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Toooooor. Wer es gegen Mailand nicht ins Stadion schafft, schaut das Spiel in seiner Lieblingskneipe. Gemeinsam jubelt es sich schöner als alleine zu Hause.

Fußball-Kneipe

Immer mit dem Blick auf das Wesentliche: den Ball

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Der TV-Sender Sky zählt die Westbar in Höchst zu den 20 beliebtesten Sportsbars in Deutschland. Für die Wirte Bruno und Igor Sisko ist sie eher für eine gemütliche Kiezkneipe.

Moe Szyslak fällt auf jeden Telefonstreich herein. So haben die Gäste seiner Bar in der beliebten Fernsehserie „Die Simpsons“ immer etwas zu lachen. Bruno (45) und Igor Sisko (44), die Inhaber der Westbar FH an der Königsteiner Straße 27, sind da eher vorsichtig. Kürzlich hat der Sender Sky ihre Kneipe zu einer der 20 beliebtesten Sportsbars in Deutschland gekürt. Als die Fernsehleute anriefen, um zu gratulieren, „habe ich erstmal aufgelegt“, erzählt Bruno Sisko. „Ich dachte, da macht sich jemand einen Spaß.“

Ist aber ernst. Die Höchster teilen sich die Ehre mit dem „Red Rock“ in Bremen oder dem „Mit Schmackes“ von Ex-Nationalspieler Kevin Großkreutz in Dortmund. In der Rhein-Main-Region gibt es keinen anderen Geehrten auf der Liste, die Nächst-Prämierten sind „Becker’s Restaurant“ in Königswinter und die Whistle-Sportsbar in Mannheim. Die Westbar ist Nummer eins in der Kategorie „Würde ich weiterempfehlen“ und weit vorne in Sachen Ambiente und Ausstattung.

Abgestimmt haben die Gäste. In der Westbar fühlen sie sich offensichtlich wohl. Vielleicht weil das Etablissement gar nicht unbedingt aussieht wie eine typische Sportsbar. Ein einziger Flatscreen hängt an der Wand. Das Raucher-Separee hat Leinwand und Beamer. Dafür gibt es dunkles Holz, eine Backsteinmauer, eine Musikcollage, Flipper und Darts. Wenig Nippes. Ein Bild von Che Guevara lugt hinter der Theke hervor.

Einen Traum haben sich die Wirte Bruno (links) und Igor Sisko nicht erfüllt, sagen sie. Die Zeit schien ihnen einfach nur reif.

„Fokussiert“ ist sie, sagt Bruno Sisko über die Einrichtung. Wenn Fußball läuft, ist die Hütte picke-packe-voll; wer sitzen will, muss reservieren – und einen Tag vor dem Spiel bestätigen, dass er wirklich auftaucht. Jeder Platz hat dann ein eigenes Namensschild. Die meisten Fans sitzen da, wo sie immer sitzen. Andere wählen aber bewusst den Stehbereich, weil sie ohnehin zu aufgeregt wären, dem Spiel sitzend zu folgen.

Für Igor Sisko ist die Westbar aber eine „klassische Kiezkneipe“. „Wenn kein Fußball läuft, soll es auch gemütlich sein“, sagt er. Die Inneneinrichtung hat er mit seinem Bruder und Freunden größtenteils selbst gebaut. „Custom Design“ sei das, sagt Bruno Sisko. Schnell habe er gemerkt, dass sein kleiner Bruder eine eigene Vision entwickelt hatte. „Ich hab ihn dann einfach laufen lassen“, sagt er. Fehlt nur, dass er ihm liebevoll den Kopf tätschelt. Küche gibt es keine. „So wie Kneipe früher war“, sagt Igor Sisko. Wer unbedingt essen will, soll sich eine Pizza oder einen Döner selber mitbringen.

Höchst ist eigen, sagt Bruno Sisko, es hat mit Frankfurt wenig zu tun. Der Stadtteil ist bodenständig und vielfältig, die Lage ist top. Zwischen Taunus, Batschkapp in Frankfurt, dem Schlachthof in Wiesbaden, dem Flughafen. Und noch immer ist Höchst ein Zentrum für die „westlichen Vororte“, also für Frankfurts westliche Stadtteile und den Vordertaunus.

Ins hippe Nordend ziehen? „Nee, wir machen es hier hip“, sagt Bruno Sisko lachend. Für den Fototermin haben sie sich auch nicht sonderlich in Schale geworfen. Einer trägt Cargohose und Cap, der andere Jeans und Flanellhemd. Seit Jahren vertreiben sie auch zum Spaß ein eigenes T-Shirt- und Kapuzenpullover-Label. Die Aufdrucke „Höchst Asozial“ und „Westliche Vororte“ sind Klassiker im Stadtteil.

Im April feiern die Brüder den elften Geburtstag ihrer Kneipe. Dabei ist die Westbar für sie nicht unbedingt ein Jugendtraum gewesen. Eher ein unglaublicher Zufall, erzählen sie. Die Gastronomie kennen sie aus ihrer Familie, sie sind die dritte Generation in dem Gewerbe. „Wir wussten also, was auf uns zukommt“, sagt Bruno Sisko. Viel Arbeit, aber „man kommt auch mit vielen Menschen zusammen.“

Das T-Shirt des freundlichen Herren in der Bildmitte verrät es: Die Eintracht ist in Europa unterwegs.

Eines Abends sind sie gemeinsam unterwegs. Wie sie überhaupt recht viel gemeinsam machen, etwa in Rockbands Gitarre spielen. „Wir haben schon immer miteinander rumgehangen“, sagt Igor Sisko. Wenn einer wegzöge, müsste der andere mit. Und so gehen sie an jenem Abend zusammen durch Höchst.

„Der Copyshop ist zu“, sagt der eine. „Machen wir eine Bar draus“, sagt der andere, halb im Scherz. „Wir haben dann einfach den Hausbesitzer gefragt“, erzählt Bruno Sisko. Der hatte nichts dagegen. Nach neun Monaten Umbau hat die Westbar das Licht der Welt erblickt. „Wie bei einer Geburt“, sagt Igor Sisko. Zur Eröffnung ist der halbe Stadtteil erschienen. „Die Zeit war einfach reif, und wir hatten Bock drauf“, sagt Bruno Sisko.

Und ihre Ideen für die Zukunft? „Europapokal“, lautet die trockene Antwort. Anhänger der Frankfurter Eintracht sind sie schließlich auch. Die hat noch gute Aussichten auf einen Erfolg in der Europa League und spielt am Donnerstagabend gegen Inter Mailand. Zudem hat sie - derzeit auf den Europa-Rängen der Bundesliga liegend – Chancen, sich erneut zu qualifizieren. Für den Fall der Fälle planen die Höchster Kneipiers eine große Party. „Beim Pokalsieg war hier tagelang Ausnahmezustand“, sagt Igor Sisko. Die Leute seien nur zum Schlafen zwischendrin heimgegangen. Fortsetzung folgt.

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