Die Höchster Ersatzbrennstoffanlage ist die wohl größte ihre Art in Deutschland.

Industrie

Höchst: Ein gutes Jahr für die Infraserv-Gruppe

  • schließen

Industriepark-Betreiber zufrieden mit Wachstum. Firmen am Standort investieren 327 Millionen Euro.

Infraserv Höchst hat sich am Mittwoch insgesamt zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2018 gezeigt. In den „wesentlichen Segmenten“ seien Wachstumsraten zu verzeichnen, sagt Jürgen Vormann, einer von zwei Geschäftsführern des Industriepark-Betreibers. Der Umsatz vergrößerte sich um 9,2 Prozent auf 941,7 Millionen Euro. Das Investitionsniveau im Industriepark bleibt stabil. 327 Millionen Euro haben die Unternehmen vor Ort in ihre Anlagen gesteckt, vergangenes Jahr waren es 328 Millionen.

Vormann warnt aber vor Sorglosigkeit. Nach Jahren des Aufschwungs drohen der deutschen Wirtschaft schwierige Zeiten. „Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, dass wir in Deutschland unsere industriepolitischen Hausaufgaben machen und Rahmenbedingungen schaffen, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrieunternehmen und der Standorte gestärkt werden.“

Infraserv selbst treibt Investitionsprojekte voran, um die weitere Entwicklung des Standortes zu stärken. Zum Beispiel möchte der Industrieparkbetreiber seine Gasturbinenanlage modernisieren. 60 Millionen Euro wird das kosten, ab 2020 soll die Anlage etwa 100 Megawatt Strom erzeugen. „Weitere Gasturbinnen sind geplant“, sagt Joachim Kreysing, der zweite Infraserv-Geschäftsführer. Die sollen dem Industriepark bis 2023 den Ausstieg aus der Kohlestromerzeugung ermöglichen.

Zufrieden ist das Unternehmen auch mit der Tochterfirma Thermal Conversion Compound (TCC). Die betreibt die wohl größte Ersatzbrennstoffanlage (EBS) Deutschlands und hat „mittlerweile eine vernünftige Profitabilität erreicht“, wie Vormann sagt. In der EBS verbrennt Infraserv heizwertreichen Haus- und Gewerbemüll, gewinnt daraus Strom und Dampf für die Unternehmen des Industrieparks. Früher ist die Anlage nicht gut ausgelastet gewesen. Seitdem Infraserv dort aber Klärschlamm mit verbrennt, arbeite die Anlage viel effizienter.

Anlieger, vor allem aus Kelsterbach, haben daran allerdings Kritik geäußert. Die Anlage rieche stark, der LKW-Verkehr nehme zu wegen des angelieferten Schlamms, sie fürchten zudem weitere Emissionen. Das Regierungspräsidium in Darmstadt prüft die Einwände noch.

Die Geschäftsführer: Joachim Kreysing (links) und Jürgen Vormann.

Klärschlamm zu verbrennen sei aber weitaus sinnvoller als ihn wie früher auf den Feldern zu verteilen, findet Infraserv. Das wiederum ist nach einer Gesetzesänderung ohnehin nicht mehr erlaubt. Nur noch übergangsweise. In Hessen wird das auch nicht mehr praktiziert, dort landet der Schlamm sogar in Kohlekraftwerken. Und dort sehen die Höchster eine „interessante Dynamik“. Nach und nach gehen die Kohlekraftwerke vom Netz, der Schlamm müsste dann woanders verbrennen.

Infraserv verweist daher auf die strategische Bedeutung der Anlage, „auf die wir nicht mehr verzichten wollen“, wie Vormann sagt. Als Bonbon entwickelt das Unternehmen derzeit eine Möglichkeit zum Phosphor-Recycling. Das gewinnt das Unternehmen mit einem Partner aus der Asche der Klärschlammverbrennung. Dabei entstehe handelsüblicher Dünger. „Den werden wir aber nicht im Baumarkt verkaufen“, scherzt Vormann.

Die Ansiedlung der Firma KPM aus Finnland ist ebenfalls noch nicht spruchreif. Der Papierhersteller hat 50 Standorte auf der ganzen Welt untersucht, ob dort seine neue Bio-Raffinerie entstehen könnte. Die soll aus Holz unter der Zugabe von Zucker wichtige Grundchemikalien gewinnen, etwa für Kunststoffflaschen, Verpackungen und Enteisungsmittel. Und so fossile Rohstoffe mit nachwachsenden ersetzen.

Die Anlage ist so modern und einzigartig, dass noch nicht sicher ist, ob sie überhaupt gebaut wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege „bei mehr als 50 Prozent“, sagt Joachim Kreysing. Mittlerweile haben die Finnen die Suche auf zwei Standorte eingegrenzt: Höchst und ein deutscher Mitbewerber. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, UPM anzusiedeln“, sagt Kreysing. Ein Plus seien die vielen Buchenwälder in der Umgebung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare