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Petra Scharf, Gabi Lehmann und Jens Müller (von links) gedachten der Nazi-Opfer. maik reuß
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Petra Scharf, Gabi Lehmann und Jens Müller (von links) gedachten der Nazi-Opfer. maik reuß

Höchst

Höchster SPD gedenkt Opfern der Nazi-Zeit

  • vonHolger Vonhof
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Besuch bei Stolpersteinen zum Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto.

Das Gedenken an den Aufstand im Warschauer Ghetto im April und Mai 1943 hat die Höchster SPD am Mittwoch zum Anlass genommen, der Opfer des Nationalsozialismus‘ auch in Höchst zu gedenken. Die Genossen trafen sich am Stolperstein für die Familie Lewin vor dem Haus Königsteiner Straße 6, denn der SPD-Ortsverein Höchst ist Stolperstein-Pate für Henry Lewin (1902-1937) und Fritz Hartmann (1905-1945). Beide waren in der SPD, und ihr politisches Engagement wurde ihnen zum Verhängnis.

Verschiedene Mitglieder der Höchster SPD haben auch private Patenschaften übernommen, so etwa für den Stolperstein für das jüdische Mädchen Claire Adler aus der Emmerich-Josef-Straße, die gerade einmal elf Jahre alt wurde, oder für den Stein, der an Ludwig Nachmann erinnert. Die Familie Nachmann wurde von den Nazis aus ihrer Wohnung in der Leunastraße vertrieben und schließlich nach Lodz deportiert und umgebracht.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto, der jetzt 78 Jahre zurückliegt, war ein bewaffneter Widerstand der im Warschauer Ghetto gefangenen Juden gegen ihre Deportation in die Vernichtungslager der Nazis. In Höchst gab es keinen gewaltsamen Widerstand gegen Deportationen; oft sahen Bürger sogar zu, wie ihre Nachbarn abgeholt wurden. Für den Höchster Polizisten Karl Koch, der Nazi-Opfer vor der Verhaftung gewarnt und zumindest eine Person auch selbst vor dem Zugriff versteckt hat, soll jetzt eine Gedenktafel im 17. Polizeirevier angebracht werden.

Getragen wurde der Aufstand im Warschauer Ghetto von der Jüdischen Kampforganisation, dem Jüdischen Militärverband und anderen Organisationen. Erst am 16. Mai 1943, knapp einen Monat später, meldete der deutsche Befehlshaber Jürgen Stroop die Niederschlagung des Aufstands. Aus Rache ließ Stroop noch am gleichen Tag die Synagoge des Ghettos sprengen.

Historiker gehen davon aus, dass am Aufstand im Warschauer Ghetto etwa 750 bewaffnete Juden beteiligt waren. Auf deutscher Seite sollen etwa 2000 Mann zum Einsatz gekommen sein. Die Verluste auf beiden Seiten sind nur schwer abzuschätzen; vermutlich sind drei von vier Ghettokämpfern gefallen oder wurden ermordet. Über die Verluste der Deutschen gibt es ebenfalls keine verlässlichen Angaben, weil mit der SS Verbündete, wie etwa polnische Polizisten, in fast keiner Statistik berücksichtigt werden. Man schätzt jedoch, dass auf deutscher Seite 300 bis 400 Menschen gestorben sind und noch etwa rund 1000 verletzt wurden.

Im Ghetto waren wahrscheinlich keine Juden aus Höchst dabei, aber auch sie kamen in verschiedene Konzentrationslager in Polen wie auch Deportierte aus dem Ghetto. „Mit dem Andenken an diese Menschen wollen sich die Höchster Sozialdemokraten auch gegen den aktuellen Rassismus und Antisemitismus stellen“, sagt die Ortsbeirats-Fraktionsvorsitzende der SPD, Petra Scharf. Der Vorsitzende des Höchster Ortsvereins, Lino Leudesdorff, sagt: „Die Opfer des Nationalsozialismus bleiben unvergessen und ihr Leid mahnt uns: Eine freie, demokratische Gesellschaft ist nicht selbstverständlich. Sie muss verteidigt werden!“

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