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Tanja Huckenberg bemühte das Megafon, um zu den Teilnehmern der Mahnwache zu sprechen.

Höchst

„Für ein Schloss mit Kultur“

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Ein Bündnis organisiert eine Mahnwache für den Erhalt des Alten Schlosses in Frankfurt-Höchst als Veranstaltungsort.

Wie geht es mit dem Alten Schloss weiter? Eine Frage, die die Höchster schon lange umtreibt. „Nun wollen wir nicht mehr nur zugucken, sondern ein Zeichen setzen“, sagt Uwe Eisenmann am Samstagabend auf dem Schlossplatz. Er ist Mitglied im Ortsbeirat 6 und unterstützt die Mahnwache der Höchster Bürger. Organisiert hat sie ein Bündnis, das sich vor zwei Wochen gebildet hat. Ins Leben gerufen wurde es von Tanja Huckenbeck und Marcus Bonszkowski sowie dem Künstler Frank Mayer.

„Es sind zu viele Fragen offen, wenn es um die Zukunft unseres Schlosses geht“, erklärt Huckenbeck. Vom Protest erhofft sie sich Antworten und ein langfristiges Nutzungskonzept für das Schloss als Kulturstätte. Mit Megafon besteigt sie den Brunnen auf dem Schlossplatz. Im Hintergrund ragt der beleuchtete Burgturm in den Abendhimmel. Die Teilnehmer der Mahnwache recken Schilder in die Höhe. Darauf zu lesen sind Forderungen wie: „Kein Schloss vors Schloss“ oder „Für ein Schloss mit Kultur“.

Huckenbeck verweist auf die Fluchtwegproblematik, die ein Grund dafür ist, dass zurzeit keine Veranstaltungen im Schloss oder auf der Terrasse stattfinden. Seit Mai arbeitet das Stadtplanungsamt an einem Sicherheitskonzept, „doch es tauchen immer neue Unwägbarkeiten auf“, kritisiert Huckenbeck. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) als Eigentümerin teilte im Vorfeld mit, dass es sich nur um „Petitessen“ handele, die den Prozess aufhielten. Einen Zeitrahmen nannte sie nicht.

Das verärgert die Höchster Bürger und Kulturschaffenden, denn das Schloss stelle den kulturellen Knotenpunkt im Frankfurter Westen dar. Konzerte, Märkte und traditionsreiche Festivals wie das Schlossfest, die Kurzfilmreihe oder die Sommernacht vom Neuen Theater zählten bislang zum Veranstaltungsangebot. „Wir müssen dieses Jahr zum zweiten Mal ohne die Schlossterrasse planen“, bedauert Ralf Noack vom Theatervorstand. „Das ist schade, denn Höchst ist durch sein reiches kulturelles Leben ein Anziehungspunkt geworden“, sagt er und verweist auf den hohen Zuzug aus anderen Stadtteilen. Nun befürchtet er einen Rückgang.

Kein Grund zur Sorge

Laut Stiftungssprecherin Ursula Schirmer bestünde kein Grund zur Sorge. Das Schloss solle als öffentlicher Veranstaltungsort erhalten bleiben. „Nur in welcher Form?“, fragen die Protestierer. Der Pachtvertrag mit Holger Häusser, der das Café und den Schlosskeller betreibt, läuft im Mai aus. Wie es danach weiter geht, ist unklar. „Für uns ist das Café eine zweite Heimat“, sagt die Höchsterin Uschi Werr. „Das ist die schönste Ecke im Stadtteil.“

Der alte Ortskern mit Schloss sei zudem für Touristen attraktiv – „und von seinem historischen Wert mit der Frankfurter Altstadt gleichzusetzen“, findet Barbara Martz aus Nied. Solidarisch zeigt sich auch die Sossenheimer Band „Die Quietschboys“, die oft im Schlosskeller aufgetreten ist und nach dem Protest ein Konzert spielt.

Vertreter von Stadt und Stiftung sind nicht gekommen. Die DSD aber hat die Mahnwache zur Kenntnis genommen und mit einer Selfie-Aktion reagiert. „Über das große Interesse am Erhalt des Schlosses freuen wir uns“, teilt Pressesprecher Thomas Mertz mit. Auch der Stiftung sei daran gelegen. Er verweist auf die Sanierungsarbeiten, die zurzeit an den Schlossmauern und den Fenstern vorgenommen werden. Für jedes von der Mahnwache eingesandte Selfie will die DSD weitere 50 Euro für die Instandhaltung zur Verfügung stellen.

„Schön, dass sich die Stiftung bewegt, aber das Geld müsste sie sowieso investieren“, meint Uwe Eisenmann. Die Organisatoren haben eine Mailadresse eingerichtet, über die Teilnehmer ihre Selfies anonym verschicken können. 82 Personen haben das bis Sonntag genutzt. „So haben wir den Überblick und werden sehen, wie es sich mit dem Angebot verhält“, sagt Tanja Huckenbeck. Sie sieht keinen Zusammenhang zwischen der Sanierung und einer kulturellen Nutzung des Schlosses. „Für die Instandhaltung erhält die Stiftung schließlich Spenden, für die Bereitstellung der Räume nicht.“

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