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Auch dem Headbanging haben sich einige Besucher – hier beim Auftritt der Band „Crossroads Five“ – gewidmet.

Höchst

Bands zeigen beim  „Leuna-Bunker-Open-Air“ in Höchst ihr Können

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14 Bands, die sonst im Leuna-Bunker proben, zeigen beim Festival, was sie das ganze Jahr über so geübt haben.

Einmal im Jahr bauen sie ihre Schlagzeuge und Verstärker, Bässe, Gitarren und Mikrofone vor dem Bunker auf. Dann ist beim „Leuna-Bunker-Open-Air“ der Betonklotz, in dem rund 80 Bands regelmäßig proben, nur Kulisse und Besucher sowie Passanten kriegen zu hören, was einige der Musiker das Jahr über hinter verschlossenen Türen geübt haben. Zum 33. Mal hat das Musikfest, das der Verein „Kulturbunker Höchst“ veranstaltet, am Samstag stattgefunden. Insgesamt sechs Bands sind aufgetreten.

Am frühen Samstagabend zeigen „Crossroads Five“ ihr Können. Das Quintett präsentiert Cover, etwa „Rollin‘ on a River“ von Creedence Clearwater Revival, oder „Brown Sugar“ und „Jumping Jack Flash“ der Rolling Stones. Die Abendsonne steht schon tief. Vor der Bühne tanzt ein kleines Grüppchen. Die meisten aber sitzen bei Bier und Äppler, Currywurst oder Handkäs unter Pavillons und unterhalten sich. Einige haben sich Klappstühle aufgestellt oder Picknickdecken ausgebreitet. Rund 200 Besucher sind zu sehen.

In diesem Ambiente fand das Festival statt. 

Bernd Gimmler ist aus Offenbach angereist und wippt mit einem Bein im Takt der Musik. Vor rund zwei Jahrzehnten habe der Hobby-Musiker selbst in dem ehemaligen Bunker geprobt, berichtet er. Heute habe es der 55-Jährige aber erstmals zu dem Fest geschafft, davor sei er meist im Urlaub gewesen. Er will sich die Rock- und Pop-Bands „Smelz“ und „Falb“ anschauen, die später noch auftreten. „Ich bin nicht so der Coverband-Freak“, sagt er. „Klein und handlich“ findet er das Open Air, „gefällt mir.“

Auch Sabine Bussalb ist zum ersten Mal da. Die Babenhäuserin sagt: „Das Festival ist an einer lustigen Stelle, direkt an der Straße“. Am Bunker treffen Leuna- und Höchster Farbenstraße auf mehreren Spuren zusammen. Nachdem sie von dem Festival erfahren hätte, habe sie sich etwas Größeres vorgestellt, berichtet die 51-Jährige. Doch die kleine Größe gefalle ihr. „Ich finde es süß“, sagt sie: „Unkonventionell, und der Äppler ist günstig“. Es herrsche fast eine Atmosphäre wie im Proberaum, findet die professionelle Opernsängerin, die auch privat in einer Band musiziert.

Auch die Band „Smeltz“ war zu Gast in Höchst. 

Für Tommy Rink vom Kulturbunker-Verein, der das Fest seit der ersten Auflage im Jahr 1986 mitveranstaltet, ist vor allem eines wichtig: „Die Bunker-Bands dürfen auftreten“. Rund 14 Jahre hätten sie dafür kämpfen müssen, dass die Stadt den ehemaligen Luftschutzbunker für Mitarbeiter der damaligen IG Farben aus dem Zweiten Weltkrieg kauft, um die Räume günstig an die Musiker zu vermieten. „Wo soll man sonst Schlagzeug spielen?“, fragt Rink.

Mit seiner Jamming-Band „Session“ hatte der Schlagzeuger neben „Timeless“ und „Goodoldboys“ bereits am Nachmittag einen Gig. „Reine Impro, der Anfang ergibt sich, genau so wie der Schluss“, so beschreibt der 63-Jährige das musikalische Konzept seiner Gruppe.

Ähnlich habe sich auch das Fest entwickelt. Viele der Helfer fänden sich teils spontan, etwa beim Auf- und Abbau der Bühne mit Dach, die vor zwei Jahrzehnten das erste Mal genutzt worden war. Den Schluss, nach Ende des Festes um 23 Uhr, hat Rink dann jedoch schon im Kopf: „Wenn alles abgebaut ist, gehen wir rein und machen nochmal richtig Musik“, ruft er und verschwindet in der Menge.

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