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Die Bühne im Schatten des historischen Schlosses.

Höchst

Höchster Schlossfest: Philosophisches zum Mittelalter vor historischer Kulisse

Das 63. Höchster Schlossfest widmet sich zwei Vereinen, die Jubiläum feiern. Als ein Highlight gilt das Ritterlager im Burggraben.

Ein Mann duckt sich im Durchgang der unteren Schlossmauer. Auf seinen Schultern sitzt ein kleines Kind. Kaum richtet er sich im Burggraben wieder auf, kräht es laut von oben: „Wo sind die Ritter, Papa?“ Von den Rittern ist zwar noch nichts zu sehen, doch gleich am Eingang sitzt eine Gruppe wilder mittelalterlicher Gesellen, von denen die Hälfte obenrum nichts und untenrum Lederrock mit viel Beinfreiheit trägt. Beim Metbier werden sie schon samstagnachmittags philosophisch. „Der moderne Mensch entfernt sich immer weiter von seinem Ursprung, aber die Zufriedenheit bleibt auf der Strecke,“ brummt einer der Mittelalterfans in seinen geflochtenen weißen Bart. Er stellt sich als Michael, Verwalter der Rüstungskammer, vor.

Auf der Schlossbrücke trifft man auf Kräuterweib Brigitte Meister. Sie trägt weite Gewänder, riecht nach scharfen ätherischen Ölen und ist mit einer Mission hier: „Ich versuche aufzuzeigen, dass viele unserer heutigen Arzneimittel aus traditionellen Pflanzen gewonnen werden,“ erklärt die 56-jährige aus Niedernhausen. Sie weiß, wovon sie spricht, denn im echten Leben arbeitet sie als Krankenschwester.

Ritterlager im Burggraben ist ein Highlight des Höchster Schlossfestes

10. Juli 2019, 19 Uhr, Königsteiner Straße: 4. Höchster „Just White Dinner“. Alle Teilnehmer tragen Weiß und bringen Essen und Getränke mit.

14. Juli 2019, 11 bis 21 Uhr, Brüningpark: Geburtstagswiesn. Jubiläumsfeier der Kolpingfamilie Höchst und des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Frankfurt Höchst mit Gottesdienst, Musik, Trachten und Maßbier.

15. Juli 2019, 22.30 Uhr, Mainufer: Großes Feuerwerk mit anschließendem Orgelkonzert in der Justinuskirche.

Das mittelalterliche Ritterlager im Burggraben ist eines der Highlights des 63. Höchster Schlossfestes, zu dem der Höchster Vereinsring noch bis zum 15. Juli einlädt. Jedes Jahr wählt er ein Motto und einen Kooperationspartner aus. Dieses Jahr sind es sogar zwei, denn der Historische Verein und die Kolpingsfamilie Höchst feiern ihr 125. und 150. Jubiläum. Das Motto lautet deshalb: „Zum Schlossfest gibts glei zwaa Gewinner – Mir feiern unser Gebordsdaachskinner“. Eines der Geburtstagskinder präsentiert sich am Schlossplatz gegenüber der kleinen Bühne, auf der lokale Bands auftreten. Im „Historischen Café“ verkaufen Mitglieder des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in mittelalterlichen Gewändern tagsüber Kaffee und Kuchen, abends Bowle und Deftiges. Daneben gibt es Studien über Höchst, aber auch Fotokalender oder ein Poster mit Höchster Motiven. Die Bilder stammen von Sheina di Gennaro-Bretzler, der Schriftführerin des Vereins. Sie berichtet, dass der Verein zuletzt stark gewachsen sei und lädt alle ein, sich zu beteiligen: „Historisches Fachwissen ist keine Voraussetzung“, versichert sie.

Zwischen Schlossplatz und Justinusplatz präsentiert sich das Altstadtfest international und heimatverbunden. Lokalpatriotinnen können T-Shirts und Turnbeutel in knalligen Farben mit Höchster Motiven kaufen. Der Griechische Elternverein Höchst bietet eiskalten Frappé an. „Mit dem Erlös unterstützen wir die griechische Nachmittagsschule in Griesheim“, erzählt Anna Vakirtzi.

Vor der Justinuskirche sitzen fünf junge Frauen in Ballkleidern mit blasser Haut, Sommersprossen und unterschiedlich rötlichem Haar. „Wir alle haben irische Wurzeln und eine Verbindung zu Deutschland,“ erklärt Deana Kennedy, die in Deutschland geboren, aber in Irland aufgewachsen ist. Zum zweiten Mal wird auf dem Schlossfest die „German Rose“ gewählt. Die Gewinnerin darf am „Rose of Tralee“-Wettbewerb in Irland teilnehmen. Zu irischer Musik springen, stampfen und drehen sich währenddessen Tänzer der Tanzschule C. Weber. Hier läuft die Musik vom Band. Die Kostüme sind modern gehalten und schlichter als im Burggraben. Doch eines ist sicher: Beim Schlossfest bleibt die Zufriedenheit nicht auf der Strecke.

Mehr Infos  gibt es im Internet unter www.pro-hoechst.de

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