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Mario Gesiarz ist nicht nur Mundart-Entertainer, er ist auch politisch engagiert. Als Roter.

Höchst

Gesiarz im Widerstand

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Der Mundart-Rezitator berichtet von seiner Familie. Die Schuhmanns waren einfache aber unbeugsame Menschen: Hausfrauen, Arbeiter, Arbeitslose. Neun Geschwister aus Höchst, die sich gegen Hitler stellten.

Mundart-Rezitator Mario Gesiarz berichtet aus dem Widerstand. In seinem Vortrag am Montag beleuchtet er die Geschichte seiner Familie mütterlicherseits, der Schuhmanns. Der Sindlinger Heimat- und Geschichtsverein hat sich das gewünscht. Gesiarz Hinweis, es handele sich um Geschehnisse in Höchst, Unterliederbach und dem spanischen Bürgerkrieg, schreckt die Sindlinger nicht. Ihr Gegenargument: Er, Gesiarz, sei nun mal im ganzen Westen bekannt. Ein guter Erzähler ist er obendrein.

Als in den 60ern bei Renovierungsarbeiten im Haus der Familie versteckte Fotos und Dokumente auftauchen, ist sein Interesse geweckt. Gesiarz recherchiert, verbringt Tage in Archiven. Sein Urgroßvater Karl Friedrich Schuhmann ist 1900 als eines der ersten Mitglieder in die Höchster SPD eingetreten und hat den örtlichen Chemiearbeiterverband mitbegründet. Später trat er in die KPD ein, Ende der 20er war er Leiter des Roten Frontkämpferbundes in Höchst.

Die Schuhmanns legten Wert auf freigeistige Erziehung. Die jüngeren Kinder wurden nicht einmal mehr getauft, die älteren traten in den 20er Jahren aus der Kirche aus. Sohn Karl Schuhmann (also Gesiarz Großvater), geboren 1900 in Höchst, war früh politisch aktiv und blieb es bis zum KPD-Verbot 1956. Seine Erinnerungen an den Kaiser, die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, seine Jahre im Zuchthaus Dietz und im KZ Dachau hat er handschriftlich festgehalten.

Sein Bruder, also Gesiarz Großonkel Friedrich „Fritz“ Schuhmann, Jahrgang 1906, floh 1933 ins Saargebiet, 1936 nach Spanien. Er kämpfte und starb 1937 in Brunete bei Madrid für die demokratische spanische Republik.

Gesiarz Großtanten Hilde und Frieda war es als Frauen nur eingeschränkt möglich, politisch aktiv zu sein. Wes Geistes Kind sie waren zeigt aber die Wahl ihrer Ehemänner. Frieda heiratete Josef Stein, der eineinhalb Jahre wegen Hochverrats im Zuchthaus saß und ins Strafbataillon 999 eingezogen wurde. Er fiel in Russland. Hilde heiratete Richard Scheider, der 1936 wegen Hochverrats zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Dem Strafbataillon 999 entging er nur, weil er schwer erkrankte.

Die Schuhmanns, Vortrag von Mario Gesiarz, beim Sindlinger Heimat- und Geschichtsverein, Montag, 25. März, 19.30 Uhr, Ev. Gemeindehaus, Sindlinger Bahnstraße 44. Der Eintritt ist frei.

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