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Beim Höchster Kurzfilmparcours waren Werke an sechs Hauswänden im Stadtteil zu sehen.

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Höchst: Beim  Kurzfilmparcours zeigen Nachwuchs-Regisseure Werke zu Industriekultur 

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Beim Höchster Kurzfilmparcours zeigten Nachwuchs-Regisseure ihre Werke zum Thema Industriekultur und Stadtentwicklung. Ziel war es unter anderem, Touristen die Höchster Altstadt näher zu bringen. Nicht alle Besucher konnten mit dem Gezeigten etwas anfangen.

Mit gespannten Mienen blickten am Samstagabend rund 150 Besucher auf die erste Etage einer Hausfassade in der Storchgasse. An dieser Stelle projizierten Jugendliche der Medienwerkstatt den Besuchern des „Höchster Kurzfilmparcours“ zwei Werke hessischer Nachwuchs-Regisseure an die weiße Wand.

Während die Zuschauer bei „Maison Sonore“ von Jonatan Schwenk einigermaßen ratlos zurück blieben, fiel der Zugang zu „Taxis“ von Katja Baumann leichter. Darin nimmt die Regisseurin die Zuschauer mit ins Europaviertel. „Messe“ und „Europaviertel“ riefen einige Zuschauer, als sie bekannte Szenen aus dem westlichen Quartier erkannten.

„Furchtbar“, entfuhr es hingegen einer Frau nach dem ersten Kurzfilm. Mit den animierten Figuren, die in einem Haus, vom Maschinenraum im Keller, über den Aufzug, bis in die oberen Etagen gezeigt wurden, konnte sie so gar nichts anfangen.

Jürgen Schmitt, vom Veranstalter des Stadtteilmanagements der Nassauischen Heimstätte hatte den filmischen Abendspaziergang mit der Medienwerkstatt im Rahmen der „Tage der Industriekultur“ organisiert. Ziel war es unter anderem, Besuchern von außerhalb die Höchster Altstadt näher zu bringen.

Schon am Startpunkt des Parcours am Ettinghauser Platz warnte er die Teilnehmer: „Das wird kein Popcorn-Kino, sondern ein Kino mit Filmen, über die man nachdenken und auf sich wirken lassen muss“. Dafür hatte er die Pausen zwischen den insgesamt sieben Stationen in der Höchster Altstadt vom Platz neben dem Wochenmarkt – wo sich die Gruppe nach Einbruch der Dunkelheit getroffen hatte – über das Porzellanmuseum und die Justinuskirche bis zum Mainufer empfohlen.

Zeit für Reflexion zwischen den Filmen

Zeit für Reflexion zwischen den Filmen blieb genug. Nach einem Image-Film über Höchst an der ersten Station neben der ehemaligen Synagoge mussten die jungen Filmvorführer umziehen – zur nächsten Station und Stromquelle. Die sieben Fachschüler der Bockenheimer Gutenberg-Schule, die die Kurzfilme gemeinsam mit Werner Rosmaity von der Medienwerkstatt ausgewählt hatten, bugsierten die Technik mitsamt Filmprojektoren auf Roll-Kästen mühsam über das Kopfsteinpflaster der Altstadt. Teilweise kam der Strom von Anwohnern, die die Filme durch ihr Fenster, durch die die Kabel verliefen, mitanschauten.

In der Storchgasse erklärte Katja Baumann, Regisseurin und Absolventin der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, was sie sich bei ihrem Film gedacht hatte. „Mich hat damals schon fasziniert, wie mit dem Gallus- und Europaviertel, zwei Stadtviertel, die gar nicht zusammen passen, zusammen wachsen“, sagte Baumann über ihre Abschlussarbeit aus dem Jahr 2011.

Der Wandel dort habe viele neue Perspektiven eröffnet, die die Regisseurin „mit Bildbearbeitung“ noch erweitern wollte. Der Titel Taxis stehe im übertragenen Sinne für die „Reaktion von Lebewesen auf ihre Umfeld“.

Corinna Fischer und Immanuel Stieß aus Rödelheim zeigten sich angetan von dem Kino-Spaziergang. „Ich finde die Idee sehr originell und witzig, den Stadtteil so zu beleben“, sagte die 48-jährige Fischer.

Beide würden Höchst zwar kennen. Aber die Ecke in der Storchgasse sei ihm neu gewesen, sagte der 57-jährige Stieß. Und bei Dunkelheit erscheine ja auch Altbekanntes plötzlich in einem ganz anderen Licht.

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