+
Busstop-Aufführung im November 2017. Das Ensemble hat nun neue Szenen erarbeitet.

Höchst

Höchst: „Geht doch nach Hause!“ Rassismus als Theaterstück

  • schließen

Das Projekt „Busstop“ hat neue Szenen erarbeitet. Das Ensemble garniert sie mit Gedichten und Liedern.

Ein Mann mit dunklem Teint gerät in eine Polizeikontrolle. „Haben Sie etwas getrunken?“, fragt der Beamte. Das Gesicht des Kontrollierten verfinstert sich (noch mehr). Es ist nicht so sehr die Frage, die ihn stört. Aber der Polizist spricht ihn extra langsam und deutlich an, so als würde er kein Deutsch verstehen. Tut er aber. „Ja, habe ich“, antwortet der Autofahrer. Verblüfft fragt der Polizist nochmals nach, noch deutlicher und eindringlicher. „Haben Sie etwas getrunken?“ „Ja, habe ich“, sagt der Mann. „Einen Kaffee und ein Wasser, ist das verboten?“

Es sind Szenen wie diese, die Amir Mansoor ebenso ärgern wie erheitern. So sehr, dass er sie auf die Bühne bringt. Der Nieder mit pakistanischen Wurzeln ist Vorsitzender des Vereins Pakbann für deutsch-pakistanische Begegnungen. Mit Vertretern des Bunten Tischs Höchst und dem Begegnungszentrum des Frankfurter Verbands hat er ein Theaterprojekt über Alltagsrassismus ersonnen: „Busstop“.

16 Menschen aus Frankfurt - alle mit Rassismus-Erfahrungen

Nach der Uraufführung 2017 folgt nun die zweite Auflage, mit neuen Ensemblemitgliedern und neuen Szenen. An den kommenden zwei Wochenenden stehen Aufführungen im Kulturkeller im Dalberghaus an. Dort ist besagte Bushaltestelle zu finden, and er sich die Menschen treffen und Konflikte austragen – oder einander helfen. 16 Menschen gehören zum Ensemble, „alles Frankfurter“, wie Mansoor betont. Und doch haben sie alle ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus gemacht. Die lassen sie in das Stück einfließen.

Zwei Aufführungen stehen an: am Sonntag, 10. November, 19 Uhr und Samstag, 16. November, 19.30 Uhr, beide im Kulturkeller Höchst, Bolongarostraße 186. Einlass ab 18 Uhr, Eintritt frei, eine Spende erwünscht.

Die Plätze sind begrenzt. Anmeldung empfiehlt sich unter Telefon 31 24 18. www.busstop-frankfurt.com

Die 14 Szenen hat die Gruppe gemeinsam entwickelt. Es ist ein heterogenes Ensemble, vom Alter her gemischt, von den beruflichen Hintergründen, mit weit verzweigten Wurzeln, die nach Italien reichen, Marokko, in den Iran, nach Äthiopien, nach Ostdeutschland.

Mansoor seufzt. Das Thema Rassismus ist aktuell wie lange nicht. „Mehr als 30 Jahre lebe ich in Deutschland“, sagt er. Probleme hatte er nie, hat sich immer akzeptiert gefühlt. „Ich bin der deutschen Sprache sehr wohl mächtig“, sagt er betont wohl formuliert, wenn auch mit Akzent.

2016 ist die Stimmung aber gekippt im Land, hat er beobachtet. Da ist Mansoor erstmals wegen seiner Hautfarbe angefeindet worden. „Das hat mich ungemein geärgert.“ Den anderen Ensemblemitgliedern geht es ähnlich. Das Gute daran: Sie haben ihren Ärger in ein packendes Theaterstück geworfen. Ein bisschen haben sie dabei auch über sich selbst gelernt. „Man hinterfragt sich automatisch, räumt mit eigenen Vorurteilen auf.“

Frankfurt: Aufführungen stets gut besucht

Die Aufführungen sind stets gut besucht. Doch die Reaktionen reichen vom lobenden „Ihr macht das so gut, ihr gehört ins Schauspielhaus“ bis zum feindseligen „ich kann es nicht mehr hören, geht doch nach Hause, wenn es euch hier nicht gefällt“.

Mansoor nickt nachdenklich. „Ich nehme es nicht mehr persönlich“, sagt er. Verstecken mag er sich aber nicht. Er zitiert den ehemaligen Frankfurter Integrationsdezernenten Jean Claude Diallo. „Migranten müssen sich in der Gesellschaft sichtbar machen, damit sie so wahrgenommen werden, wie sie sind. Nicht, wie es sich die Leute vorstellen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare