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In der Hostatostraße ist Durchhalten angesagt.
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In der Hostatostraße ist Durchhalten angesagt.

Einkaufen im Stadtteil

Frankfurt-Höchst: Inhabergeführte Läden werden immer weniger

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Neben Corona macht vor allem der Onlinehandel den Geschäftsleuten in Frankfurt-Höchst zu schaffen. Der Nachwuchs traut sich die Selbständigkeit immer seltener zu.

Thomas Meder ist auf dem Sprung. Er will nach Höchst, zum Einkaufen. Der Vorsitzende der Initiative Pro Höchst wohnt zwar im Vordertaunus. Aber zum Regionalzentrum des Frankfurter Westens zieht es ihn dennoch etwa zweimal die Woche. Dann geht er gerne auf den Markt, dienstags, freitags und samstags bieten dort Stände Waren an.

Höchst kann auch mit inhabergeführten Fachgeschäften punkten. In der Fußgängerzone der Königsteiner verkauft der legendäre Metzger Haxen-Reichert. An der Dalbergstraße floriert der Matchball – Frankfurts einziges Fachgeschäft für Feldhockey. An der Hostatostraße finden sich besonders viele solcher Läden. Direkt am Kreisel der Juwelier Bauer mit seinem charakteristischen Glockenspiel an der Fassade. Weiter Richtung Westen das Blumenhaus Wesemeyer, der Bücher Bärsch (Ecke Albanusstraße), das Gaudium est – Laden für Angeln, Whiskey und Zigarren.

Zu Gudrun Spieskes Bastelkiste an der Ecke Justinuskirchstraße reisen Kunden, meist eher Kundinnen, auch aus Limburg, Hanau und dem Taunus an. Spieske hat wegen Lockdown geschlossen, verkauft aber auf Bestellung. Der Andrang hält sich in Grenzen. „Vielleicht zieht es zum Ostergeschäft noch mal an“, hofft sie.

Corona ist nur eines der Feinde des Einzelhandels vor Ort. Viel mehr setzt das Internet den Fachgeschäften zu. Spieske weiß das, sie nimmt sehr viele Pakete an für die Hausgemeinschaft, erzählt sie und zwinkert. Die Pandemie hat den Versandhandel befeuert. „Es haben mehr Menschen gelernt, mit dem Internet umzugehen.“ Die Beratung, ja die ist vor Ort besser, sagt Spieske. „Wir zeigen viel, erklären, was dieses oder jenes Material auszeichnet. So etwas muss man auch mal in der Hand halten.“ Manche Menschen kommen bloß auf ein Schwätzchen herein. „Die kaufen eine Rolle Krepppapier, bleiben aber eine halbe Stunde“, sagt Spieske und lacht. Dann schiebt sie ernster nach: „Weil sie wahrscheinlich sonst niemanden mehr haben.“

Gudrun Spieske von der Bastelkiste legt Wert auf direkte Beratung.

Spieske hat allerdings ein zweites Standbein, sonst könnte sie sich ihr Geschäft nicht leisten. Seit elf Jahren führt sie die Bastelkiste, zehn davon hat sie nebenher gearbeitet, seit einem Jahr ist sie in Rente. Bald werde sie 66, fünf oder sechs Jahre möchte sie die Kiste noch erhalten. „Es wird keinen Nachfolger geben.“ Ihre Tochter helfe samstags aus, aber „sie hat einen super Job bei der Bank. Da wäre sie schön blöd“, wenn sie den kündigen würde. „Wer will sich denn heute noch ein Ladengeschäft ans Bein binden“, fragt Spieske genervt. Das fragt sich auch Thomas Meder von Pro Höchst. Gerade junge Menschen täten sich aktuell schwer mit dem Sprung in die Selbständigkeit. Man müsse die Miete reinarbeiten. Die ganzen Versicherungen, die Rentenvorsorge. Eine psychische Belastung.

„An der Königsteiner und der Hostatostraße geht es sogar noch mit dem Leerstand“, findet Meder. Andere Straßen, etwa die Bolongaro, stünden schlechter da. Dabei sei Höchst auf einem guten Weg gewesen. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer, auch junge, hätten in den Startlöchern gestanden, Ladenflächen zu übernehmen. Das Stadtteilbüro, das das städtische Förderprogramm für die Höchster Innenstadt umsetzt, hätte sie unterstützt. Ähnlich wie beim Designparcour, bei dem Kreative für ein Wochenende leerstehende Ladenflächen beleben und so Menschen in den Stadtteil locken.

Hostatostraße

Die 550 Meter lange Hostatostraße führt einspurig vom Dalbergkreisel nach Westen. Zwischen Kreisel und Antoniterstraße finden sich inhabergeführte Fachgeschäfte. Es werden aber immer weniger. 2017 schloss Musik Effertz, 2018 Bettenhaus Rühl (2018).

Für den Namen stand Hostato Pate. Der ist der Sage nach 778 von einer verlorenen Schlacht aus dem Baskenland an den Main geeilt, wo Karl der Große lagerte, um die Kunde zu überbringen. Der Frankenkönig soll den tapferen Knappen darauf zum Ritter geschlagen und zum Vogt von Höchst ernannt haben.

Die Initiative Pro Höchst kümmert sich um Image-Fragen. Die Stadt finanziert ein Quartiersmanagement der Nassauischen Heimstätte, das Stadtteilbüro, Telefon 069-21 24 08 02. sky
www.pro-hoechst.de
www.facebook.com/innenstadthoechst

Und dann kam Corona. „Da kann ich keinen Laden aufmachen, der auf Besucher angewiesen ist“, sagt Meder. Geschweige denn, ein Fest feiern, das Leute mobilisiert. „Aber Corona geht irgendwann vorbei“, sagt Meder. Den eingeschlagenen Weg hält er für richtig. Mehr Laufkundschaft nach Höchst zu holen. Nun hofft er, dass die Geschäftsleute noch ein Weilchen durchhalten.

Auch Jürgen Schmitt vom Stadtteilbüro hofft auf das Durchhaltevermögen. Im Grunde sei Höchst strukturell gesehen gut für kleine Geschäfte. Stationärer Einzelhandel benötige hybride Orte als Umgebung. Also Kultur, Gastronomie, attraktive öffentliche Räume. Menschen, die im Quartier wohnen und arbeiten. Das alles bietet der Stadtteil.

Der Höchster Wochenmarkt zieht Menschen in den Stadtteil.

Jürgen Schmitt setzt zusätzlich Hoffnung in die Sanierung des Bolongaropalasts. Die könnte 2023 abgeschlossen sein. Entstehen soll ein Ort mit überregionaler Strahlkraft, mit Theater, Museum, Kino. Zumindest für die Bolongarostraße könnte das Impulse setzen, sagt Schmitt. Wer ins Theater oder Museum geht, bummelt danach oder davor womöglich ein bisschen entlang der Schaufenster. Oder kehrt ein.

Das Förderprogramm für die Höchster Innenstadt läuft noch drei Jahre. So lange können Hauseigentümer:innen und Ladenpächter:innen Beratung und Förderung in Anspruch nehmen. Für einige Fassaden und Ladenflächen hat das Programm bereits gewirkt. Etwa an der Albanusstraße 34, ehemals Bettenhaus Rühl. Im hinteren Teil ist eine Reinigung eingezogen, Fassade und Innenräume haben die Hauseigentümer:innen herrichten lassen.

Natürlich bremse Corona die Entwicklung aus, bedauert Schmitt. Die Förderung ist anteilig. Hauseigentümer:innen oder Pächter:innen müssen ebenfalls investieren. „Die meisten halten im Moment die Füße still.“

Susanne Krämer von Tabak & Presse Krämer findet: „Wichtig ist, dass wir gesund sind und an einem Strang ziehen.“ In ihrem Kiosk betreibt sie die Touristen-Information. Die sind aber rar, dieser Tage. Wegen Corona.

Sonst zieht es durchaus Auswärtige nach Höchst, immerhin Teil der Deutschen Fachwerkstraße. Die Justinuskirche ist das älteste noch erhaltene Gebäude Frankfurts und eine der ältesten Kirchen Deutschlands. Krämer wünscht sich die „Normalität“ zurück, damit die Menschen besser gelaunt sind. Dann kämen auch die Umsätze wieder, hofft sie.

„Wichtig ist, dass wir gesund sind“, sagt Susanne Krämer von Tabak-Presse Krämer in der Antoniterstraße.

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