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Der Platz in der Altstadt gilt als historisch sehr relevant.  

Höchst

Grabungen nach der Höchster Synagoge

Demnächst beginnen die archäologischen Arbeiten am Ettinghausen Platz. Dieser gehört zu den ältesten historisch und archäologisch relevanten Flächen der Höchster Altstadt.

Mit einiger Zeitverzögerung sollen jetzt die archäologischen Grabungen am Ettinghausen Platz beginnen: Die Sondierungen, die ursprünglich schon im Juli vergangenen Jahres hätten stattfinden sollen, werden voraussichtlich am nächsten Montag, 16. März, beginnen. Die aus der Grabung gewonnenen Erkenntnisse sollen – so weit möglich und sinnvoll – in die künftige Gestaltung des kleinen Platzes einfließen, der seit Jahren ein reichlich desolates Bild bietet.

Benannt ist der Platz nach einer Familie, die maßgeblich die jüdische Gemeinde Höchst beeinflusst hat und die im Sozial-, Wirtschafts- und Vereinsleben sowie in der Kommunalpolitik der früher selbstständigen Stadt Höchst aktiv war. Der Ettinghausen-Platz gehört zu den ältesten historisch und archäologisch relevanten Flächen der Höchster Altstadt.

Unter dem Pflaster des Platzes werden Überreste der im Novemberpogrom 1938 zerstörten Höchster Synagoge vermutet. Außerdem befanden sich dort, nahe der früheren Stadtmauer, die Abfallgruben der 1746 gegründeten Höchster Porzellan-Manufaktur.

Bronzetafel zum Gedenken

Am Luftschutzbunker, den die Nazis an dem kleinen Platz errichtet haben, hängt eine Bronzetafel zum Gedenken; zwei „Fernrohre in die Vergangenheit“ lassen – wie Fernrohre an einem Aussichtspunkt – die Synagoge in ihrer Außen- und Innenansicht wieder aufleben. Aber seit die morschen Platanen auf diesem Platz gefällt wurden, sieht das Areal am Höchster Markt zwischen Justinuskirchstraße, Schleifergasse und Kronengasse noch trostloser aus als zuvor.

Die im vergangenen Jahr bereits abgebauten Bänke wurden nach Bürgerprotesten vorübergehend wieder aufgestellt, nachdem sich die archäologischen Grabungen verzögerten – Grund waren nach Darstellung der Stadt „unvorhergesehene vergaberechtliche Hindernisse bei der Beauftragung einer Fachfirma“. Im vergangenen Jahr wurde dann als Termin für den Grabungsbeginn der März 2020 genannt.

Im Zuge des Programms „Schöneres Frankfurt“ ist eine Neugestaltung der Fläche geplant, um dem geschichtsträchtigen Ort ein angemessenes Erscheinungsbild zu geben. In diese Gestaltung sollen bei der Grabung gewonnene Erkenntnisse eingearbeitet werden. Darauf hat unter anderem die AG „Geschichte und Erinnerung“, die jedes Jahr auf dem Ettinghausen-Platz ein Gedenken an das Novemberpogrom organisiert, seit langem hingearbeitet.

Nun sind erst einmal die Archäologen am Zug: Interessierte sollen die Möglichkeit erhalten, an einer geführten Besichtigung der Grabung teilzunehmen. Termine sollen noch bekannt gegeben werden.

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