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Training vor der Kulisse der Höchster Altstadt. Diese Aufnahme entstand im Jahre 1972 – der Hafen war noch in Betrieb.
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Training vor der Kulisse der Höchster Altstadt. Diese Aufnahme entstand im Jahre 1972 – der Hafen war noch in Betrieb.

Höchst

Die Höchster Wikinger bleiben schlagkräftig

  • VonMichael Forst
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Der Kanuclub feiert sein 100-jähriges Bestehen. Dabei blickt er auf eine bewegte Geschichte zurück - und schaut optimistisch in die Zukunft.

Mit knapp 30 paddelbegeisterten Männern fing es am 24. August 1921 an. Sie gründeten den Kanuclub „Wiking“, paddelten in selbst gebauten Booten auf dem Main und wählten als erste Bootsunterkunft die im 15. Jahrhundert errichtete Mainmühle, die in der Form des 17. Jahrhunderts heute noch als eines der malerischsten Bauwerke des alten Höchst erhalten ist. Gestern nun begingen die „Wikinger“ ihren 100. Geburtstag, wegen Corona zwar etwas stiller – aber nicht weniger stolz auf das runde Jubiläum.

Richtig bekannt, so fand der 1. Vorsitzende Karl-Heinz Köhler beim Blick in die Vereinsgeschichte heraus, machte den Verein eine Lampion-Fahrt kurz nach der Gründung. Die Mitgliederzahl stieg auf 40, und wegen der Inflation wurde der Monatsbeitrag auf den Gegenwert von drei Brötchen festgelegt. Da es Schlag auf Schlag voranging, errichteten die Wassersportler bald ein neues Bootshaus auf dem südlichen Mainufer, in unmittelbarer Nähe der Anlegestelle der Fähre. Anno 1929 konnte das Gebäude an der damals noch stehenden Tilly-Linde eingeweiht werden.

Inzwischen war die Schar der außer dem Boots- auch den Skisport treibenden Mitglieder so groß geworden, dass der Vorstand eine Skiabteilung gründete und den Verein in „Kanu- und Ski-Club Wiking“ umbenannte. Bald forderte aber in den dreißiger Jahren die Herrschaft der braunen Machthaber ihren Tribut: Die Nazis schalteten den Kanuclub mit allen Höchster Vereinen gleich. 1941 waren nur noch zwölf Aktive in der Heimat – alle anderen waren zum Kriegsdienst eingezogen worden. 1945 löste dann die US-amerikanische Besatzungsmacht alle Höchster Vereine auf – woraufhin sich die Sportgemeinschaft (SG) Höchst mit vielen Unterabteilungen gründete, die auch den Kanuten ein neues Zuhause bot.

1947 hatte der Verein jedoch schon wieder 87 Mitglieder. Der wieder erstarkende Club trat aus der Sportgemeinschaft aus, um unter dem neuen Namen Höchster Kanuclub Wiking 1921 e.V. erneut ein selbstständiges Vereinsleben zu führen. Als Leistungssport wurde der Kanu-Slalomsport eingeführt, in dem die Rennmannschaft des „Wiking“ bald auf allen nationalen und internationalen Slalom-Regatten erfolgreich war. So holte Werner Vogler 1959 die Deutsche Vizemeisterschaft nach Höchst, und Frank Saroch wurde Vierter. Bei der Slalom-Weltmeisterschaft im gleichen Jahr errang Werner Vogler den dritten Platz. 1961 holten die Höchster gar die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und blieben bis in die Mitte der 1960er hinein einer der führenden Vereine im Slalomsport in Deutschland.

Das sportliche Spektrum verschob sich danach mehr auf das Kanuwandern und Wildwasserfahren. Werner Moreth, Bernd Kirstein und Klaus Köhler gelangen in den 80er-Jahren in Chile und Argentinien auf gefährlichen Wildwasser-Flüssen spektakuläre Befahrungen. Die Skiabteilung war weiterhin sehr aktiv im Langlauf, im Alpinsport und bei Ski-Hochtouren.

In den Jahren 1992 bis 1996 mischten die Kanuten und Kanutinnen stärker bei Slalomveranstaltungen mit. Und das erfolgreich: Michaela Spitz errang die Hessenmeisterschaft bei den Damen im Kajak-Einer. Im Jahr 1996 wurde dann das Bootshaus stark umgebaut, die Lagerhalle für Boote vergrößert, der Aufenthaltsbereich neu errichtet. Die Arbeiten – typisch für die „Wikinger“ – erfolgten größtenteils in Eigenleistung der Mitglieder.

Seit 2017 engagiert sich der Verein mit Kanu-Einsteigerkursen noch mehr im Breitensport. Dieses Angebot wird nach Worten Köhlers „sehr gut angenommen“. Seit dieser Zeit hat der Höchster Kanuclub wieder einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Auch die neue Wasser-Trendsportart Stand-Up-Paddling (SUP) wird inzwischen angeboten.

Seit 2019 nutzt der Höchster Kanuclub das Bootshaus an der Tilly-Linde nicht mehr alleine. Die Kanu-Abteilung des Eisenbahner Sportclubs Blau-Gold Frankfurt (ESV) hatte wegen des Neubaus von Wohnungen in Frankfurt ihr Bootshaus verloren. Für den Höchster Kanuclub war es selbstverständlich, den Sportskameraden sein Bootshaus zur Mitnutzung anzubieten.

Beide Vereine trainieren jetzt zusammen und fahren auch gemeinsam aus – ein Gewinn für beide Seiten, wie Köhler betont: „Denn durch die Zusammenarbeit hat sich das sportliche Angebot für die Mitglieder verbessert.“ Und auch die Mitgliederzahlen stiegen weiter – was eine weitere Baumaßnahme am Bootshaus an der Tilly-Linde notwendig machte: 2021, im Jahr des großen Jubiläums also, konnte eine neue Bootslagerhalle für 60 Boote in Betrieb genommen werden.

Die Corona-Pandemie, räumt der Vorsitzende Karl-Heinz Köhler ein, hat natürlich auch das Vereinsleben der „Wikinger“ eingeschränkt: Sommerfest, Weihnachtsfeier und auch die 100-Jahr-Feier fielen ihr zum Opfer. Auch das Schlossfest, auf dem die „Wikinger“ immer unter der großen Eiche auf dem Schlossplatz stehen, musste abgesagt werden. Immerhin aber konnte – mit gewissen Einschränkungen – der sportliche Betrieb weitergehen. Köhler erklärt; „Die Ansteckungsgefahr ist auf dem Wasser durch die großen Abstände der Sportler zueinander nur gering“. Für die Nutzung des Bootshauses wurde zudem nach seinen Worten ein Hygienekonzept entwickelt, das sich bisher bewährt habe.

Erfreulich für den Verein ist das gewachsene Interesse an der Freiluftsportart Kanufahren. Vor allem in den beiden Pandemiejahren ist die Nachfrage von neuen Interessenten gewachsen. Zurzeit sind wieder mehr als 130 Mitglieder im Verein. Sprich: Die „Wikinger“ vom Main bleiben auch mit 100 Jahren rüstig und schlagkräftig.

Mehr Infos zum Verein sowie zu seinen Angeboten gibt es im Internet unter www.hkcw.de

Nach dem Krieg fanden die Wikinger schnell Zulauf: Gruppenfoto anno 1954 beim Anpaddeln.
Der Vorstand heute: Lukas Schwab, Katrin Mauz, Karl-Heinz Köhler, Tonio Stromberger, Sigfried Ambros und Veith Nelle (v.l.).

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