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Ortsvorsteherin Susanne Serke vor dem Schloss in Höchst.
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Ortsvorsteherin Susanne Serke vor dem Schloss in Höchst.

Das Jahr im Ortsbeirat 6

„Der Industriepark ist identitätsstiftend“

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Ortsvorsteherin Susanne Serke spricht im Interview über einen Mangel an Kommunikation seitens der Stadt, Stromausfälle und das große Müllproblem im Frankfurter Westen.

Frau Serke, der Bolongaropalast ist immer noch eine Baustelle. Eigentlich hätte der Ortsbeirat 2021 wieder dort tagen sollen. Wird der irgendwann fertig?

2023 soll angeblich das Porzellanmuseum umziehen, das geht nur, wenn der Bolongaropalast bis dahin eröffnet ist. Unter der Hand spricht man aber schon von Frühjahr 2024. Das ist ein ärgerliches Thema. Nicht, weil wir nicht Verständnis dafür hätten, dass es bei einem solchen Bauwerk zu Verzögerungen kommen könnte.

Warum ist es dann ärgerlich?

Weil wir als Ortsbeirat nach wie vor vom Oberbürgermeister, der Dezernent für die westlichen Stadtteile ist, nicht vernünftig informiert werden. Wir haben mehrfach nachgefragt, vor allem, was die Kostenentwicklung angeht. Das ist lange unbeantwortet geblieben. Ende des Jahres kam heraus, dass die Kosten auf 50 Millionen Euro steigen werden. Das sind fast zwölf Millionen mehr als geplant. Und dann mussten die Stadtverordneten in einer Hauruck-Aktion noch vor den Ferien den finanziellen Mehraufwand bewilligen. Die Unterlagen kamen drei Tage vor der Sitzung. Den Ortsbeirat hat die Stadt dazu gar nicht gehört.

Das ist doch eigentlich Pflicht.

Ich empfinde das als absolute Frechheit. Der Magistrat hält Informationen über Monate zurück und dann muss man Knall auf Fall entscheiden. Angeblich habe ein Baustopp gedroht, das macht mich fassungslos. Es ist ja kein neues Thema. Ich habe dann im Haupt- und Finanzausschuss Fragen gestellt, habe aber keine vernünftigen Antworten erhalten, woher das Geld kommen soll.

Woher könnte es denn kommen?

Mehr als sechs Millionen Euro will der Magistrat aus dem Programm „Schönes Frankfurt“ und aus dem Schulbetriebsmanagement übertragen. Das bedeutet, da werden andere Dinge nicht umgesetzt. Und bei sechs weiteren Millionen hofft man darauf, dass sie am Ende des Haushaltsjahres übrig bleiben. Dazu kommen noch die Ausgaben für das Porzellanmuseum. Auch da warten wir seit zwei Jahren auf eine Antwort, was mit dem Kronberger Haus passieren soll, dem jetzigen Standort.

Wichtig für den Frankfurter Westen ist auch der Industriepark Höchst. Kürzlich haben Meldungen die Menschen aufgeschreckt, dass Infraserv, die Gesellschaft, die den Standort betreibt, verkauft werden könnte. Wie geht es da weiter?

Zum Industriepark gibt es noch keine bestätigte Information. Der Magistrat versichert, er wolle die Industrie unbedingt stützen und halten. Gleichzeitig wurde bei einem CDU-Antrag dazu in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten die Dringlichkeit nicht anerkannt. Das ist widersprüchlich. Das Thema ist wichtig, rund 22 000 Menschen arbeiten auf dem Areal, bei ihnen ist die Ungewissheit groß. Der Industriepark spült der Stadt viel Gewerbesteuer in die Kassen, er ist auch identitätsstiftend für die Menschen im Westen. Nicht zuletzt ist die Infraserv über ihr Spendenkonzept und kulturelles Sponsoring wichtig für Vereine und Kultur.

Wie steht es denn beim anderen Industriepark in Griesheim? Dort hat der letzte Chemiebetrieb aufgegeben. Eigentlich sollte ein moderner Gewerbepark entstehen.

Auch da haben wir keine Info. Im September hätte es eine Vorstellung im Ortsbeirat geben sollen zur Umwandlung des Parks und wie es mit dem Fritz-Klatte-Quartier weitergeht. Das hat die Stadt eine Woche vorher abgesagt.

Hat denn wenigstens der neue Wertstoffhof in Höchst dazu beigetragen, dass nicht mehr so viel Müll herumliegt?

Es ist ein sehr schöner Wertstoffhof geworden und das Grünflächenamt ist auch noch an der Planung, wie die Anlieferung von Gartenabfällen zu Fuß oder mit dem Rad erfolgen könnte. Aber es gab vorher schon genug Möglichkeiten, seinen Müll ordentlich zu entsorgen. Das ist nach wie vor ein Thema, das wir nicht in den Griff bekommen. In Nied, an der Coventrystraße, gibt es eine symptomatische Stelle. Sobald der Müll weggeräumt ist, steht wenig später wieder was dort. Und dann wächst der Berg und wächst. Er wächst über den Gehweg und schließlich spielen die Kinder darin. Was ist das für ein Zeichen?

Zur Person

Susanne Serke steht seit Mai 2016 dem Ortsbeirat 6 vor. Seit 2011 ist die 42-jährige Sossenheimerin für die CDU im Gremium tätig. Seit der Kommunalwahl 2021 ist sie auch Stadtverordnete.

Der Ortsbezirk 6 ist mit neun Stadtteilen und rund 130 000 Bürgerinnen und Bürgern der bevölkerungsreichste der Stadt. Das Gremium vertritt die Interessen der Menschen aus Goldstein, Griesheim, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim.

Die stärkste Fraktion im Ortsbeirat 6 ist die CDU mit sechs Sitzen, SPD und Grüne folgen mit je vier. Die Linke hält zwei Mandate. FDP und BFF haben einen Sitz, einen weiteren hat ein fraktionsloses Mitglied. Die nächste Sitzung ist am Dienstag, 11. Januar, 17 Uhr, im Volkshaus Sossenheim, Siegener Straße 22, Chlodwig-Poth-Saal.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. sky

Sie wollten doch eine Art Kiezhausmeister initiieren?

Das haben wir vergangenen Januar angeregt. Das Projekt haben wir in Berlin entdeckt, dort läuft es anscheinend gut. Da gibt es einen Ansprechpartner vor Ort, der sich kümmert, der die Leute auch gezielt mitnehmen kann, der vielleicht einen besseren Draht hat zu den Menschen als offizielle Stellen. Der kennt seine Pappenheimer, weiß, wo eine Ermahnung hilft. Leider haben wir noch keine Entscheidung dazu von der Stadt.

Das klingt alles recht trist. Gibt es auch etwas Positives aus 2021 zu berichten?

Ja, die Bahn hat Phase eins der Umgestaltung des Bahnübergangs an der Oeserstraße in Nied umgesetzt. Jetzt schließen sich die Schranken automatisch, wenn ein Zug kommt, es gibt Lichtzeichen, jede Fahrspur hat eine eigene Schranke, selbst die Rad- und Fußwege. Das ist sicher auch ein Verdienst der Bürgerinitiative, die sich nach dem tödlichen Unfall im Mai 2020 sehr engagiert hat. Und auch dran bleibt. Jetzt müssen wir abwarten, ob die Bahn auch die anderen Punkte umsetzt und am Ende eine Unterführung den Bahnübergang ersetzt.

Wie sehr setzen Ihnen eigentlich die wiederholten Stromausfälle der vergangenen Monate zu?

Die Süwag wird jemanden in die Januarsitzung des Ortsbeirats schicken, um Rede und Antwort zu stehen. Das empfinde ich fast schon als erfreuliche Nachricht. Sofort nach unserer Anfrage hat man beim Energieversorger reagiert und Rückmeldung gegeben. Es gab einen großen Ausfall 2020, 2021 gab es kleinere Ausfälle. Die Ursachen waren angeblich immer andere. Wir möchten jetzt wissen, was getan wird, um das künftig zu vermeiden. Der Strombedarf dürfte ja noch eher zunehmen. Zum Beispiel, wenn alle Menschen ein Elektroauto aufladen müssen oder wenn es mehr Rechenzentren in der Stadt gibt.

Was tut sich beim Projekt Soziale Stadt in Sossenheim?

Das hat sehr schnell sehr viel erreicht in den vergangenen zwei Jahren. Die Menschen vor Ort erhalten Fördergeld für kleine Projekte, der Heimat- und Geschichtsverein hat etwa eine Gedenktafel für Wilhelm Fay neu eingefasst und eine Info-Tafel dazu gestellt. Es gibt auch Mittel für große Vorhaben. Der Spielplatz in der Carl-Sonnenschein-Siedlung ist erneuert worden. Da hatte sich zehn Jahre lang nur wenig getan, aber jetzt, wo die soziale Stadt da ist, ging es ganz schnell. Auch in der Dunant-Siedlung wird der Spielplatz modernisiert. Es geht einfach schneller, weil die Mittel da sind. Es zeigt sich auch, dass die Menschen in Sossenheim sehr engagiert sind und gut mitziehen im Beirat des Projekts.

Kann denn die soziale Stadt etwas tun, um dem vielen Verkehr beizukommen?

Da hat sich der neue Kreisverkehr positiv ausgewirkt. Nicht nur, dass er schneller fertig gestellt wurde als angekündigt. Seither fließt der Verkehr auch besser als vorher. Man kann dort auch nicht mehr rasen. Natürlich ist er kein Wundermittel. Wenn es sich auf der Autobahn staut, fahren immer noch viele Autos durch Sossenheim. Wir müssen auch schauen, wie sich der Verkehrsfluss entwickelt, wenn einmal die Regionaltangente West (RTW) fährt und dann womöglich Schließzeiten am Bahnübergang den Verkehr wieder behindern. Aber man prüft wohl Möglichkeiten und Techniken, mit denen die Schließzeiten verkürzt werden können.

Glauben Sie noch an die Regionaltangente?

Ich bin davon überzeugt. Jetzt ist das Planfeststellungsverfahren eröffnet. Das ist ein guter Schritt nach vorne.

Der Verband der Kliniken von Höchst und dem Main-Taunus-Kreis nennt sich um in Varisano. Das soll Differenzen zwischen Bad Soden, Hofheim und dem Klinikum Höchst ausräumen. Sind die Menschen im Westen medizinisch gut versorgt?

Der neue Name ist ja eher ein Kunstprodukt, interessant vielleicht für die, die von außerhalb darauf schauen. Für die Menschen hier vor Ort ist es vor allem wichtig, dass neben dem neuen Schriftzug auch weiter Klinikum Höchst steht. Ein neuer gemeinsamer Name als Dachmarke kann den Zusammenhalt stärken. Wir fühlen uns im Westen medizinisch gut versorgt; aber es ist wichtig, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Interview: George Grodensky

Am Bahnübergang Oeserstraße in Nied haben die Arbeiten begonnen.
Wie es beim Industriepark Höchst weitergeht, weiß noch niemand.
2023 soll der Bolongaropalast fertig sein, hofft Serke.
Die Vorstellung der Stadt zum Industriepark Griesheim wurde kurzfristig abgesagt.

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