen sind Verkehr und Müll die großen Themen im Jahr 2022 gewesen. Ortsvorsteherin Susanne Serke erläutert im Interview, was es braucht, um diese Probleme in den Griff zu kriegen.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2022 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es weiter? Heute der Ortsbeirat 6 (Griesheim, Goldstein, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach, Zeilsheim).

Frau Serke, wo besteht im Frankfurter Westen Handlungsbedarf?

Es sind leider immer wieder die gleichen Themen, die uns beschäftigen. Insbesondere geht es um Verkehr und Müll.

Ich bin auf dem Bürgersteig einem Kühlschrank begegnet.

Gerade hier in der Höchster Altstadt gibt es viele Ecken, in denen sich regelmäßig Sperrmüll häuft. Aber auch in anderen Stadtteilen haben wir leider Hotspots. Wenn da mal ein paar Tage hintereinander jemand kontrollieren würde, würde man einige Leute erwischen, die illegal Müll abladen. Wir sind weit über den Punkt hinaus, an dem man das mit Prävention in den Griff bekommt. Wir müssen auch bestrafen. Wir brauchen hier mehr Kontrollen.

Sollte es nicht einen Kiezhausmeister geben, der aufpasst?

Das war ein Vorschlag der CDU im Ortsbeirat, den wir bereits in der vorigen Wahlperiode beschlossen haben. Die Stadt schiebt die Verantwortung weg. Wir haben mehrfach nachgehakt, zuletzt auch gefordert, dass die Personalkosten dafür in den Haushalt eingestellt werden. Leider haben wir bisher keine Antwort erhalten. Ich erkenne da nicht den unbedingten Willen, das Problem ernsthaft anzugehen. Bei uns ist es aber das Thema, wegen dem sich die meisten Menschen an den Ortsbeirat wenden. Es gibt auch die Leergut-Versammlungen an den Glascontainern, weil die nicht rechtzeitig geleert werden. Wenn die ersten Flaschen stehen, kommen bald die Mülltüten dazu.

Wie kann man das eindämmen?

Bei Altglascontainern müsste man mehr Geld investieren in Unterflurcontainer und die Leerungen an die Füllstände anpassen. Also den Abtransport nicht an feste Termine knüpfen. Stichwort: Digitalisierung. Der Container könnte sich bei einem gewissen Füllstand melden. Das kostet natürlich viel Geld, würde aber dauerhaft womöglich sparen helfen, weil es dann weniger Sonderreinigungen geben müsste.

In der Pandemie war in der Schwanheimer Düne ein Ranger unterwegs, um die Menschen darauf hinzuweisen, nicht durch das Naturschutzgebiet zu stapfen. Das war ein Erfolg.

Ja, aber das Personal fehlt. Die Lage am Höchster Wehr ist ja ähnlich. Da fällt mir auch nichts anderes ein, als öfters zu kontrollieren. Die Schilder stehen ja da. Die Leute wissen, dass sie da nicht ihren Müll abladen dürfen. Sie halten sich nur nicht daran. Das liegt auch daran, dass sie keinerlei Sanktion zu erwarten haben.

Das Sossenheimer Wehr soll ja anders umgebaut werden als das Höchster, damit es weniger wie ein Freibad anmutet.

Wir kennen die Pläne noch nicht. Wir haben aber darauf hingewiesen, dass auf das Thema Freizeitverhalten geachtet wird.

Die Menschen haben ja auch ein Bedürfnis, schön gestaltete Freiflächen nutzen zu können.

Es kommt auf die Balance an. Sie sollen keinen Müll hinterlassen und die Bereiche ungestört lassen, in denen die Fische laichen. Aber natürlich muss man den Menschen auch Flächen bieten, wo sie sich im Freien aufhalten können. Das geht in der Diskussion unter. Und für Jugendliche gibt es fast gar keine Angebote.

Vereine haben Angebote.

Die Vereine bräuchten aber mehr Unterstützung. Wir haben etwa einen aktiven Verein in Sindlingen, der gerne auf den Mainwiesen eine Discgolf-Anlage errichten würde. Da geht es nur darum, dass ein paar – frei zugängliche – Körbe aufgehängt werden. So, dass alle die Anlage nutzen können.

Was sagt die Stadt dazu?

Zur Person

Susanne Serke (43) aus Sossenheim ist CDU-Mitglied, seit 2021 Stadtverordnete und seit Mai 2016 Ortsvorsteherin.

Der Ortsbezirk 6 besteht aus den Stadtteilen Goldstein, Griesheim, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim, in denen rund 135 000 Menschen wohnen (Stand 30. Juni 2022).

Stärkste Fraktion im Ortsbeirat 6 ist die CDU mit sechs Sitzen, SPD und Grüne haben je vier, die Linken zwei, FDP und BFF jeweils einen Sitz, einen weiteren hat ein fraktionsloses Mitglied.

Die erste Sitzung des Ortsbeirates im neuen Jahr findet am Dienstag, 17. Januar, um 18 Uhr in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Frankfurt-Höchst, Bolongarostraße 110, statt. bö

Sie hat dem Verein abgesagt, der Ortsbeirat hat nachgehakt, man prüfe Flächen, hieß es dann. Im Ausschuss hat Umweltdezernentin Heilig nur nebulös geantwortet. Man wolle nichts errichten, was nur dem einen Verein zugutekomme. Da zeigt sich, dass man sich gar nicht richtig mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Denn die Anlage wäre ja öffentlich. Was womöglich andere Flächen schützt, auf denen man nicht herumtollen sollte. Die Mehrheit der Menschen hat eben keinen Garten vor der Tür, viele nicht einmal einen Balkon.

Apropos öffentlicher Raum. Was macht der als Bürger-Palast angekündigte Bolongaropalast?

Wenn ich richtig informiert bin, ist Sommer 2024 als Ende der Sanierung angesetzt. Es verschiebt sich ja jedes Jahr. Das ist eine deprimierende Angelegenheit. Die Verzögerung kann man nachvollziehen. Ich hätte mir aber von Anfang an eine ehrlichere Planung gewünscht. Und eine offene Kommunikation. Jede Verzögerung ist nur zufällig ans uns gedrungen. Dabei ist uns der Bolongaropalast als Sinnbild verkauft worden, dass wir im Westen nicht abgehängt seien. Inzwischen steht er sinnbildlich dafür, dass man mit uns nicht redet.

Aber die Verwaltungsstelle im Gartenpavillon des Palastes arbeitet noch?

Ja, sie ist aber nur kommissarisch besetzt, mit einer Kraft, die das zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben macht. Der frühere Leiter Henning Brandt ist im Ruhestand, das war lange bekannt. Seit einem Dreivierteljahr heißt es bei der Stadt: die Stelle sei ausgeschrieben. Fast könnte man glauben, die Stadt wolle das aussitzen.

Und die Stelle einsparen?

Es scheint fast so. Man kann natürlich schauen, wie gestaltet man die Stelle. Sie kann ja nicht ersatzlos wegfallen.

Das wäre wohl eine der ersten Aufgaben für die neue Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister; seit Petra Roth sind die in einem Sonderdezernat für die westlichen Stadtteile zuständig. Was erhofft sich der Ortsbeirat vom neuen Stadtoberhaupt?

Dass Präsenz gezeigt wird, nicht nur bei öffentlichkeitwirksamen Presseterminen, wenn es um Fotos geht oder Empfänge. Wir erwarten, dass man vor Ort ist und mit den Menschen redet, die Projekte vorantreibt.

Die Höchster Kliniken ziehen in den Neubau. Der Altbau wird abgerissen. Dort sollen Wohnungen entstehen.

Konkrete Pläne wurden uns noch nicht vorgestellt. Aber es wäre zumindest eine sinnvolle Stelle, um Wohnraum zu schaffen auf Flächen, die bereits versiegelt sind. Das Baugebiet Parkstadt 2 in Unterliederbach dagegen würde wertvollen Boden versiegeln. Allerdings ist die Planung noch immer in der Schwebe.

Strittig ist auch der mögliche Ausbau der A5 auf zehn Spuren. Davon wären Goldstein, Griesheim und Nied direkt betroffen.

Das ist ein großes Thema, das haben wir im Ortsbeirat auch kontrovers diskutiert. Die Menschen, die dort wohnen haben Ängste – das muss man ernst nehmen und ihnen zuhören. Es geht um Lärm, Abgase, auch das Thema Enteignung schwebt im Raum. Man muss aber auch ehrlich sagen: Wir im Ortsbeirat können wenig ausrichten, das geht weit über die Stadtebene hinaus, liegt auf Landes-, sogar Bundesebene.

Es gibt einen neuen Expressbus von Höchst zum Flughafen.

Da geht es voran, das ist eine positive Nachricht. Da gab es im Abschnitt Süd in diesem Jahr einen Spatenstich. Auch auf dem Gelände des ehemaligen Industrieparks in Griesheim passiert etwas. Man will sich unter anderem den Grünstreifen am Main vornehmen, endlich mal eine Radwegeverbindung am Main entlang bis in die Innenstadt realisieren.

Bisher müssen Radlerinnen und Radler auf die andere Mainseite übersetzen. Mit einem Radweg auf der Nordseite bräuchte man dann auch die Höchster Fähre nicht mehr.

Nee, nee, nee. Die muss erhalten bleiben. Die Fähre ist ein Kulturdenkmal. Sie feiert ihr 400-jähriges Jubiläum. Sie gehört zum Frankfurter Westen und ist eine wichtige Verbindung für die Fußgänger und Radfahrer von Schwanheim nach Höchst, vor allem an Markttagen.

Interview: George Grodensky

Der Bolongaropalast ist eine Dauerbaustelle.
Der Bolongaropalast ist eine Dauerbaustelle. © Leonhard Hamerski
Die Schwanheimer Düne ist ein Naturschutzgebiet.
Die Schwanheimer Düne ist ein Naturschutzgebiet. © Andreas Arnold
Während der Pandemie stapelte sich der Müll in der Schwanheimer Düne.
Während der Pandemie stapelte sich der Müll in der Schwanheimer Düne. © christoph boeckheler*
Die Walter Kolb Fähre in Höchst ist für die Menschen ein Kulturdenkmal.
Die Walter Kolb Fähre in Höchst ist für die Menschen ein Kulturdenkmal. © ROLF OESER

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