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Jukuz-Leiter Hans-Georg Ulmer (schwarzes Hemd, weißer Bart) im Kreise seine Jugendlichen.

Höchst

Kathedrale der Jugendarbeit

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Im riesigen Jukuz auf dem alten Schlachthofgelände an der Palleskestraße dürfen Jugendliche seit 40 Jahren mitbestimmen. 

Herzstück ist die Halle. Das Jugend- und Kulturzentrum (Jukuz) an der Palleskestraße 2 hat viele wichtige Räume. Aber die Halle ist einmalig. Fast schon eine Kathedrale der Jugendarbeit. 400 Quadratmeter verteilen sich auf verschiedenen Ebenen. Es gibt eine Galerie, eine Bar, mit Küche im Raum dahinter. Früher gab es regelmäßig Konzerte, heute eher Tanzwettbewerbe und Rap-Vorträge. Die Höchster können den Saal für Feiern anmieten.

Von dem aus gehen Türen in alle Richtungen ab, dahinter verbergen sich Werkstätten, das Bistro, Musikräume. Insgesamt stehen 1500 Quadratmeter innen und 2000 außen zur Verfügung. Etwas unübersichtlich wirkt das auf Erstbesucher, doch für die Jugendlichen und die Höchster ist es ein Treff, ein Zentrum.

„Heute würde niemand mehr ein so großes Jukuz bauen“, sagt Leiter Hans-Georg Ulmer. Er klingt dabei ebenso stolz wie verlegen. Ulmer führt den Besuch ins gemütliche Bistro – ein Raum, der bei einem gewöhnlichen Juz ein ganzes Juz wäre. Auf einem großen Tisch breitet der Pädagoge Kladden, CDs, Plakate, unzählige Hefte aus. Etwa ein Jungs-Kochbuch. Darin zu finden, typisch Mann, Gerichte, die schnell gehen, falls der Heißhunger zubeißt. Aber auch: „Leckeres Essen für den guten Eindruck.“

Erinnerung an aufregende Zeiten

In den vergangenen 40 Jahren hat sich viel angesammelt. Eröffnet hat die Einrichtung am 2. Februar 1979. Anfang der 70er ist einiges in Bewegung, erinnert sich Ulmer. In Höchst finden sich junge Leute in einer Initiative zusammen. Sie fordern einen Treff. „Ganz unterschiedliche Akteure“, sagt Ulmer. Manche politisch motiviert, andere aus der Kirche. Aber einig in ihrem Wunsch. Die Stadt hat das aufgegriffen und auf dem alten Schlachthofgelände das Jukuz geplant, als offenes Haus der Jugend und der Kultur, als Stadtteilzentrum.

Das Jugendamt übernimmt die Trägerschaft. Und Leiter Herbert Faller setzt gleich auf Mitbestimmung. „Er hat die Initiative sehr ernst genommen“, sagt Ulmer. Die Jugendlichen sollten sich einbringen, die Einrichtung erhielt sogar einen Jugendbeirat.

Ulmer erinnert sich gerne an die „aufregenden Zeiten“, die er zum Teil ganz nah miterlebt. Die Kleinstadt Rodalben in der Pfalz war dem jungen Ulmer zu eng, er wollte raus, Ideen umsetzen, mitgestalten. Ulmer studiert in Mainz Sozialarbeit. In Höchst leistet er sein Anerkennungsjahr ab. Die Großstadt fasziniert ihn sofort. Nach dem Studium arbeitet er kurz in Rodalben, schon bald zieht es ihn aber wieder nach Frankfurt. Über Umwege kehrt er 1989 ins Jukuz zurück, seit 2002 ist er dort Leiter. Und er wird, heute 63, auch im Ruhestand der Großstadt treu bleiben.

Jungen und Mädchen aus rund 25 Nationen besuchen das Jukuz. Ein Fest für den Pädagogen. „So viele unterschiedliche Menschen, so viele Sichtweisen.“ Auch Probleme, gar Krisen. „Es ist jeden Tag eine neue Aufgabe.“ Dabei hat sich am eigentlichen Auftrag in 40 Jahren nichts geändert. Es geht darum, die jungen Leute zu stärken, ihnen Selbstvertrauen zu geben, Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Gut besucht: Tanz-Wettbewerb in der Halle des Höchster Jukuz.

Ob sie nun im Tonstudio an Texten feilen, Stücke komponieren, sich mit ihrem Leben und Umfeld auseinandersetzen, oder in der Kreativwerkstatt aus Glas Schmuck herstellen.

„Alles ist Medium für die eigentlich Arbeit“, sagt Ulmer und grinst. Die Besucher sollen Ideen einbringen, mitbestimmen, Einfluss auf Dinge nehmen, eigenständig Wege finden. Die Betreuer führen die junge Leute an Dinge heran, für die sie Geduld benötigen, Ausdauer, Frustrationstoleranz. „Es ist interessant, was die Kinder alles für Fertigkeiten an sich entdecken“, sagt Ulmer.

Wichtig ist dem Leiter auch das Konzept des offenen Treffs: Da können die Besucher für sich sein, aber auch Leute treffen, Kontakte knüpfen. Und die Pädagogen können die Jugendlichen kennen lernen, Vertrauen aufbauen. Um so gezielt fördern oder beraten zu können. Fünfeinhalb Planstellen ermöglichen, dass gleichzeitig zum offenen Treff auch andere Angebote machen. Dazu kommen noch die vielen Projekte, die andere im Gebäude anbieten. 17 verschiedene Gruppen nutzen das Jukuz, Tamilen üben dort eigene Tänze, es gibt muttersprachlichen Unterricht. Türkischstämmige Jugendliche lernen die Saz zu zupfen.

2007 bis 2015 hat die Stadt das Haus nach und nach saniert. „Das war ein gutes Zeichen, dass es hier weitergehen soll“, sagt Ulmer. „Begegnung ist wichtig“, findet Ulmer, nur so sei Integration möglich. „Wenn Menschen sich kennen lernen, bauen sie eine Beziehung auf.“

Das Jugend- und Kulturzentrum an der Palleskestraße 2 (Eingang über Billtalstraße) steht jungen Leuten von 12 bis 21 Jahren offen. Angebote gibt es viele, die wichtigsten sind die offenen Treffs „Jugendcafé / Bistro“, Di. und Do., 16.30–21.30 Uhr und „Sport- und Spielhalle“, Mittwoch 16– 21.30 Uhr, Freitag 16–20 Uhr. www.jukuz-hoechst.junetz.de

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