1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Höchst

Höchst: Klage über zu viel Werbung

Erstellt:

Von: Holger Vonhof

Kommentare

Zugestellte Bürgersteige und überdimensionierte Reklame beschäftigen den Ortsbeirat in Höchst.

Auf der Ortsbeiratssitzung im Volkshaus Sossenheim haben Grüne und Linke einen Antrag eingebracht, mit dem der Magistrat aufgefordert wird, Bausubstanz, Wohnraum und Erscheinungsbild der Höchster Altstadt zu wahren.

Dabei ging es den Verfassern Ellen Janik (Linke) und Frank Wiebe (Grüne) vor allem um den langjährigen Verfall einzelner Immobilien, aber auch um einige Auswüchse jüngeren Datums: Immer mehr Geschäftsinhaber pflastern Häuser, die zum Denkschalschutzensemble der Höchster Altstadt gehören, mit großen, bunten Werbetafeln und sogar blinkender Reklame zu und beanspruchen mit Werbeaufstellern, Stehtischen, Schirmen oder Eistruhen öffentliche Flächen für sich. An einigen Stellen der Bolongarostraße ist auf den Bürgersteigen kaum noch ein Durchkommen; Menschen mit Kinderwagen oder im Rollstuhl haben im Zweifel das Nachsehen.

Aufmerksam gemacht auf die Beispiele hat die Bürgervereinigung Höchster Altstadt, mit der Vertreter der Ortsbeiratsfraktionen ein Gespräch hatten. Werbe-Auswüchse gibt es besonders bei den Häusern Bolongarostraße 132, 163, 170 und 181. Dort sei zu prüfen, fordern nun die Ortsbeiräte, ob die Werbung mit dem vorgeschriebenen Erscheinungsbild, wie es der Denkmalschutz einfordert, zu vereinbaren sei.

Auf Initiative des CDU-Ortsbeirats Michael Schneider ist in der Sitzung dann auch der Passus in den Antrag aufgenommen worden, die Stadt möge auch die Vereinbarkeit von Glücksspiel-Nutzung mit den Vorgaben prüfen. Schneider geht es um sicherheitspolitische Verstöße: „Aus Gesprächen mit der Bürgervereinigung und der Bauaufsicht wurde deutlich, dass der Betrieb von Glückspiel in weiten Teilen laut einschlägigem Regelwerk – Bebauungspläne, Satzungsrecht, Ensembleschutz – nicht zulässig ist.“

Große Sorgen macht der Bürgervereinigung auch der bauliche Zustand der überwiegend leerstehenden Häuser Justinusplatz 6, Bolongarostraße 145 und 155 sowie Höchster Schlossplatz 7. Der Magistrat, so fordert nun der Ortsbeirat, soll die Eigentümer wegen einer möglichen Vermietung kontaktieren und – sofern rechtlich zulässig – eine Behebung der baulichen Mängel veranlassen.

Beim Haus Bolongarostraße 170 hat der marode Zustand des Dachs, der seit Längerem bekannt ist, schon die Nachbarn auf den Plan gerufen, auf deren Vordach und in deren Hof herabstürzende Dachziegel zerplatzen. Hier will der Ortsbeirat eine Information über den Sachstand; der Eigentümer des Hauses entzieht sich bislang allen Gesprächen. Einen direkten Ansprechpartner hat der Magistrat bei der Sanierung des Hauses Kronengasse 15 / Ecke Ettinghausenplatz: Eigentümer ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG.

Die Höchster Altstadt ist mit etwa 7,5 Hektar Fläche der größte zusammenhänge Altstadtbereich Frankfurts und zählt darüber hinaus mit Justinuskirche, Altem und Neuem Schloss, Dalberger und Kronberger Haus sowie anderen herausragenden Gebäuden viele Einzel-Bau- und Kulturdenkmäler. Die Altstadt als Ensemble steht seit 10. Februar 1972 per Frankfurter Ortsstatut unter Denkmalschutz. In dem halben Jahrhundert seither ist viel saniert worden, aber eine ganze Reihe von Häusern wartet wegen ungeklärter Besitzverhältnisse, Geldmangel oder baurechtlicher Gründe immer noch auf die Renovierung.

Auch interessant

Kommentare