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Kulturdezernentin Ina Hartwig enthüllt die Gedenktafel zu Ehren Lore Wolfs.

Gedenken

Frankfurt-Höchst: Ein Leben für den Widerstand

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Die Senioreninitiative Höchst gedenkt der Autorin und Widerstandskämpferin Eleonore Wolf. Mitglieder der Initiative ehren sie als mutige Frau.

Zwei Bücher, mit Lesezeichen versehen, liegen auf dem Tisch: „Ein Leben ist viel zu wenig“ und „Ich hab das Leben lieb. Tagebuchblätter aus dem Zuchthaus Ziegenhain“.

Die Autorin: Eleonore Wolf, besser bekannt unter ihrem Spitznamen „Lore“, geboren 1900, verstorben 1996. Zum 120. Geburtstag der Widerstandskämpferin, die in Höchst aufgewachsen ist und zwei Weltkriege überlebte, hat die Höchster Senioreninitiative am Mittwochnachmittag in ihre Räume in der Gebeschussstraße eingeladen.

„Eigentlich müssten wir mit einem Glas Sekt auf sie anstoßen, zu Ehren einer mutigen Frau“, sagt Waltraud Beck den 35 Besuchern. „Wir heben das Glas in Gedanken.“ Mit der Senioreninitiative hat Beck ein umfangreiches Programm für den Nachmittag zusammengestellt, das später mit der Enthüllung einer Gedenktafel durch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) enden soll. Die Tafel mit einem Bild von Lore Wolf wird am Haus in der Gerlachstraße 24 an die kommunistische Politikerin und Verfolgte des Naziregimes erinnern. Finanziert haben die Tafel laut Beck die Stadt und der Ortsbeirat 6.

Vater verunglückt

Davor erzählt Beck, die auch Mitglied der Höchster „AG Geschichte und Erinnerung“ ist, vom bewegten Leben Wolfs und spielt Interviews vor, die sie vor deren Tod aufgezeichnet hat. Unterstützt wird sie von Claudia Berrang, Mitglied der Senioreninitiative, die aus „Ein Leben ist viel zu wenig“ vorliest: „Im Alter von sechs Jahren kamen wir mit Sack und Pack nach Höchst…“, der Vater hatte Arbeit in den Chemiewerken gefunden. „Er verunglückte dort und blieb lebenslang Invalide“, berichtet Beck. Die Mutter versuchte vergeblich Unfallrente einzuklagen, sodass die fünfköpfige Familie kaum über die Runden kam. Deshalb verkaufte sie vor der Fabrik Schokolade, Milch und Limonade. „Die Kinder mussten den schweren Wagen schieben und danach zur Schule rennen“, sagt Beck. „Trotz allem sprach Lore Wolf von einer glücklichen Kindheit.“

Nach der Schulzeit erlernte Wolf den Beruf der Stenotypistin und trat in die Gewerkschaft ein. Mitglied bei den Naturfreunden und in der Sozialistischen Arbeiterjugend, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte, war sie schon länger. „In den Revolutionstagen um 1918 und während des Kapp-Putsches 1923 war sie auf der Straße und demonstrierte.“

Für die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) tippte sie Aufrufe und Flugblätter und sammelte Geld. Kurz danach wurde sie Mitglied der „Roten Hilfe“, stieg schnell auf: „Als einzige Frau wurde sie in die Bezirksleitung gewählt, das zeigt, was für eine starke Frau sie war“, sagt Beck. Als ihr Mann, mit dem sie eine Tochter hatte, von den Nazis inhaftiert wurde, floh Wolf zunächst ins Saarland und später nach Paris. Dort traf sie die Mainzer Schriftstellerin Anna Seghers, für die sie das Manuskript des Romans „Das siebte Kreuz“ aufschrieb.

„Eine lebenslange Freundschaft verband die Frauen“, sagt Beck. Mehrmals wurde Wolf inhaftiert, unter anderem saß sie auch im Zuchthaus im nordhessischen Ziegenhain.

Beck wünscht sich eine Biografie über die Widerstandskämpferin. „Es wäre es wert, die Geschichte dieser Frau in ihrer Gesamtheit aufzuschreiben“, sagt sie. In der Tat gäbe es noch so viel mehr über Eleonore Wolf zu berichten, die 1991 die Johanna-Kirchner-Medaille erhalten hat. Mit der etwas älteren Johanna war sie seit ihrer Kindheit befreundet gewesen.

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