Zum Tag der Druckkunst erläutert Schriftsetzerin Tanja Huckenbeck Besuchern Wissenswertes zur Druckkunst. Foto: Michael Schick
+
Zum Tag der Druckkunst erläutert Schriftsetzerin Tanja Huckenbeck Besuchern Wissenswertes zur Druckkunst. 

Höchst

Frankfurt-Höchst: Ohne Umlaute oder „k“

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
    schließen

Die Druckerei „Höchstschön“ gibt zum Tag der Druckkunst Einblick in ein altes Handwerk. Besucher dürfen selbst an die manuellen Pressen.

Mit einem schmatzenden Geräusch drückt sich die rote Farbe vom „Teller“ der Walze auf die Postkarte. Beim bundesweiten „Tag der Druckkunst“ demonstriert Tanja Huckenbeck am Sonntagnachmittag Besuchern in ihrer kleinen Druckerei „Höchstschön“, wie früher Buchstaben und Bilder auf Papier gedruckt wurden.

Als letzten Arbeitsschritt zieht sie den großen Hebel des „Boston Tiegels“, so der Name der handbetriebenen Druckpresse, nach unten. Doch davor stehen viele, aufwendige Arbeitsschritte, ehe ein Ergebnis auf dem blanken Papier zu sehen ist. Vor allem das Setzen der Buchstaben in die „Schließrahmen“ samt „Füllmaterial“ sowie die Positionierung des Papiers in der Presse erfordert viel Geduld und könne, je nach Aufwand, bis zu mehreren Stunden dauern, sagt Huckenbeck.

Sie hat dieses Handwerk der Schriftsetzerin gelernt. „Wir waren in Gießen vor 25 Jahren der letzte Jahrgang“ sagt sie. „So etwas kennen Kinder heute gar nicht mehr“, ergänzt die 44-Jährige. Beim Tag der Druckkunst, aber auch sonst, möchte sie ein „570 Jahre altes Handwerk weiter vermitteln, damit diese Technik nicht verloren geht“. Der Aktionstag, den der „Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler“ zum zweiten Mal organisiert, steht dieses Mal im Zeichen der Unesco, die „künstlerische Drucktechniken“ vor zwei Jahren in ihr „immaterielles Kulturerbe“ aufgenommen hat.

Jede Bleiletter muss einzeln gesetzt werden. 

Bereits seit sechs Jahren betreibt Huckenbeck gemeinsam mit ihrem Kollegen Marcus Bronszkowski die Werkstatt in der Leunastraße. Betritt man die Manufaktur, erinnern vor allem die in hellem Holz gehaltenen Setzschränke mit den Schubladen für die schweren, bleiernen Buchstaben und Zeichen, aber eben auch die Druckpressen selbst an vergangene Tage. Auf Ebay, nach Auflösungen von Druckereien und aus dem Ausland hätten sie sich ihre Druckmaschinen zusammen gekauft, die immer teurer, weil seltener, werden. „Kleine Pressen sind im Wert enorm gestiegen“, sagt Huckenbeck. Der Boston-Tiegel koste heute etwa 1500 Euro. Daneben haben sie sich im Laufe der Jahre zahlreiche bleierne Buchstaben- und Zeichen-Sätze zusammen gesammelt, unter anderem aus Italien: „Ohne Umlaute und k“, berichtet Huckenbeck. „Spannend“, findet die Werkstatt Besucher Marcus Keidel aus Höchst. „Ein bisschen wie aus der Zeit gefallen“, sagt der 50-Jährige.

Mit fünf manuellen Pressen bedrucken Bronszkowski und Huckenbeck meist Post- oder Visitenkarten, Poster, Tischaufsteller oder auch mal Geburtstagsanzeigen. In Kursen vermittelt das Duo die Druckkunst aber auch an Teilnehmer, die sich dann selbst ausprobieren können. „Wie schwer sich die Walze runter drücken lässt“, berichtet Besucherin Ramona Busch aus Sindlingen, die sich auch mal an die Maschine gewagt hat. „Was für ein Arbeitsaufwand: Darüber macht man sich keine Gedanken, wenn man am Computer schreibt und einfach ausdruckt“, fügt die 64-Jährige hinzu.

Und damit ist die Arbeit nicht getan. „Speichern und schließen“, das ginge in der Druckwerkstatt nicht, sagt Huckenbeck. Nach dem Drucken muss die Presse von der Farbe befreit und alle bleiernen Zeichen, Stück für Stück aus dem Schließrahmen wieder in die einzelnen Fächer der Setzkästen und Schubladen befördert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare