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Höchster Orgel verleiht Zirkus Roncalli ein nostalgisches Flair

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Die Höchster Orgel steht direkt im Eingangszelt des Zirkus Roncalli.
Die Höchster Orgel steht direkt im Eingangszelt des Zirkus Roncalli. © Reuss

Die Orgel des Zirkus Roncalli wurde vor mehr als 100 Jahren am Main gebaut. Weltweit gibt es nur drei Exemplare.

Den Kassierer nervt sie. Der Rest liebt sie: Die automatische Jahrmarktsorgel, die 1904 in Höchst gebaut wurde, steht direkt im Eingangszelt des Zirkus Roncalli, der gerade am Ratsweg gastiert. „Vor allem Kinder bekommen bei der Orgel glänzende Augen,“ sagt der Roncalli-Betriebsleiter Patrick Philadelphia. Nur für die Kassierer sei es manchmal wegen der Lautstärke schwierig, sich mit den Besucherinnen und Besuchern zu unterhalten. Philadelphia arbeitet seit 27 Jahren im Zirkus. „Wenn die Orgel den Einzug der Gladiatoren spielt, kribbelt es bei mir immer.“

Schon außerhalb des Zeltes kann man die Orgel hören. Sie steht direkt nach dem Einlass rechts steht auf einem passenden Wagen. Sechs Meter lang. 2,30 Meter breit und 3,45 Meter hoch. „Wegen der Höhe können wir sie nur über die Straße transportieren“, sagt Philadelphia. Mit roten, blauen und grünen Lichtern und fünf Madonnen an der Front ist die Orgel ein Hingucker. „Ursprünglich wurde die Orgel für Jahrmärkte konstruiert. Da unser Zirkusdirektor ein leidenschaftlicher Sammler ist, hat er sie sich ungefähr 1984 gekauft“, berichtet Philadelphia.

Die Geschichte der Orgel begann indes schon früher: 1904 in Höchst, in der Orgelbauwerkstatt Voigt. Christian Friedrich Voigt gründete die Werkstatt anno 1832 in Igstadt bei Wiesbaden. Es dauerte 69 Jahre, bis der Enkel Heinrich Voigt 1903 die Werkstatt nach Höchst verlegte. Nur ein Jahr später entstand die Großorgel Modell 40. Insgesamt drei Exemplare baute Voigt damals.

Davon ist eine im Zweiten Weltkrieg verbrannt. Eine steht bei einem Sammler aus der Schweiz und die dritte bewahrte der Zirkusdirektor Bernhard Paul im Jahr 1984 vor der Verschrottung. Es erfolgten Instandsetzungsarbeiten. Bis heute ließ Paul die Orgel vier Mal in Freiburg restaurieren und lässt sie jährlich warten. Dadurch kann die Orgel wie am ersten Tag musizieren.

Besonders empfindlich ist sie wegen der Lochkarte aus Pappe. Die einzelnen Löcher sorgen mit einem Motor dafür, dass die Orgel völlig automatisch die richtigen Noten spielt. Fünf Musikstücke sind auf der Lochkarte zu finden. Neben dem Schalter für den Lochkartenmotor ist ein weiterer Schalter für den Kompressormotor. Dieser sorgt dafür, dass Luft durch die Löcher schießt und Töne entstehen.

Philadelphia schaltet den Kompressor ein – es dröhnt ohrenbetäubend. Kein Ton passt zum anderen. Dann legt er den zweiten Schalter mit dem Lochkartenmotor um – die Orgel beginnt zu musizieren. 96 Tonstufen ermöglichen es, die Musik originalgetreu wiederzugeben. Sie ist so laut, dass sich Philadelphia direkt neben ihr die Ohren zuhalten muss. „Im Winter ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch. Da können wir die Höchster Orgel unseren Besuchern nicht präsentieren“, erklärt er. Die Pappe der Lochkarte franse bei Feuchtigkeit aus. Die Folge seien falsche Tonfolgen.

Heutzutage sei es schwierig, einen Orgelbauer für Reparaturen zu finden. „Frankfurt kann sich glücklich schätzen, eine der ausgewählten Städte zu sein, in der wir die Höchster Orgel zeigen“, sagt er. Auch in Wien und Düsseldorf sei sie zu sehen. Wenn das Musikinstrument gerade nicht auf Reise ist, steht es in einer Lagerhalle in Köln oder kann für eine Veranstaltung gemietet werden.

Seit zehn Jahren war Zirkus Roncalli nicht mehr zu Gast in Frankfurt. Beim letzten Besuch hatte er noch Tiere. 2018 nahmen die letzten Pferde Abschied. Der nostalgische Flair mache den Zirkus aus, so Philadelphia. Dazu gehöre eben auch die Orgel am Eingang.

Noch bis zum 13. November gastiert Zirkus Roncalli in Frankfurt am Ratsweg. Die zweieinhalbstündige Show ist mittwochs und sonntags um 15.30 Uhr und 20 Uhr zu sehen.

Roncalli-Betriebsleiter Patrick Philadelphia vor der Lochkarte der Höchster Orgel. Darauf sind fünf Musikstücke zu finden.
Roncalli-Betriebsleiter Patrick Philadelphia vor der Lochkarte der Höchster Orgel. Darauf sind fünf Musikstücke zu finden. © Reuss

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